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ROUNDUP/Wirtschaftsweise: Kanzler muss Zerreden der Rentenreform verhindern
Sa, 08.08.26 19:07· Quelle: dpa-AFX
BERLIN (dpa-AFX) - In der Diskussion um die Rente mit 63 fordert der Wirtschaftsweise Martin Werding von der Regierung, die Reform gänzlich umzusetzen. "Meine Sorge ist, dass die Politik das gesamte Rentenpaket aufschnürt, wenn sie einen Baustein rausnimmt. Dann werden die Reformpläne wie Dominosteine fallen, und der Kanzler kann die große Reform begraben", sagte Werding der "Rheinischen Post". Kanzler Friedrich Merz (CDU) müsse verhindern, dass die Rentenreform in der Sommerpause zerredet werde. "Die Zeit drängt: Wenn wir nichts tun, steigen die Sozialabgaben von heute 42,3 auf 50 Prozent im Jahr 2040 und 54 Prozent im Jahr 2050."
Ein Vorschlag der Rentenkommission sieht ein Ende des abschlagsfreien Renteneintritts für langjährig Versicherte ab 45 Versicherungsjahren vor. Das Modell ist als "Rente mit 63" bekannt, inzwischen gilt aber, dass ein Ausstieg aus dem Beruf nach 45 Beitragsjahren mit 64,5 Jahren möglich ist. An der geplanten Abschaffung gab es bereits viel Kritik.
Werding verteidigt die Streichung der abschlagsfreien "Rente mit 63": "Die Rente nach 45 Beitragsjahren kommt nicht etwa Menschen mit gesundheitlichen Problemen zugute, sondern Menschen, die überdurchschnittlich gesund sind und überdurchschnittlich hohe Renten haben. Arbeitgeber, die diese weiterbeschäftigen wollen, haben gegen eine solche Rente ohne Abschläge kaum eine Chance."
Werding für Abschaffung der Witwenrente
Gleichzeitig sprach sich Werding für die Abschaffung der Witwenrente aus. Diese sei nicht mehr zeitgemäß, weil Frauen heute selbst vorsorgen könnten. "Natürlich muss es Bestandsschutz und Übergangsfristen geben. Schweden hat die Witwenrente 1990 abgeschafft für alle Ehen, die danach geschlossen wurden." Die Witwenrente koste die deutsche Rentenkasse fast 50 Milliarden Euro im Jahr, das sei ein Achtel der Gesamtausgaben.
Als Ersatz schlug Werding ein Rentensplitting vor. "Danach teilen sich die Partner alle in der gemeinsamen Zeit erworbenen Rentenpunkte auf. So lange beide leben, sollte die Rente zudem etwas geringer sein als bisher." Wenn einer sterbe, habe der überlebende Partner dann mehr als die Hälfte, erklärte der Wirtschaftsweise./mee/DP/mis
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