comdirect Realzins-Radar: Deutschland spart sich arm

Quickborn, 31.03.2017

  • Deutsche Sparer verlieren 34,2 Milliarden Euro pro Jahr durch schlecht verzinste Geldanlagen
  • Für jeden Bundesbürger sind das 413 Euro pro Jahr

In kaum einem anderen Land sparen die Menschen so eifrig wie in Deutschland. Und trotzdem verlieren sie Jahr für Jahr viele Milliarden Euro. Der Grund: Die Deutschen legen ihr Geld zu großen Teilen in Geldanlagen an, deren Verzinsung deutlich unterhalb der Inflationsrate liegt.Damit führen die Spareinlagen zu einem Verlust der Kaufkraft. Angesichts der durchschnittlichen Inflationsrate von 1,9 Prozent im 1. Quartal 2017 verlieren sie damit jährlich rund 34,2 Milliarden Euro, wie der comdirect Realzins-Radar ergibt. „Die Zahlen zeigen: Deutschland spart sich arm. Noch nie war der Wertverlust niedrig verzinster Geldanlagen höher als aktuell“, sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect bank AG.

 

Wegen Inflation: Negativzinsen bei Geldanlagen
Trotzdem setzen deutsche Sparer weiterhin auf Tagesgeld, Spareinlagen und Festgeld. 2,1 Billionen Euro haben sie darin angelegt. Das entspricht mehr als einem Drittel (38 Prozent) des gesamten Finanzanlagevermögens aller Deutschen. Dabei ist die Verzinsung dieser Geldanlagen in der jüngsten Vergangenheit drastisch gesunken. Aktuell verzinsen sie sich im Durchschnitt nur noch mit 0,27 Prozent p.a. Seit Beginn der Finanzkrise Ende 2008 ist die Verzinsung um 2,5 Prozentpunkte zurückgegangen. Berücksichtigt man die Inflation, liegt die reale Verzinsung dieser Sparprodukte sogar bei -1,63 Prozent.

 

Jeder Haushalt verliert im Schnitt 872 Euro pro Jahr
In absoluten Zahlen heißt das: Jeder Deutsche, vom Kleinkind bis zum Rentner, verliert im Schnitt 413 Euro pro Jahr. Pro Haushalt sind es 872 Euro. Die niedrigen beziehungsweise sinkenden Zinsen haben der Beliebtheit von Geldanlagen jedoch keinerlei Abbruch getan. Im Gegenteil: Deutsche Sparer haben seit Beginn der Finanzkrise Ende 2008 über eine halbe Billion Euro zusätzlich in Geldanlagen geparkt, das ist ein Plus von 36 Prozent.

„Der Wunsch vieler Sparer, kurzfristig verfügbare Mittel bereit zu halten, ist verständlich“, sagt Arno Walter. Er fügt jedoch hinzu: „Der Preis für diese schnelle Verfügbarkeit ist mittel- bis langfristig ein realer Verlust des Vermögens. Anleger sollten sich daher genau überlegen, welchen Teil ihrer Spareinlagen sie liquide halten wollen. Der Rest sollte für den langfristigen Vermögensaufbau verwendet werden.“ Angesichts der anhaltenden Nullzinsphase ermutigt der comdirect-CEO die Sparer, stärker auf Wertpapiere zu setzen: „An Wertpapieren führt beim langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei.“ Wie die Vergangenheit zeigt, lassen sich damit auf lange Sicht durchweg positive Renditen erwirtschaften. Stück für Stück können sich Anleger so ein finanzielles Polster aufbauen, etwa für die eigene Altersvorsorge.

 

Zum comdirect Realzins-Radar:
Daten für das Volumen und die Zinssätze von Geldanlagen (Tagesgeld, Termin- & Spareinlagen) entstammen dem Credit Benchmark Model® von Barkow Consulting. Die Zinssätze entsprechen dem Durchschnitt des Bestandes. Als Basis werden Rohdaten der Deutschen Bundesbank sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) verwendet. Die Realverzinsung errechnet sich aus dem Nominalzins der einzelnen Geldanlagen abzüglich der Inflationsrate. Von der Berücksichtigung einer etwaigen Besteuerung der Zinserträge wird abgesehen. Zur Ermittlung des absoluten Realzinsverlustes bzw. -gewinnes wird der jeweilige Realzinssatz von Tagesgeld, Spareinlagen und Festgeldern auf die entsprechenden Bestände angewendet.

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