Risikooptimierung bei Wertpapieren

"Bei Wertpapieren sollte es immer um Risikooptimierung gehen"

Ein Investment in Wertpapiere ist mehr als nur eine simple Transaktion. Wer langfristig investieren möchte, sollte sein Vermögen diversifizieren. Wie genau das funktioniert und welche Vorteile ein Robo Advisor bietet, erklärt Frederik Jarchow, Anlageexperte bei comdirect.

Herr Jarchow, Sie sind bei comdirect für die Weiterentwicklung des Investmentprozesses zuständig. Können Sie mir sagen, was dynamisches Portfoliomanagement ausmacht? Worauf kommt es dabei an?

Gute Frage − ich fang mal am Anfang an: Anleger stellen zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Portfolio zusammen, das für diesen Zeitpunkt auch optimal ist. Doch gerade bei einem langfristigen Anlagehorizont verändern sich die Umstände. Externe Faktoren wirken auf das Portfolio ein. Das bedeutet verkürzt: Was einmal optimal war, ist es irgendwann nicht mehr. Das Portfolio droht in die falsche Richtung zu laufen, wenn sich etwas Grundlegendes am Markt verändert. Auf diese Veränderungen reagiert das dynamische Portfoliomanagement. Durch regelmäßige Überprüfungen und dann gegebenenfalls darauf basierende Anpassungen wird der bestmögliche Zustand eines Portfolios immer wieder aufs Neue hergestellt. Das Portfolio wird quasi dynamisiert.

Heißt das, Sie passen ständig die Portfolios an?

Nein. Grundlegende Anpassungen an der Allokation der Portfolios werden alle 16 Wochen vorgenommen.

Und was ist daran jetzt dynamisch?

Hier kommt die zweite Komponente des dynamischen Portfoliomanagements ins Spiel − das Risikomanagement. Denn bei Wertpapieren sollte es immer um Risikooptimierung gehen. Im Gegensatz zur Rendite kann das Risiko besser berechnet und gemanagt werden. Etwa, wenn es tatsächlich zu Marktschwankungen kommt, die über eine gewisse Normalität hinausgehen. Das bedeutet: Wenn die definierten Risikogrenzen gerissen werden, dann schichten wir bei cominvest um, bis das Risiko des Portfolios wieder im gewünschten Rahmen liegt. Die Überprüfung der Risikogrenzen erfolgt börsentäglich. Mittel- und langfristig ist dann entscheidend, dass das Portfolio von sich aus − aufgrund der gut gestreuten Assets − das Risiko reduziert.

Wie streue ich denn als Anleger meine Investments am besten?

Sie meinen, wie erreiche ich eine möglichst breite Diversifikation?

Ja.

Ihr Portfolio sollte möglichst aus gegenläufigen Werten bestehen – also solchen mit negativer Korrelation. Dafür reichen unter Umständen bereits 2 Werte.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Stellen Sie sich vor, in Ihrem Portfolio sind Werte von zwei Unternehmen: einem Unternehmen, das Regenschirme herstellt, und einem, das Sonnencreme produziert. Das erste Unternehmen steigt immer dann im Wert, wenn es regnet, da dann die Menschen Regenschirme brauchen. Und das zweite boomt, wenn die Sonne scheint. Wenn das eine Unternehmen gewinnt, dann schwächelt das andere, und umgekehrt. Das nennt man eine negative Korrelation.

Für Ihr Portfolio bedeutet das, Sie minimieren das Risiko, da nicht beide Werte gleichzeitig fallen werden. Sie reduzieren also den Anteil des unternehmensspezifischen oder individuellen Risikos am Gesamtrisiko. Ähnlich wie in diesem konstruierten Beispiel funktioniert Diversifikation vom Prinzip her auch ausgerollt auf den Gesamtmarkt. Je mehr Branchen oder Regionen in Ihrem Portfolio abgebildet werden, desto geringer ist Ihr individuelles Risiko. Unter der Prämisse, das Risiko gering zu halten, also gut diversifiziert zu sein, wird dann durch eine kluge und vorausschauende Asset-Selektion und -Allokation die Rendite optimiert.  

Und wie setzen Sie das bei cominvest um?

Grundsätzlich verteilen wir das Risiko über die Anlageklassen-Segmente wie Geldmarkt, Anleihen, Equity und alternatives Investment. Darüber hinaus verfolgen wir einen regionalen Ansatz. Dabei haben wir die Welt in unterschiedliche Bereiche eingeteilt – Deutschland, Europa, Asien, USA, Emerging Markets und Global – und diversifizieren darüber das Portfolio. Durch unsere ETF- und Fondsauswahl streuen wir zudem indirekt über Branchen. Unser Algorithmus berechnet börsentäglich die Korrelationen und die Wertentwicklungen – oder anders gesagt: die Volatilität – und hat damit ständig einen Überblick über die aktuelle Lage des Portfolios.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jarchow.