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Vom Weltmarktführer zum Betrüger und zurück 

Es läuft das Ende des ersten Quartals 2015. Ein absolut beispielhafter Anstieg der Volkswagen-Aktie liegt hinter uns. Nachrichten des neuen „Weltmarktführers“ in der Automobilbranche machen die Runde.

Toyota ist überholt. Der Konzern aus Wolfsburg ist an der Weltspitze angekommen. Der nun folgende Skandal wird nicht nur die VW-Aktie, sondern eine ganze Branche tief erschüttern. In der Rückschau lernen wir aber auch: Solche Krisen können für Investments wichtige Entscheidungen nach sich ziehen. So hart es klingt: Als Anleger können wir mit dem richtigen Timing sogar davon profitieren.

Nochmal nachgemessen 

Die lange Geschichte des Zusammenbruchs der VW-Aktie ist eigentlich sehr kurz erzählt. Da hat jemand bei den Dieselautos genauer nachgemessen und festgestellt, dass die von Volkswagen angegebenen Schadstoffwerte nicht dem Einsatz unter Realbedingungen entsprechen. Und zwar ganz genau deshalb, weil eine Software in die Autos verbaut wurde, die erkennt, wann sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet. Das wurde nicht nur den Behörden und Verbrauchern verschwiegen, wir wissen heute, es wurde auch mit krimineller Energie überhaupt erst möglich gemacht.

Als das bekannt wurde, brach die Aktie von Volkswagen dramatisch ein. Allerdings geschah dieser Einbruch der Aktie nicht von heute auf morgen. Vom Rekordstand im März 2015 bis zum Tiefststand im Oktober 2015 verging gut ein halbes Jahr. Immer flankiert von Nachrichten, die neben Updates zur Faktenlage auch Spekulationen und Fragen enthielten. Als Anleger können wir uns merken, dass Krisen zwar wie aus dem Nichts entstehen können, ihre volle Entfaltung an den Märkten aber oftmals einige Zeit dauert. Bis die Faktenlage endgültig geklärt ist, können wir bereits vorsichtiger werden und Absicherungsmaßnahmen treffen. Wir können zum Beispiel Gewinne realisieren oder mit kleinen Positionen schon erste Einstiege planen.

Zulieferer: Auswirkungen nicht nur bei Volkswagen 

Der Volkswagen Konzern beschäftigt weltweit über 650.000 ArbeitnehmerInnen. Viel größer wird die Zahl, wenn alle Zulieferer mit in die Rechnung einbezogen werden. Darunter sind viele kleine Unternehmen, allerdings auch einige aktiennotierte Unternehmen wie Continental, thyssenkrupp und Siemens. Alle sind eng mit Volkswagen verbunden. Ausländische Unternehmen wie Samsung und Vodafone sind ebenfalls wichtige Partner des internationalen Konzerns. Alle waren mindestens indirekt von der Diesel-Krise beim Autobauer betroffen und bei einigen von ihnen zeigte sich auch im Börsenkurs eine Auswirkung. In der heutigen Zeit sind die großen Konzerne weltweit vernetzt. Viele Kooperationen, Handelsketten und Verträge werden zwischen verschiedenen Branchen und Unternehmen geschlossen. Das bedeutet auch, dass eine spezielle Unternehmenskrise oftmals nicht nur ein Unternehmen betrifft, sondern viele Nebeneffekte haben kann.

Aus diesem Grund müssen wir bei unseren Investments immer auch wissen, welche anderen Unternehmen auf unsere Aktienpositionen Einfluss haben könnten. Dabei gilt es, weltweit auf dem Laufenden zu bleiben und die Nachrichten zu verfolgen. Ein Problem in China oder in den USA kann die deutsche Wirtschaft massiv betreffen und die Kurse hierzulande beeinflussen.

Die gesamte Branche unter Verdacht 

Der Einflusskreis der Volkswagen-Krise erweiterte sich stetig. Selbst die Konkurrenz wurde nach Bekanntwerden der „Schummelsoftware“ hinterfragt. Egal ob Opel (damals noch bei General Motors), Daimler oder BMW. Die Praktiken bei den Wolfsburgern ließen die Anleger der anderen Autobauer ebenfalls zweifeln. Auto-Aktien waren lange Zeit out.

Wir können aus der Volkswagen-Krise lernen, dass von einzelnen Unternehmenskrisen auch ganze Branchen betroffen sein können. „Die Krise greift um sich“, heißt es. Wenn wir in ein Unternehmen investiert haben, das nicht direkt von der Krise betroffen ist, sollten wir bei der Konkurrenz und in der gesamten Branche nach Neuigkeiten Ausschau halten. Sie könnten unsere Investments beeinflussen.

Geduldig sein und auf die Erholung warten 

Die Volkswagen-Aktie konnte sich von ihren Krisentiefs 2015 erholen. Die alten Vorkrisen-Höchststände wurden zwar nicht erreicht, Einstiege während der Krise hätten sich rückblickend dennoch gelohnt. Dabei sollten wir stets bewerten, ob eine Krise existenzbedrohend für ein Unternehmen ist oder ob es sich nur um einen kurzzeitigen (oder längerfristigen) Imageschaden handelt. Volkswagen konnte auch in den Jahren nach der Diesel-Krise immer wieder mit guten Absatzzahlen aufwarten und somit das Vertrauen der Investoren gewinnen. Außerdem hält das Land Niedersachsen Anteile am Unternehmen. Ein derartig wichtiger deutscher Arbeitgeber wird nicht so ohne weiteres von einer Regierung fallen gelassen. Jüngst haben wir das in der Corona-Krise auch bei der Lufthansa gesehen, die einen Milliardenkredit von der deutschen Bundesregierung erhalten hat, um die Insolvenz zu vermeiden. Wie gesund solche Maßnahmen für die Unternehmen sind, muss selbstverständlich je nach Situation bewertet werden.

  • Krisen können um sich greifen und ganze Branchen betreffen. Konkurrenten sind dann ebenso betroffen wie Partner und Zulieferer.
  • Die absoluten Krisentiefs wurden nach einiger Zeit überwunden. Volkswagen zeigte weiterhin gesunde Quartalszahlen, ein Zeichen für eine Erholung.
  • Einstiege in kriselnde Unternehmen lohnen sich aber nicht immer, die Auswirkungen und Einflüsse müssen genau beobachtet werden.
  • „Die Krise als Chance sehen“ war im Fall von Volkswagen ein vielversprechendes Investment.

 

 

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