Serie Anlagestrategien: Growth

Serie Anlagestrategie Auf die Zukunft setzen

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Wach­sen oder wei­chen: Growth‐Investoren suchen nach den Bran­chen und Unter­neh­men von mor­gen. Dabei neh­men sie höhe­re Ver­lust­ri­si­ken in Kauf.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt” – das ist die Devi­se von Growth-Inves­to­ren. Denn an der Bör­se wird die Zukunft gehan­delt. Soge­nann­te Growth‐Investoren kon­zen­trie­ren sich auf die Zukunfts­aus­sich­ten. Sie sind näm­lich Anhän­ger einer rei­nen Wachs­tums­stra­te­gie. Vor allem aber sind sie bemüht, die künf­ti­gen Boom‐Märkte früh­zei­tig zu erken­nen und vor ande­ren in auf­stre­ben­de Unter­neh­men zu inves­tie­ren. Growth‐Aktienempfehlungen ent­hal­ten immer ein beson­de­res Risi­ko. Aber der Ertrag kann auch über­durch­schnitt­lich hoch sein.

Das Übermorgen zählt

Auch ein­ge­fleisch­te Anhän­ger des Growth-Invest­ments ken­nen die klas­si­schen Kenn­zah­len der Unter­neh­mens­ana­ly­se. Aber sie sind für sie eher sekun­där. Ob die Unter­neh­men aktu­ell schon Gewin­ne erzie­len – ziem­lich unwich­tig. Ob die Akti­en ein nied­ri­ges Kurs‐Gewinn‐Verhältnis (KGV) haben – weit­ge­hend unin­ter­es­sant. Viel wich­ti­ger sind die für die Zukunft erwar­te­ten Gewin­ne. Des­halb set­zen Growth‐Anhänger auf die soge­nann­te PEG‐Ratio (pri­ce ear­nings to growth) statt auf das KGV. Zur Berech­nung des PEG wird das aktu­el­le Kurs‐Gewinn‐Verhältnis in Rela­ti­on zum lang­fris­tig erwar­te­ten Gewinn­wachs­tum gesetzt.

Ein Beispiel

Aktie Alpha hat ein (eigent­lich recht hohes) KGV von 30. Für Value-Inves­to­ren ist die­se Aktie eigent­lich zu teu­er. Growth-Inves­to­ren las­sen sich dadurch nicht irri­tie­ren. Sie schau­en auf das pro­gnos­ti­zier­te Wachs­tum der kom­men­den Jah­re. Und wenn hier die Gewin­ne um durch­schnitt­lich 50 % jähr­lich stei­gen sol­len, ist die Aktie für Growth‐Investoren mit einer PEG-Ratio von 0,6 sehr güns­tig bewer­tet.

PEG

Aktu­el­les KGV geteilt durch das durch­schnitt­lich erwar­te­te Gewinn­wachs­tum

30 geteilt durch 50 = 0,6

Wann ist das Growth Investing entstanden?

Das Growth Inves­ting geht auf Phil­ip Fisher zurück. Anders als sein Zeit­ge­nos­se Ben­ja­min Gra­ham, der das Value Inves­ting begrün­de­te, hat­te Fisher nach der Welt­wirt­schafts­kri­se kei­ne Angst vor ver­meint­lich „teu­ren“ Akti­en. Sei­ne Erfah­run­gen mit dem Akti­en­crash 1929: Mit Akti­en über­durch­schnitt­lich erfolg­rei­cher Fir­men konn­ten Anle­ger auch star­ke Ein­brü­che aus­sit­zen. Aller­dings kön­nen Fehl­ent­schei­dun­gen bei Growth-Akti­en eher als bei Value-Wer­ten zu hohen Ver­lus­ten füh­ren. Es ist des­halb wich­tig, bei Akti­en­emp­feh­lun­gen ver­meint­li­che Per­len von den ech­ten zu unter­schei­den. Auch müs­sen Growth-Inves­to­ren recht­zei­tig reagie­ren, wenn ein bis­he­ri­ger Gewin­ner an Schwung ver­liert. Um die spe­zi­fi­schen Risi­ken des Growth Inves­ting in den Griff zu bekom­men, hat Fisher fünf Ver­hal­tens­re­geln für Inves­to­ren auf­ge­stellt:

Fünf Verhaltensregeln für Growth-Investoren

  • Schlie­ße kei­nen Titel wegen der Grö­ße oder des Anla­ge­seg­ments aus dem Anla­ge­uni­ver­sum aus.
  • Lass dich nicht von einer Invest­ment­sto­ry emo­tio­nal mit­rei­ßen.
  • Lass dich nicht von Bewer­tungs­kenn­zif­fern irri­tie­ren: Sie kön­nen bei der Ein­schät­zung von Poten­zia­len und künf­ti­gem Wachs­tum hin­der­lich sein.
  • Sei bei dem Kauf­preis von Wachs­tums­ak­ti­en nicht klein­ka­riert.
  • Inves­tie­re nicht in Neu­grün­dun­gen ohne aus­rei­chen­de Erfah­rung.

Fisher riet zwar von Ver­su­chen des Mar­ket-Timings ab. Aber er emp­fahl Anle­gern, auch bei Growth-Akti­en auf „Son­der­an­ge­bo­te“ zu ach­ten. Die sind vor allem in fol­gen­den Pha­sen mög­lich:

  • Gro­ße Markt­ein­brü­che: Gra­vie­ren­de Kurs­ein­brü­che an den Märk­ten erwi­schen im Regel­fall alle Akti­en. Gera­de Wer­te mit lang­fris­tig guter Per­for­mance wer­den dann häu­fig beson­ders stark getrof­fen. Anders als der Durch­schnitt erho­len sie sich jedoch schnel­ler. Im Nach­hin­ein ist eine Markt­kri­se oft eine gute Chan­ce für den Ein­stieg bei Growth-Wer­ten.
  • Kurz­fris­ti­ge Pro­ble­me: Auch Top-Unter­neh­men haben schwa­che Pha­sen – mal benö­tigt der neue Vor­stand mehr Ein­ar­bei­tungs­zeit als gewöhn­lich, mal schwä­chelt ein wich­ti­ges Pro­dukt, mal beein­träch­tigt die all­ge­mei­ne schwa­che Wirt­schafts­la­ge das Geschäft. Dann wer­den die hohen Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten und Anle­ger ent­täuscht und der Kurs sackt ab – für auf­merk­sa­me Anle­ger ein Ein­stiegs­si­gnal.
  • Fal­sche Markt­ein­schät­zung: Manch­mal wer­den die Per­spek­ti­ven eines Unter­neh­mens oder einer gesam­ten Bran­che vom Markt noch nicht erkannt. In die­sen Momen­ten bie­ten sich sowohl für Value- wie für Growth-Inves­to­ren Chan­cen.

Welche Gefahren drohen bei Wachstumsbranchen?

Para­de­bei­spie­le für Wachs­tums­bran­chen waren in der Ver­gan­gen­heit zum Bei­spiel Tele­kom­ge­sell­schaf­ten, Medi­en und Logis­tik­dienst­leis­ter. Sie wuch­sen vor allem um die Jahr­tau­send­wen­de expo­nen­ti­ell. Seit­dem hat sich eini­ges geän­dert. Die bes­ten Unter­neh­men aus die­sen Bran­chen sind inzwi­schen eher Value-Wer­te mit sta­bi­len Gewin­nen, aber eher schwa­chen Umsatz­stei­ge­run­gen. Die schwä­che­ren alten Akti­en­emp­feh­lun­gen sind ein­ge­bro­chen oder vom Markt ver­schwun­den. Danach konn­ten Anle­ger viel Geld mit Social‐Media‐Werten ver­die­nen. Auch hier scheint die Wachs­tums­pha­se fürs Ers­te gebremst.

Seit gerau­mer Zeit ste­hen Akti­en aus der High­tech- und Bio­tech-Bran­che auf den Kauf­lis­ten der Growth-Inves­to­ren. Sie haben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le Hoff­nun­gen erfüllt. Aller­dings gilt auch hier: Fehl­ent­schei­dun­gen bei Wachs­tums­ak­ti­en füh­ren eher als bei Value-Wer­ten zu hohen Ver­lus­ten. Auch die bes­ten Akti­en­emp­feh­lun­gen brau­chen regel­mä­ßig posi­ti­ve Nach­rich­ten. Wenn der Umsatz stockt oder neue Kon­kur­ren­ten das Geschäfts­mo­dell bedro­hen, kann der Markt gna­den­los sein. Das zeig­te sich etwa zur Jahr­tau­send­wen­de an der Tech­no­lo­gie­bör­se Nasdaq oder auch am deut­schen Neu­en Markt. Damals platz­te die Growth‐Blase. Die hor­ren­den Kurs­ge­win­ne aus der Zeit vor der Jahr­tau­send­wen­de schmol­zen ab März 2000 wie But­ter in der Son­ne.

Welche Chancen bieten Wachstumsbranchen?

Wer auf Wachs­tums­bran­chen pur setzt, muss wach­sam sein und Akti­en bei Anzei­chen von Schwä­che ver­kau­fen. Aber in der Rie­ge der Growth‐Investoren gibt es auch vie­le, die längst nicht so risi­ko­reich inves­tie­ren. Franz Weis etwa, Fonds­ma­na­ger bei der fran­zö­si­schen Invest­ment­bou­tique Com­gest, setzt kon­se­quent auf Wachs­tums­ak­ti­en. Aber das sind dann kei­nes­falls New­co­mer, die noch kei­ne Gewin­ne erzie­len. „Die Akti­en, die sich für unse­ren Fonds qua­li­fi­zie­ren, haben eine jähr­li­che Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te von mehr als 15 % und ein zwei­stel­li­ges Gewinn­wachs­tum pro Aktie“, erklärt der Growth‐Investor. „Das kön­nen im wachs­tums­schwa­chen Umfeld nur Unter­neh­men schaf­fen, die ohne zykli­schen Rücken­wind durch Inno­va­ti­ons­kraft und erfolg­rei­che regio­na­le Expan­si­on wach­sen.“

Die Gren­zen zwi­schen nied­rig bewer­te­ten Value‐Aktien und Growth‐Titeln sind flie­ßend. Lang­jäh­ri­ge Wachs­tums­wer­te wer­den durch Ver­ste­ti­gung der Gewin­ne auf soli­dem Niveau durch­aus für Value-Inves­to­ren inter­es­sant. Ein Invest­ment­stil, der Value Inves­ting und Growth Inves­ting ver­mischt, ist der GARP‐Ansatz. GARP steht für „growth at a rea­son­ab­le pri­ce“ – Wachs­tum zu ver­nünf­ti­gen Kur­sen. Vor allem der legen­dä­re Fonds­ma­na­ger Peter Lynch setz­te stark auf die­sen Ansatz und erreich­te mit sei­nem Magel­lan-Fonds für Fide­li­ty von 1977 bis 1990 über­ra­gen­de Ren­di­ten. Sein GARP-Ansatz wird auch heu­te noch bei Lar­ge-Cap-Wachs­tums­ti­teln genutzt und ver­mei­det ähn­lich wie beim Value-Inves­ting star­ke Über­be­wer­tun­gen.

Wert­pa­pie­re und Invest­ment­fonds unter­lie­gen Kurs­schwan­kun­gen, damit sind Kurs­ver­lus­te mög­lich. Bei Wert­pa­pie­ren, die nicht in Euro notie­ren, sind zudem Wäh­rungs­ver­lus­te mög­lich. Die frü­he­re Wert­ent­wick­lung ist kein ver­läss­li­cher Indi­ka­tor für die zukünf­ti­ge Wert­ent­wick­lung. Die­ser Text dient aus­schließ­lich Infor­ma­ti­ons­zwe­cken und stellt kein Ange­bot, kei­ne Auf­for­de­rung oder Emp­feh­lung zum Kauf oder Ver­kauf von Finanz­in­stru­men­ten dar. Er soll ledig­lich Ihre selbst­stän­di­ge Anla­ge­ent­schei­dung erleich­tern und ersetzt kei­ne anleger‐ und anla­ge­ge­rech­te Bera­tung. Die Dar­stel­lung gibt nicht die Mei­nung von com­di­rect wie­der. Allein ver­bind­li­che Grund­la­ge des Kaufs bei Fonds sind die der­zeit gül­ti­gen Ver­kaufs­un­ter­la­gen des Fonds („Wesent­li­che Anle­ger­infor­ma­tio­nen“, Ver­kaufs­pro­spekt sowie Jahres‐ und Halb­jah­res­be­rich­te, soweit ver­öf­fent­licht). Die­se Unter­la­gen erhal­ten Sie auf der Fonds‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emit­ten­ten. Die hier dar­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen und Wer­tun­gen genü­gen nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen zur Gewähr­leis­tung der Unvor­ein­ge­nom­men­heit einer Anla­ge­emp­feh­lung oder Anla­ge­stra­te­gie­emp­feh­lung. Dar­über hin­aus unter­lie­gen die dar­ge­stell­ten Wert­pa­pie­re und sons­ti­gen Finanz­in­stru­men­te kei­nem Ver­bot des Han­dels vor der Ver­öf­fent­li­chung von Anlage‐ oder Anla­ge­stra­te­gie­emp­feh­lun­gen.