Dividende: Dividende gut, alles gut?

Serie Anlagestrategien Dividende gut, alles gut?

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Warum sind Aktien mit hoher Dividende so beliebt? Wer bekommt Dividenden bei Aktien? Was ist die Dividendenrendite und worauf müssen Anleger bei ihr achten?

„Dividenden sind die neuen Zinsen“: Seit einigen Jahren macht dieser Satz die Runde. Seitdem interessieren sich zunehmend auch konservative Anleger für dividendenstarke Aktien als Ergänzung oder Alternative zu Anleihen. Nahezu 38 Milliarden Euro zahlen die 30 DAX‐Unternehmen ihren Aktionären im Frühjahr 2019 aus. Die durchschnittliche Dividendenrendite im DAX liegt aktuell bei rund 3,5 % – das ist ein Vielfaches dessen, was deutsche Staatsanleihen an Rendite bringen. Die Investition in dividendenstarke Aktien gehört zu den erprobtesten Anlagestrategien überhaupt. „Langfristig stammen rund 40 % der Erträge von Aktienanlagen aus Dividenden“, erklärt Thomas Schüßler, Manager des DWS Top Dividende, mit rund 18 Milliarden Euro Anlagevolumen der größte europäische Investmentfonds.

Was ist die Dividende?

Anleger können auf zwei Arten am Unternehmenserfolg teilhaben: durch Kurssteigerungen der jeweiligen Aktie und durch die Dividendenzahlung des Unternehmens. Die Dividende ist dabei so etwas wie die Prämie für den Aktionär, weil er dem Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt. Ähnlich dem Zins für Anleihen wird sie meist jährlich ausbezahlt, in Deutschland gewöhnlich im Frühjahr. Der Unterschied zu den festverzinslichen Anlagen: Dividende gibt es in der Regel nur, wenn das Unternehmen auch Gewinne erzielt hat. Und auch dann zahlen die Unternehmen meist nur einen Teil des Gewinns an ihre Aktionäre aus. Die Höhe der Dividende schlagen Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens gemeinsam vor; auf der Hauptversammlung wird von den Aktionären darüber abgestimmt. Damit die Dividende vergleichbar wird, ermitteln Analysten die Dividendenrendite. Die Formel lautet:

Dividendenrendite

(Dividende geteilt durch aktuellen Aktienkurs) x 100 %

Ein Beispiel:

Unternehmen Alpha will eine Dividende von 1 Euro an die Aktionäre ausschütten. Der Aktienkurs des Unternehmens liegt bei 50 Euro. Dann beträgt die Dividendenrendite:

1 Euro geteilt durch 50 Euro ergibt 0,02. Dies mit 100 multipliziert ergibt eine Dividendenrendite von 2 %.

Wann gibt es die Dividende und wie viel?

Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr wird am Tage der Hauptversammlung ausgezahlt. Gleichzeitig reduziert sich der Wert der Aktie um den Dividendenbetrag. Dies wird bei der Kursnotierung am nächsten Tag durch den Zusatz „Ex Dividende“ angezeigt. Häufig jedoch erholt sich der Kurs nach der Dividendenausschüttung recht schnell. Die meisten Hauptversammlungen finden in Deutschland in den Monaten April und Mai statt. Einige wenige Unternehmen haben ein gebrochenes Geschäftsjahr, das meist am 30. September endet. Ihre Hauptversammlungen finden in der Regel dann im Januar statt. Die höchsten Dividenden zahlen aktuell im DAX folgende Unternehmen:

Die fünf dividendenstärksten Aktien im DAX (Stand: 27.05.2019)

AktieDividendenrendite
Daimler6,9 %
Covestro5,9 %
BASF5,4 %
Bayer5,4 %
Deutsche Telekom5,0 %

Welche Risiken bergen Dividendenaktien?

Doch Vorsicht: Eine hohe Dividendenrendite ist nur bedingt aussagekräftig. „Wer Dividendenaktien allein nach der Höhe der Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs auswählt, dürfte auf lange Sicht enttäuscht werden“, erklärt der Münchner Vermögensverwalter Gerd Häcker. Denn für eine steigende Dividendenrendite, also den Anstieg des Quotienten aus Dividende zu Aktienkurs, kann es mehrere Gründe geben – und nicht alle sind positiv.

  • Die Dividende steigt prozentual stark, der Aktienkurs etwas weniger.
    Das ist eine durchaus positive Entwicklung. Solche Dividendenaktien gefallen den Anlegern. Sie profitieren von beiden Renditequellen der Aktienanlage.
  • Die Dividende steigt, der Aktienkurs bleibt konstant.
    Dieser Fall ist relativ selten anzutreffen. Die Rendite der Aktienanlage ist in diesem Fall mit der Rendite einer Unternehmensanleihe vergleichbar. Wichtig: Der Anstieg der Dividende sollte nicht auf einer Erhöhung der Ausschüttungsquote beruhen.
  • Die Dividende stagniert, aber der Aktienkurs sinkt.
    Einer der dividendenstärksten Werte im DAX war über Jahre hinweg die Deutsche Telekom. Trotzdem verloren Anleger sehr viel Geld mit der Aktie, weil die enormen Kursverluste selbst mit den hohen Dividenden nicht auszugleichen waren.
  • Die Dividende sinkt, aber der Aktienkurs sinkt noch stärker.
    Aktionäre der Versorger E.ON und RWE können ein trauriges Lied davon singen. Zwar zahlten die Energieversorger im Vergleich zu ihren Top‐Jahren bis 2015 geringere, aber immer noch respektable Dividenden. Der Kurs aber hatte sich noch stärker reduziert. Trotz steigender Dividendenrendite machten Anleger lange Gesichter.

Worauf achten Dividendeninvestoren?

Der Blick auf die aktuelle Dividendenhöhe und Dividendenrendite ist also bei Weitem kein ausreichendes Auswahlkriterium. Außergewöhnlich hohe Dividendenrenditen über 6 % sind sogar eher als Alarmzeichen zu werten. Denn sie beruhen oft auf außergewöhnlichen, meist negativen Umständen. Profis achten deshalb neben der Rendite auf folgende Kriterien:

Sie zeigt an, wie viel Prozent des Unternehmensgewinns als Dividende ausgeschüttet werden. Fließt der gesamte Gewinn in die Dividenden, bleibt nämlich für Investitionen in Wachstum nichts übrig. Die Folge: Für die Zukunft kann mit steigenden Unternehmensgewinnen (und Ausschüttungen) kaum mehr gerechnet werden. Profis favorisieren je nach Branche Ausschüttungsquoten um 50 %. Diese Ausschüttungsquoten sollten vom Unternehmen über längere Zeiträume konstant gehalten werden.

Geschäftsverlauf und Gewinnentwicklung der Unternehmen müssen eine attraktive Dividende erlauben. Solide Bilanzen und etablierte Geschäftsmodelle sind dafür unverzichtbar. Die Unternehmen sollten auch in konjunkturellen Abschwüngen gute Gewinnmargen erzielen. Deshalb sind für dividendenorientierte Anleger Marktführerschaft und Preissetzungsmacht der Unternehmen wichtige Kriterien. Bei Dividendenperlen wie zum Beispiel der Schweizer Nestlé, die in vielen Dividendenfonds zu finden ist, bleibt in der Regel in Börsenkrisen der Kursverlauf stabiler als bei Durchschnittsaktien.

Wichtiger noch als die absolute Höhe der Dividende ist die Konstanz, mit der sie gezahlt wird. Die Dividende sollte niemals ausfallen (wie bei Coca‐Cola seit über 100 Jahren nicht), mindestens konstant sein und möglichst sogar regelmäßig steigen. Unternehmen, die diese Bedingungen erfüllen, heißen im Börsenjargon Dividendenaristokraten. Nur wenige deutsche Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Dividende in jedem Jahr erhöht. Dazu gehören im DAX mit Fresenius und Fresenius Medical Care zwei Unternehmen mit eher geringen Dividendenrenditen.

Investments per Fonds oder ETF?

Die genauere Analyse der Dividendenstrategie zeigt: Eine mechanische Auswahl von Aktien nach Höhe der Dividendenrendite reicht für den Anlageerfolg nicht aus. Deshalb verzichten viele Aktionäre auch auf die Einzeltitelauswahl und setzen auf Dividenden‐ETFs oder Dividendenfonds. Passiv gemanagte ETFs auf Dividendenindizes (zum Beispiel den DivDAX) allerdings haben in der Regel einen Nachteil: Sie setzen mechanisch auf die Werte mit der höchsten Dividendenrendite. In der Vergangenheit konnten sie dem Kursverfall bei dividendenstarken, aber kursschwachen Finanz‐, Telekom‐ oder Energieaktien zunächst nicht ausweichen. Zuletzt nahmen sie auch die Kursverluste bei den von den Dieselskandalen geplagten Automobilbauern mit.

Aktive Fondsmanager haben es da einfacher. Sie können verstärkt auf gewinnstarke Konsumwerte, stabile Pharmakonzerne und auch auf gewinnstarke Technologieaktien setzen, die in den vergangenen Jahren ihre Dividenden deutlich angehoben haben und deren Kurse gleichzeitig gestiegen sind. Für nahezu alle Weltregionen wurden mittlerweile Fonds mit Dividendenschwerpunkt aufgelegt:

  • Global: Die meisten Dividendenfonds investieren global. Sie nutzen dabei vor allem die Chancen in den entwickelten Märkten. Schwerpunkt der Anlage sind die USA.
  • Europäisch: In Europa sind die Dividendenrenditen überdurchschnittlich hoch. Fondsmanager können die verschiedenen Entwicklungsstadien der kontinentalen Ländermärkte nutzen.
  • Asien‐ und Emerging‐Market‐Fonds: Wirtschaft, Unternehmen und ihre Dividenden entwickeln sich seit Langem besonders stark in den asiatischen Schwellenländern.
Wertpapiere und Investmentfonds unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Dieser Text dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Er soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres‐ und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen.