Euro-Stoxx Indize Europa

Europäische Aktienindizes einfach erklärt Euro STOXX – Was ist das?

Seit der Einführung des Euro schauen Anleger vor allem auf den Euro STOXX 50, den STOXX 50 und europäische Branchenindizes.

Lange waren die europäischen Börsianer eher nationalistisch geprägt. Neben den stärksten Einzelwerten des eigenen Landes achteten Anleger in Deutschland auf den DAX 30; in Frankreich konzentrierten sie sich auf den CAC 40 und in Italien auf den MIB 30. Diese Indizes reichten den Aktionären, um die Stimmung und das Geschehen an den Märkten zu verfolgen. Mit der Weiterentwicklung der Europäischen Union und der Einführung der Einheitswährung Euro änderte sich das binnen kurzer Zeit. Die 1998 aufgelegte Euro-STOXX-Familie hatte sich schon zur Jahrtausendwende neben den jeweiligen nationalen Indizes etabliert – noch bevor der Euro als Bargeld im Portemonnaie war. Sie besteht im Kern aus:

  • Euro STOXX 50
  • Euro STOXX 600
  • STOXX Europe 50
  • STOXX Europe 600

Was ist der Euro STOXX 50?

Der bekannteste und weltweit am meisten beachtete europäische Aktienindex ist der Euro STOXX 50. Er beinhaltet die 50 wichtigsten Aktien von Unternehmen aus der Euro-Zone. Sie werden nach der Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien (Streubesitz) ausgewählt und entsprechend im Index gewichtet. Die Mitgliedschaft wird jährlich geprüft und gegebenenfalls angepasst, wenn neue Unternehmen eine höhere Marktkapitalisierung aufweisen. Der Euro STOXX 50 existiert als Euro-STOXX-Performance-Index und als Euro-STOXX-Kursindex. Beim Performance-Index werden Dividenden einberechnet, beim Kursindex nicht.

Anders als etwa beim DAX 30 ist beim Euro STOXX 50 der Kursindex die gängige Variante. Bei Kursindizes liegt die Performance systematisch unter der von Performance-Indizes. Sein Allzeithoch aus dem März 2000 hat der Euro-STOXX-50-Kursindex bis heute nicht wieder erreicht. Der Grund sind die stark gefallenen Aktienkurse, die sich bis heute nicht vollends erholt haben.

Welche Länder sind im Euro STOXX 50 besonders stark vertreten?

Prinzipiell können Unternehmen aus allen Euroländern den Sprung in den Euro STOXX 50 schaffen. De facto aber wird der Index von den großen Ländern dominiert. Frankreich und Deutschland machen gemeinsam mehr als zwei Drittel der Marktkapitalisierung aus. Französische Werte wiegen insgesamt sogar noch stärker als die deutschen. Das liegt auch an der unterschiedlichen Struktur der jeweiligen nationalen Wirtschaft. In Frankreich sind eher wenige, dafür aber sehr große und an der Börse hoch bewertete Unternehmen für das Bruttoinlandsprodukt verantwortlich. Deutschland dagegen wird stärker von Mittelständlern geprägt, die den Sprung unter die 50 größten europäischen Unternehmen natürlich nicht schaffen. Neben der zentralen Achse Deutschland-Frankreich sind auch Spanien, Italien und die Niederlande stark im Euro STOXX 50 vertreten.

Anteil der Länder am Euro STOXX 50 (in Prozent)

EuropaIndizes_Laender im EuroStoxx 50

Quelle: comdirect.de

Welche Branchen dominieren den Euro STOXX 50?

Im führenden US-Index S&P 500 haben inzwischen klar Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Facebook die höchste Gewichtung, in Europa gibt es solche Technologie-Champions kaum. Zwar machen IT-Software und Telekommunikationsunternehmen inzwischen rund 15 % der Marktkapitalisierung des Euro STOXX 50 aus. Aber noch sind die alten Industrien auf dem „Alten Kontinent“ dominierend – zumindest an der Börse. Auch wenn die Bedeutung im Vergleich zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts abgenommen hat, sind Finanzdienstleistungen (Versicherungen und Banken) mit einem Anteil von rund 20 % im Euro STOXX 50 weiterhin am stärksten vertreten. Auch Unternehmen aus der Industrie, der Konsumgüterbranche und dem Energiesektor kommen insgesamt jeweils auf über 10 % Indexanteil. Die Untergewichtung der modernen Hightech-Sektoren wird von Experten insbesondere in den vergangenen Jahren für die geringe Performance der europäischen Indizes im Vergleich zu den US-Indizes verantwortlich gemacht.

Dominante Branchen im Euro STOXX 50 (in Prozent)

EuropaIndizes_Branchen im EuroStoxx50

Quelle: comdirect.de

Wie unterscheiden sich Euro STOXX 50 und STOXX Europe 50?

Europa besteht aus mehr Ländern als den Staaten, die inzwischen den Euro als Gemeinschaftswährung eingeführt haben. Insbesondere Großbritannien beherbergt eine Vielzahl an Unternehmen mit Weltgeltung. Entsprechend sollten auch britische Aktienwerte in den Indizes berücksichtigt werden. Deshalb wurde zeitgleich zum Euro STOXX 50 der STOXX 50 aufgelegt. Für den STOXX 50 Europe gibt es ebenso eine Kurs- und eine Wertentwicklungsvariante. Das größte Ländergewicht im STOXX 50 hat Großbritannien mit seinen zahlreichen international tätigen Unternehmen. Daneben sind aber auch Aktien aus den relativ kleinen Ländern Schweden und der Schweiz prominent vertreten.

Was sind der Euro STOXX 600 und der STOXX Europe 600?

Mit 50 Werten sind die europäischen Auswahlindizes eng geschnitten. Das reicht nicht, um die gesamte Bandbreite des europäischen Aktienmarktes abzubilden. Ähnlich wie in den USA mit dem S&P 500 wurden deshalb schon 1998 auch deutlich umfangreichere Varianten eingeführt: der Euro STOXX 600 für die Euro-Zone und der STOXX 600 Europe für das gesamte Europa. Sie enthalten jeweils rund 600 Werte aus dem jeweiligen Einzugsgebiet. Auch die breiteren Indizes werden in einer Kursindex-Variante und in einer Performance-Index-Variante berechnet. Sie geben die Entwicklung der Aktienmärkte am umfassendsten wieder.

STOXX-600-Europe-Branchenindizes decken Sektoren breit ab

Neben den vier Gesamtindizes enthält die STOXX-Familie zusätzlich19 Branchenindizes. Sie werden auf der Grundlage des STOXX-600-Europe-Indexes berechnet und enthalten die jeweils dort beheimateten Einzelwerte. Die Branchenindizes bieten einen guten Überblick über die Entwicklung der einzelnen Sektoren der europäischen Wirtschaft und die Verschiebungen der Gewichte im Zeitverlauf. So hat im vergangenen Jahrzehnt die Bedeutung der Technologiebranche zugenommen, Finanzwerte und vor allem Banken haben dagegen nach der Finanzkrise an Bedeutung eingebüßt. Zu den Sektoren mit besonders vielen Einzelwerten zählen:

  • Banken
  • Industrie
  • Konsum

Wie kann ich per ETF in europäische Indizes investieren?

In die vier Gesamtindizes können Anleger sehr einfach über Zertifikate und ETF-Indexfonds investieren. Die Entgelte für Euro-STOXX-50-ETFs oder Euro-STOXX-600-ETFs sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds gering. Entsprechend beliebt sind ETFs als europäische Anlagelösungen. Bei ETFs auf Euro-STOXX-Performance-Indizes profitieren Anleger vom Zinseszinseffekt, der durch die Wiederanlage der Dividenden für ein stärkeres Anwachsen des investierten Kapitals sorgt. ETFs auf die Euro-STOXX-Kursindizes dagegen liefern regelmäßige Ausschüttungen. Beliebt sind auch die Branchen-ETFs auf der Grundlage der STOXX-600-Branchenindizes. Sie ermöglichen eine breite Abdeckung der europäischen Branchen und können zu einer gezielten Übergewichtung einzelner Sektoren genutzt werden.

Die wichtigsten europäischen Indizes auf einen Blick

 Anzahl der WerteRegionIndextypGewichtung nach
Euro STOXX 5050Euro-ZoneKursindex / Performance-IndexMarktkapitalisierung
STOXX 5050EuropaKursindex / Performance-IndexMarktkapitalisierung
Euro STOXX 600Ca. 600Euro-ZoneKursindex / Performance-IndexMarktkapitalisierung
STOXX 600Ca. 600EuropaKursindex / Performance-IndexMarktkapitalisierung