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Serie: Anlagestrategien Growth

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Wachsen oder weichen: Growth‐Investoren suchen nach den Branchen und Unternehmen von morgen. Dabei nehmen sie höhere Verlustrisiken in Kauf.

An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Sogenannte Growth‐Investoren konzentrieren sich besonders stark darauf. Sie sind Anhänger der reinen Wachstumsstra­tegie. Zwar beschäftigen sie sich auch mit der Analyse von Einzelunternehmen. Vor allem aber sind sie bemüht, künftige Boom‐Märkte frühzeitig zu erkennen. Growth‐Investments pur sind deshalb Anlagen in Start‐up‐­Unternehmen.

Für eingefleischte Growth‐Anhänger sind klassische Kennzahlen sekundär. Ob die Unternehmen aktuell schon Gewinne erzielen – unwichtig. Ob die Aktien ein niedriges Kurs‐Gewinn‐Verhältnis (KGV) haben – uninteressant. Viel wichtiger sind die für die Zukunft erwarteten Gewinne. Deshalb setzen Growth‐Anhänger auf die sogenannte PEG‐Ratio (price earnings to growth) statt auf das KGV. Zur Berechnung des PEG wird das aktuelle Kurs‐Gewinn‐Verhältnis in Relation zum langfristig erwarteten Gewinnwachstum gesetzt. Wenn zum Beispiel eine Aktie aktuell ein (eigentlich recht hohes) KGV von 30 aufweist, die Gewinne aber durchschnittlich um 50 % jährlich steigen sollen, ist diese Aktie für Growth‐Investoren sehr günstig bewertet.

Wachstumsbranchen ­Social Media und Biotech

Paradebeispiele für Wachstumsbranchen waren in der Vergangenheit Telekomausrüster, Medien und Logistiker. Heute werden vor allem Social‐Media‐Aktien, Papiere des Online‐Handels und der Biotechnologie gehypt. Auf längere Sicht erwarten Analys­ten in diesen Sektoren zunächst hohe zweistellige jährliche Umsatzzuwächse und danach dann auch die entsprechenden ­Gewinnzuwächse.

Aber: Dieses Vertrauen muss gerecht­fertigt werden. Dafür braucht es stetig positiver Nachrichten aus den Unternehmen. Wenn der Umsatz stockt oder neue Konkurrenten das Geschäftsmodell bedrohen, kann der Markt gnadenlos sein. Das ­zeigte sich etwa zur Jahrtausendwende an der ­Technologiebörse Nasdaq oder auch am deutschen Neuen Markt. Damals platzte die Growth‐Blase. Die horrenden Kurs­gewinne aus der Zeit vor der Jahrtausendwende schmolzen ab März 2000 wie Butter in der Sonne.

Aus Hoffnungswerten ­werden gestandene Aktien

Wer auf Wachstumsbranchen pur setzt, muss wachsam sein und Aktien bei Anzeichen von Schwäche verkaufen. Aber in der Riege der Growth‐Investoren gibt es auch viele, die längst nicht so risikoreich investieren. Franz Weiss etwa, Fondsmanager bei der französischen Investmentboutique Comgest, setzt konsequent auf Wachstumsaktien. Aber das sind keinesfalls Newcomer, die noch keine Gewinne erzielen. „Die Aktien, die sich für unseren Fonds qualifizieren, haben eine jährliche Eigenkapitalrendite von mehr als 15 % und ein zweistelliges Gewinnwachstum pro Aktie“, erklärt der Growth‐­Investor. „Das können im wachstumsschwachen Umfeld nur Unternehmen schaffen, die ohne zyklischen Rückenwind durch Innovationskraft und erfolgreiche regionale Expansion wachsen.“

Die Grenzen zwischen niedrig bewerteten Value‐Aktien und Growth‐Titeln sind längst fließend. So kann ein Unternehmen mit einem bewährten, aber eher langweiligen Geschäftsmodell durch Innovation plötzlich stark wachsen. Vor allem werden ­langjährige Wachstumswerte durch Verstetigung der Gewinne auf niedrigerem Niveau durchaus zu Value‐Titeln. Ein Investmentstil, der die beiden Stile Value und Growth vermischt, ist der GARP‐Ansatz. GARP steht für „growth at reasonable price“ – Wachstum zu vernünftigen Kursen. Ohnehin wachsen die erfolgreichsten Growth‐Werte irgendwann in die Value‐Kategorie hinein. Microsoft etwa gehört heute zum Stammportfolio von Dividendenfonds, Apple ist auf dem Weg dorthin.