Voice Banking: Sprachbefehl

Verbreitung, Funktion und Sicherheit Voice Banking

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Durch die Sprach­s­teuerung wird Bank­ing jet­zt zu einem intu­itiv­en Vor­gang, der sich nicht mehr an Feldern zum Aus­füllen oder ein­er Anzahl von Leerze­ichen ori­en­tieren muss.

Die Dig­i­tal­isierung hat unser Leben mit ein­er ger­adezu unvorstell­baren Geschwindigkeit verän­dert. Bank­ing ist eines der her­aus­ra­gend­sten Beispiele dafür. Vor dem Inter­net war es das Tele­fon­bank­ing, das den Weg zum Bankschal­ter in eini­gen Bere­ichen über­flüs­sig machte. Es fol­gten Onlinebank­ing, voll­ständig dig­i­tal­isierte Kred­i­tanträge ein­schließlich elek­tro­n­is­ch­er Unter­schrift und Robo Advi­sor. Jet­zt ist es das soge­nan­nte „Voice Bank­ing“, welch­es Bankgeschäfte ab sofort noch ein­fach­er, noch beque­mer macht.

Stellen Sie sich vor, Sie sagen Ihrem Smart­phone während dem Geschirrspülen an, wem Sie wie viel Geld über­weisen möcht­en, anstelle müh­sam den Lap­top zu suchen, einzuschal­ten, 22 Zif­fern abzu­tip­pen, den Namen des Empfängers und den Betrag einzugeben. Beque­mer wäre das auf jeden Fall. Was aber genau bringt Ihnen Voice Bank­ing, wie funk­tion­iert es und wie sich­er ist das Ganze? Diese Fra­gen durch­leucht­en und beant­worten wir in diesem Beitrag.

Ursprünge und Potential von Voice Banking

Es war die Bank of Amer­i­ca, die ein erstes eigenes Voice-Bank­ing-Pro­gramm entwick­elt hat. Dank divers­er Sprachas­sis­ten­ten wie Siri, Cor­tana, Alexa oder Google Assis­tent etc. kön­nte Voice Bank­ing nun auch in Deutsch­land sehr schnell Ver­bre­itung find­en. Dass hier Poten­tial steckt, zeigt eine Studie der Unternehmens­ber­atung Ernst & Young aus dem Feb­ru­ar 2018. Diese kam zu dem Schluss, dass fast jed­er Zweite in Deutsch­land schon ein­mal einen Sprachas­sis­ten­ten genutzt hat. In der Alters­gruppe der unter Dreißigjähri­gen nutzen sog­ar 70 % regelmäßig die dig­i­tal­en Helfer­lein. Dieses ist ein Hin­weis darauf, dass Voice Bank­ing in Zukun­ft einen immer größeren Raum ein­nehmen wird.

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Der Befehl, um per Sprache das Voice Bank­ing zu starten, ist denkbar ein­fach. In der Google-Befehle-Liste für den Assis­ten­ten lautet er im Fall von comdi­rect „Ok Google, rede mit comdi­rect“.

Voice Banking – so funktioniert es

Bevor wir uns damit beschäfti­gen, welche Vorteile Voice Bank­ing mit sich bringt, müssen wir natür­lich wis­sen, wie es funk­tion­iert. Im Falle des Google Assis­tants sind fol­gende Schritte nötig:

  1. Erste Voraus­set­zung ist ein Kon­to bei Google. Sind Sie hier noch nicht angemeldet, müssen Sie dieses als Erstes tun.
  2. Instal­lieren Sie die Google Assis­tant App auf Ihrem Smart­phone
  3. Verbinden Sie den Assis­ten­ten mit Ihrem Bankkon­to
  4. Geschafft: Sie kön­nen jet­zt per Sprach­be­fehl eine Über­weisung vor­bere­it­en, News zu Börsenkursen erhal­ten, den Kon­to­stand oder den Depot­stand abfra­gen

Hier eine Über­sicht über die wichtig­sten Kom­man­dos in der Google-Befehle-Liste:

  • Wie ist mein Kon­to­stand?“
  • Wie ist mein Depot­stand?“
  • Wie ist der Kurs von …?“
  • Wie ste­hen meine Favoriten?“ (Börse)
  • Füge … zu meinen Favoriten hinzu.“

Möcht­en Sie per Sprach­s­teuerung eine Über­weisung vor­bere­it­en, ist es notwendig, das Bankkon­to mit Google zu verbinden und ein Voice Pass­wort einzugeben. Haben Sie noch kein Voice Pass­wort, wer­den Sie in dem Moment dazu aufge­fordert, eines festzule­gen. Dik­tieren Sie anschließend die Empfänger­dat­en und den Betrag, zum Beispiel: „Über­weise 15 Euro an …“. Die Freiga­be der Über­weisung erfol­gt durch – im Beispiel von comdi­rect – die Verbindung mit der App und die dor­tige Eingabe ein­er TAN.

Nutzung von Voice Banking via Google Assistant auf einen Blick

  • Voraus­set­zung ist die entsprechende App auf dem Smart­phone
  • Per Google Assis­tant wird die Verbindung zur Bank hergestellt
  • Die Google-Befehle-Liste enthält alle notwendi­gen Kom­man­dos für das Voice Bank­ing
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Der Login für das Voice Bank­ing erfol­gt über eine Voice-PIN. Wichtig: Loggen Sie sich zu Ihrer eige­nen Sicher­heit nicht in der Öffentlichkeit in das sprachges­teuerte Bank­ing ein. Für zusät­zliche Sicher­heit sollen zahlre­iche Mech­a­nis­men im Sys­tem sor­gen: Google arbeit­et aktuell daran, dass der Assis­tent nur auf Ihre Stimme reagiert und nicht auf die Ihrer Nach­barn.

Wie sicher ist Voice Banking?

Wichtig ist beim Voice Bank­ing per Google Assis­tant, dass die Bank­dat­en nicht an Google weit­ergeleit­et wer­den. Die Verbindung zum Bankserv­er ist ver­schlüs­selt, sämtliche Dat­en bleiben im sicheren Netz Ihrer Bank. Google Assis­tant stellt lediglich die Brücke zwis­chen User und Bank dar.

Es gibt natür­lich einige Dinge, die Sie wie beim klas­sis­chen Onlinebank­ing via Com­put­er zur Sicher­heit Ihres Accounts berück­sichti­gen soll­ten:

  • Nutzen Sie die Sprach­s­teuerung nur in einem geschlosse­nen W-LAN Sys­tem
  • Löschen Sie in gewis­sen Abstän­den Ihren Aktiv­itätsver­lauf
  • Ver­wen­den Sie immer die neueste Ver­sion der App
  • Wählen Sie ein Pass­wort, das nicht bequem, son­dern sich­er ist

Die Sicherheit beim Voice Banking auf einen Blick

  • Google erhält keinen Zugriff auf die über­mit­tel­ten Dat­en
  • Nutzer­seit­ig gel­ten die gle­ichen Sicher­heits­maß­nah­men wie beim klas­sis­chen Onlinebank­ing

Voice Banking – was bringt es?

Wir müssen ja zugeben, Bank­ing ist nicht für jeden eine Lieblings­beschäf­ti­gung und Sie kön­nen sich ver­mut­lich auch Span­nen­deres vorstellen, als vor dem Bild­schirm zu sitzen und Kon­tostände abzufra­gen oder Über­weisun­gen auszufüllen. Möglicher­weise geht es Ihnen auch so, dass Sie froh sind, je schneller Sie das Eingabefeld am Bild­schirm wieder schließen kön­nen. Die gute Nachricht: Voice Bank­ing ist ein entschei­den­der Schritt dahin.

Für die Mehrheit der Ver­brauch­er bringt das Bank­ing per Sprach­s­teuerung zunächst ein­mal mehr Kom­fort. Kein lästiges Ein­loggen, kein Tip­pen mehr – Über­weisun­gen wer­den neben­bei getätigt.

Aber auch für Bankkun­den mit stark eingeschränk­tem bzw. nicht vorhan­den­em Sehver­mö­gen oder anderen kör­per­lichen Ein­schränkun­gen bietet die Sprach­s­teuerung eine echte Erle­ichterung. Viele Insti­tute bemühen sich zwar, ein bar­ri­ere­freies Bank­ing zu ermöglichen, es bleiben allerd­ings immer noch Fak­toren, die keine 100 % -Lösung ermöglichen. Das Bank­ing per Sprachas­sis­tent ist der 1. Schritt in die richtige Rich­tung.

Zahlen zur Akzeptanz von Voice Banking bei den Verbrauchern

Die Unternehmens­ber­atung Capgem­i­ni befragte in den USA, Großbri­tan­nien und Frankre­ich 5.000 Ver­brauch­er, in Deutsch­land 1.100 zum The­ma Voice Bank­ing. Das Ergeb­nis liefert einen ein­deuti­gen Trend hin zur Sprach­s­teuerung, weg von der Tas­tatur:

Rund 50 % der Befragten nutzen heute schon aktiv Sprachas­sis­ten­ten. 24 % der Test­per­so­n­en ziehen eine Sprach­s­teuerung der Eingabe am PC vor. Deutsch­land hinkt noch ein wenig hin­ter­her. Hierzu­lande ziehen aktuell nur 15 % den Sprachas­sis­ten­ten dem Bild­schirm vor. Schätzungsweise wird der Anteil bis zum Jahr 2021 allerd­ings auf weltweit 40 % steigen, in Deutsch­land auf 27 %.

Fast ein Fün­f­tel (18 %) bevorzu­gen den Nutzen des Sprachas­sis­ten­ten gegenüber dem Besuch ein­er Bank­fil­iale. In Deutsch­land sind es allerd­ings nur 10 % der Bankkun­den. Für 28 % der in allen 4 Län­dern Befragten ist es heute bere­its All­t­ag, Bankgeschäfte per Sprachas­sis­tent abzuwick­eln.

Für 44 % ist es wahrschein­lich, dass sie in Zukun­ft auf Voice Bank­ing umsteigen. Dabei rang­iert die Kon­to­stand­abfrage mit 70 % vor der Aus­führung ein­er Über­weisung (59 %).

Für 57 % der Befragten aus Deutsch­land ste­ht tat­säch­lich der Vorteil, Bankgeschäfte frei­händig erledi­gen zu kön­nen, an 1. Stelle der Gründe, die für die Nutzung von beispiel­sweise Google Assis­tant sprechen.

Voraus­set­zung für die Anwen­dung ist allerd­ings, dass der Assis­tent die Erwartun­gen der Anwen­der tat­säch­lich erfüllt. 79 % der Befragten Deutschen machen den Gebrauch davon abhängig, dass der Assis­tent ihren Akzent und ihre Aussprache erken­nt. Die Bere­itschaft, für den Gebrauch auf Hochdeutsch umzuschwenken, ist übri­gens eher ver­hal­ten.

Ausblick – Voice Banking auf dem Vormarsch

Voice Bank­ing ist auf dem Vor­marsch, das zeigen aktuelle Prog­nosen. Ein Blick über die Gren­zen bestätigt, dass die Funk­tion im Aus­land schon deut­lich mehr Akzep­tanz find­et als hierzu­lande. Das mag auch mit der Skep­sis in Bezug auf die Daten­sicher­heit zu tun haben. Beachtet der Nutzer jedoch die ele­mentaren Regeln des Daten­schutzes, ist Voice Bank­ing genau­so sich­er wie das klas­sis­che Onlinebank­ing. Befürch­tun­gen, dass Google die Bank­dat­en auf seinen Servern ablegt, sind unbe­grün­det.

Voice Bank­ing trifft den Nerv der Ver­brauch­er, die durch das Inter­net bish­er schon ein deut­lich­es Plus an Kom­fort beim Bank­ing erfahren haben. Sprachges­teuerte Über­weisun­gen oder Depotabfra­gen set­zen hier wieder ein­mal neue Maßstäbe in Sachen Bedi­enungs­fre­undlichkeit.