Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: Sommerloch oder Ruhe vor dem Sturm?

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Hans-Dieter Schulz

Der Mither­aus­ge­ber der Hop­pen­st­edt-Charts und L. Math­es analysieren für das Mag­a­zin die Welt­börsen.

Vom Som­mer­loch oder Som­merge­wit­ter (noch) keine Spur. Wer beruhigt in den Som­merurlaub fahren möchte, sollte über Gewinnsicherungslim­its nach­denken.

Erfahre­nen Bör­sian­ern ist die aktuelle Phase als „Som­mer-Ago­nie“ bekan­nt: Während ein Großteil der Anleger im Urlaub ist, neigen die Indizes tra­di­tionell eher zur Schwäche – und man­gels Beteili­gung auch mitunter zu hefti­gen Schwankun­gen. Bis­lang ist im DAX Per­for­mance Index davon noch nichts zu spüren, obwohl Flag­gschiffe wie die Deutsche Bank oder Daim­ler in Tur­bu­len­zen geri­eten. Der DAX kratzt aber immer wieder an sein­er Aufwärt­strendlin­ie.

Die Kon­junk­tur­nachricht­en in Deutsch­land bleiben durchwach­sen. Das ver­ar­bei­t­ende Gewerbe meldet seit August 2018 über­wiegend schrumpfende Umsätze ver­glichen zum Vor­jahr. Auch wenn es dazwis­chen auch den einen oder anderen Anstieg gibt, wurde der Höchst­wert aus dem März 2018 nicht wieder erre­icht. Da das ver­ar­bei­t­ende Gewerbe als Kern der deutschen Exportwirtschaft gilt, liegt hier der Grund­stein für eine dro­hende Rezes­sion in der Luft. Noch ist es nicht so weit, weil die anderen Branchen die leichte Scharte im ver­ar­bei­t­en­den Gewerbe überkom­pen­sieren. Aber angesichts der mehr als atem­ber­auben­den Stim­u­la­tion durch die Europäis­che Zen­tral­bank (EZB) in Gestalt von Neg­a­tivzin­sen, direk­ten Anlei­heaufkäufen und anderen Bankbi­lanzret­tungsak­tio­nen sind die aktuell aus­gewiese­nen 1,4 Prozent Wirtschaftswach­s­tum in Deutsch­land auch nicht unbe­d­ingt berauschend.

Dem DAX halfen zulet­zt gute Vor­gaben aus den USA dabei, in seinem engen Aufwärt­strend­kanal weit­er nach oben zu klet­tern. Doch der Blick auf den Chart zeigt, dass die untere Trendlin­ie dabei immer öfter nach unten angeschrammt wurde. Diese ver­läuft aktuell bei 12.400 Punk­ten.

Aufwärtspotenzial nahezu ausgereizt

Der wesentliche Unter­stützungs­fak­tor für die Aktienkurse bleibt der niedrige Zins und damit ver­bun­den der resul­tierende Anlagenot­stand auf­seit­en der Inve­storen auf der Suche nach Ren­dite. Zulet­zt tru­gen die pos­i­tiv­en Vor­gaben der US-Börsen auch den DAX noch ein Stück mit nach oben. Doch die Gewinnschätzun­gen in immer mehr Branchen drehen nach unten ab. Das Pul­ver der EZB ist weit­ge­hend ver­schossen, die Wach­s­tum­saus­sicht­en bei den expor­to­ri­en­tierten Unternehmen sind dank pro­tek­tion­is­tis­ch­er Ten­den­zen fraglich. Nur die immer neue Über­schus­sliq­uid­ität, geschaf­fen durch die Banken und getrieben durch die EZB, befeuert die Immo­bilien und die Börse noch. Kommt der kred­it­ge­speiste Kreis­lauf ins Stock­en, dann wer­den sich die Inve­storen wieder darauf besin­nen, dass an der Börse vor allem die Erwartun­gen auf kün­ftige Gewinne gehan­delt wer­den. Und da sieht es eher ver­hal­ten aus.

Der DAX kon­nte das let­zte Kur­shoch aus dem April bei 12.413 Punk­ten hin­ter sich lassen. Das ist pos­i­tiv zu werten. Dass der zu Jahres­be­ginn eingeschla­gene Aufwärt­strend­kanal nun immer öfter seine untere Trendlin­ie unter­schre­it­et, ist hinge­gen weniger erfreulich. So lange keine exter­nen Fak­toren einen Kurssturz verur­sachen, kön­nte der DAX im gün­stig­sten Fall einen flacheren Aufwärt­strend etablieren und sich in Folge nach unten auf­fäch­ern. Das wäre immer noch ein Zeichen von Schwäche, hätte für Anleger aber keine unmit­tel­bar neg­a­tiv­en Fol­gen. Genau­so gut möglich erscheint aber ein plöt­zlich­es Som­merge­wit­ter, also ein Rück­set­zer, der dann nahezu alle Branchen erfasst. Das kön­nte den DAX schnell zurück auf die nächst tief­ere Unter­stützungszone zwis­chen 11.500 und 11.750 Punk­ten führen.

Kon­junk­tur­re­sistente Branchen wie Telekom, Medi­zin und Ver­sorg­er wür­den in ein­er solchen Mark­t­bere­ini­gung ver­mut­lich weniger betrof­fen sein. Vor der Auto­mo­bil- und Bankbranche hat­te ich in der ver­gan­genen Analyse an dieser Stelle schon gewarnt und damit einen guten Riech­er bewiesen. Bei den Ver­sicher­ern bleibe ich eben­falls skep­tisch, da haben Anleger die Gele­gen­heit, jet­zt zu Höch­stkursen per Trail­ing-Stop oder nor­malem Stop-Loss die Gewinne nahe der Höch­stkurse einzu­loggen. Neuen­gage­ments drän­gen sich in der derzeit­i­gen tech­nis­chen Gemen­ge­lage defin­i­tiv nicht auf.

Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Ref­erenzzeitraum 16.07.2014 bis 16.07.2019; Quelle: comdi­rect
Aktien unter­liegen Kurss­chwankun­gen; damit sind Kursver­luste bis zum Totalver­lust möglich. Bei Wert­pa­pieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Es han­delt sich um die Angabe der Brut­tow­er­ten­twick­lung (siehe „Hin­weise zu Chart‐ und Per­for­manceangaben“). Die Auswahl der Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente dient auss­chließlich Infor­ma­tion­szweck­en und stellt kein Ange­bot, keine Auf­forderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzin­stru­menten dar. Sie soll lediglich Ihre selb­st­ständi­ge Anlageentschei­dung erle­ichtern und erset­zt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestell­ten Infor­ma­tio­nen und Wer­tun­gen genü­gen nicht den geset­zlichen Anforderun­gen zur Gewährleis­tung der Unvor­ein­genom­men­heit ein­er Anlageempfehlung oder Anlages­trate­gieempfehlung. Die Darstel­lung gibt nicht die Mei­n­ung von comdi­rect wieder. Darüber hin­aus unter­liegen die dargestell­ten Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente keinem Ver­bot des Han­dels vor der Veröf­fentlichung von Anlage‐ oder Anlages­trate­gieempfehlun­gen. Stand: 07.08.2019; Quelle: comdirect.de

Hans-Dieter Schulz

Der Mither­aus­ge­ber der Hop­pen­st­edt-Charts und L. Math­es analysieren für das Mag­a­zin die Welt­börsen.

Vom Som­mer­loch oder Som­merge­wit­ter (noch) keine Spur. Wer beruhigt in den Som­merurlaub fahren möchte, sollte über Gewinnsicherungslim­its nach­denken.

Erfahre­nen Bör­sian­ern ist die aktuelle Phase als „Som­mer-Ago­nie“ bekan­nt: Während ein Großteil der Anleger im Urlaub ist, neigen die Indizes tra­di­tionell eher zur Schwäche – und man­gels Beteili­gung auch mitunter zu hefti­gen Schwankun­gen. Bis­lang ist im DAX Per­for­mance Index davon noch nichts zu spüren, obwohl Flag­gschiffe wie die Deutsche Bank oder Daim­ler in Tur­bu­len­zen geri­eten. Der DAX kratzt aber immer wieder an sein­er Aufwärt­strendlin­ie.

Die Kon­junk­tur­nachricht­en in Deutsch­land bleiben durchwach­sen. Das ver­ar­bei­t­ende Gewerbe meldet seit August 2018 über­wiegend schrumpfende Umsätze ver­glichen zum Vor­jahr. Auch wenn es dazwis­chen auch den einen oder anderen Anstieg gibt, wurde der Höchst­wert aus dem März 2018 nicht wieder erre­icht. Da das ver­ar­bei­t­ende Gewerbe als Kern der deutschen Exportwirtschaft gilt, liegt hier der Grund­stein für eine dro­hende Rezes­sion in der Luft. Noch ist es nicht so weit, weil die anderen Branchen die leichte Scharte im ver­ar­bei­t­en­den Gewerbe überkom­pen­sieren. Aber angesichts der mehr als atem­ber­auben­den Stim­u­la­tion durch die Europäis­che Zen­tral­bank (EZB) in Gestalt von Neg­a­tivzin­sen, direk­ten Anlei­heaufkäufen und anderen Bankbi­lanzret­tungsak­tio­nen sind die aktuell aus­gewiese­nen 1,4 Prozent Wirtschaftswach­s­tum in Deutsch­land auch nicht unbe­d­ingt berauschend.

Dem DAX halfen zulet­zt gute Vor­gaben aus den USA dabei, in seinem engen Aufwärt­strend­kanal weit­er nach oben zu klet­tern. Doch der Blick auf den Chart zeigt, dass die untere Trendlin­ie dabei immer öfter nach unten angeschrammt wurde. Diese ver­läuft aktuell bei 12.400 Punk­ten.

Aufwärtspotenzial nahezu ausgereizt

Der wesentliche Unter­stützungs­fak­tor für die Aktienkurse bleibt der niedrige Zins und damit ver­bun­den der resul­tierende Anlagenot­stand auf­seit­en der Inve­storen auf der Suche nach Ren­dite. Zulet­zt tru­gen die pos­i­tiv­en Vor­gaben der US-Börsen auch den DAX noch ein Stück mit nach oben. Doch die Gewinnschätzun­gen in immer mehr Branchen drehen nach unten ab. Das Pul­ver der EZB ist weit­ge­hend ver­schossen, die Wach­s­tum­saus­sicht­en bei den expor­to­ri­en­tierten Unternehmen sind dank pro­tek­tion­is­tis­ch­er Ten­den­zen fraglich. Nur die immer neue Über­schus­sliq­uid­ität, geschaf­fen durch die Banken und getrieben durch die EZB, befeuert die Immo­bilien und die Börse noch. Kommt der kred­it­ge­speiste Kreis­lauf ins Stock­en, dann wer­den sich die Inve­storen wieder darauf besin­nen, dass an der Börse vor allem die Erwartun­gen auf kün­ftige Gewinne gehan­delt wer­den. Und da sieht es eher ver­hal­ten aus.

Der DAX kon­nte das let­zte Kur­shoch aus dem April bei 12.413 Punk­ten hin­ter sich lassen. Das ist pos­i­tiv zu werten. Dass der zu Jahres­be­ginn eingeschla­gene Aufwärt­strend­kanal nun immer öfter seine untere Trendlin­ie unter­schre­it­et, ist hinge­gen weniger erfreulich. So lange keine exter­nen Fak­toren einen Kurssturz verur­sachen, kön­nte der DAX im gün­stig­sten Fall einen flacheren Aufwärt­strend etablieren und sich in Folge nach unten auf­fäch­ern. Das wäre immer noch ein Zeichen von Schwäche, hätte für Anleger aber keine unmit­tel­bar neg­a­tiv­en Fol­gen. Genau­so gut möglich erscheint aber ein plöt­zlich­es Som­merge­wit­ter, also ein Rück­set­zer, der dann nahezu alle Branchen erfasst. Das kön­nte den DAX schnell zurück auf die nächst tief­ere Unter­stützungszone zwis­chen 11.500 und 11.750 Punk­ten führen.

Kon­junk­tur­re­sistente Branchen wie Telekom, Medi­zin und Ver­sorg­er wür­den in ein­er solchen Mark­t­bere­ini­gung ver­mut­lich weniger betrof­fen sein. Vor der Auto­mo­bil- und Bankbranche hat­te ich in der ver­gan­genen Analyse an dieser Stelle schon gewarnt und damit einen guten Riech­er bewiesen. Bei den Ver­sicher­ern bleibe ich eben­falls skep­tisch, da haben Anleger die Gele­gen­heit, jet­zt zu Höch­stkursen per Trail­ing-Stop oder nor­malem Stop-Loss die Gewinne nahe der Höch­stkurse einzu­loggen. Neuen­gage­ments drän­gen sich in der derzeit­i­gen tech­nis­chen Gemen­ge­lage defin­i­tiv nicht auf.

Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Ref­erenzzeitraum 16.07.2014 bis 16.07.2019; Quelle: comdi­rect
Aktien unter­liegen Kurss­chwankun­gen; damit sind Kursver­luste bis zum Totalver­lust möglich. Bei Wert­pa­pieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Es han­delt sich um die Angabe der Brut­tow­er­ten­twick­lung (siehe „Hin­weise zu Chart‐ und Per­for­manceangaben“). Die Auswahl der Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente dient auss­chließlich Infor­ma­tion­szweck­en und stellt kein Ange­bot, keine Auf­forderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzin­stru­menten dar. Sie soll lediglich Ihre selb­st­ständi­ge Anlageentschei­dung erle­ichtern und erset­zt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestell­ten Infor­ma­tio­nen und Wer­tun­gen genü­gen nicht den geset­zlichen Anforderun­gen zur Gewährleis­tung der Unvor­ein­genom­men­heit ein­er Anlageempfehlung oder Anlages­trate­gieempfehlung. Die Darstel­lung gibt nicht die Mei­n­ung von comdi­rect wieder. Darüber hin­aus unter­liegen die dargestell­ten Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente keinem Ver­bot des Han­dels vor der Veröf­fentlichung von Anlage‐ oder Anlages­trate­gieempfehlun­gen. Stand: 07.08.2019; Quelle: comdirect.de