Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: Mit neuem Schwung ins neue Jahr?

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Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Mit einem Vorstoß über die Abwärtstrendlinie meldete sich der DAX zurück. Trotz zuletzt wieder leicht schwächerer Tendenz sieht der Chart wieder freundlicher aus als noch zum Jahreswechsel.

„Neues Jahr – neue Chance“, werden sich viele gedacht haben, die im Januar nach gut sechs Monaten Talfahrt im DAX wieder verstärkt bei den deutschen Standardwerten zugriffen. Und so legte der DAX bis in den Februar hinein rund 800 Punkte zu, bevor zuletzt wieder eine Konsolidierung mit ersten Gewinnmitnahmen einsetzte. Da war der gestrichelt eingezeichnete steile Abwärtstrend aber schon nach oben durchbrochen – und somit ein klar bullishes Zeichen im Schaubild erkennbar. Das erste positive Chartsignal wohlgemerkt, das sich seit dem beschleunigten Kursrückgang seit Mitte 2018 ausmachen lässt. Die Anleger haben also wieder Grund, etwas mutiger zu werden. Gleichzeitig sind die Kurse aber noch niedrig – zumindest gemessen am durchschnittlichen Kursniveau der letzten zwei Jahre.

Klar ist aber auch, dass die aktuellen Unsicherheitsfaktoren wie Brexit, US‐Wirtschaftsprotektionismus und die sich global abkühlende Konjunktur nicht schwächer geworden sind. Nur sind diese inzwischen sattsam bekannt – was bei den Investoren für einen Gewöhnungseffekt sorgt. Ausschlaggebend wird mittelfristig vor allem die Versorgung der Märkte mit frischer Liquidität sein. Sei es durch direkt geschöpftes Notenbank‐Geld oder durch Zins‐ und Kreditstimulationen, welche letztlich die gleiche Wirkung entfalten. Genau zu dem Thema signalisierte die Fed zuletzt, dass sie jetzt eine langsamere Gangart beim Verkürzen ihrer Bilanz erwäge.

Es fehlt die untere Trendwendeformation

Betrachtet man das Gesamtbild, so sieht man die Börse heute am Ende einer sehr langfristigen Aufwärtsbewegung stehen, die bereits Anfang 2009 mit der großen Geldschöpfungs‐ und Rettungsaktien der großen Notenbanken begann. Dieser übergeordnete Aufwärtstrend wurde letztes Jahr nach unten gebrochen. Die Börse wird daher im laufenden Jahr in schwierigerem Fahrwasser bleiben, allerdings zeigt sich die Gewinnentwicklung bei den DAX‐Werten insgesamt widerstandsfähiger, als es der Blick auf das letzte Börsenjahr vermuten lässt. Kurzfristig bleibt nach oben Platz bis zum nächsthöheren Abwärtstrend, der aktuell bei 11.500 Punkten wartet.

Nach unten stützt die grau eingezeichnete Support‐Zone oberhalb von 10.400 Zählern, welche allerdings in der jüngsten Abwärtsbewegung nach unten durchbrochen wurde. Das macht diese Linie folglich zu einer eher schwachen Unterstützung aus technischer Sicht. Der DAX bewegt sich etwa in der Mitte dieser beiden potenziellen Wendepunkte. Für Investoren, die noch nach einer Gelegenheit suchen, ihre Aktienquote wieder etwas zu erhöhen, dürfte sich in der gegenwärtigen Konsolidierungsphase die Gelegenheit in Form von noch etwas tiefer bröckelnden Kursen bieten. Solange sich der DAX dabei oberhalb seines letzten Tiefpunktes bei 10.381,51 Punkten hält, bleibt die Lage auf Sicht der nächsten zwei bis drei Monate positiv zu werten. Das wäre der mustergültige Verlauf, bei dem sich dann eine untere Trendwendeformation in Gestalt eines Doppel‐Tiefs einzeichnen ließe. Um davon zu profitieren, können Anleger sich mit Kauflimits knapp unterhalb der aktuellen Kurse auf die Lauer legen und versuchen, den ganzen Markt oder bspw. konjunkturresistente Einzelwerte noch etwas günstiger einzusammeln.

Auch wenn der DAX nun nicht noch weiter zurücksetzt, wäre die Schwächephase seit Anfang 2018 erst überwunden, wenn es dem DAX gelänge, über die blau eingezeichnete Abwärtstrendlinie bei 11.500 Punkten anzusteigen. Auch das wäre ein positives Chartsignal aus technischer Sicht, das weiteren Spielraum für die Kurse eröffnen würde.

Insgesamt sollten sich Anleger aber darüber im Klaren sein, dass mit dem Kursrutsch des Jahres 2018 die Volatilität höher bleiben wird und sich die Börse in schneller wechselnden Trends bewegen könnte als zuvor. Wir werden den DAX mit Ihnen zusammen daher weiter genau im Auge behalten.

Dax im 5-Jahresverlauf 13022019

Referenzzeitraum: 12.02.2014 bis 12.02.2019

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