Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: Kursverfall gestoppt

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Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Der deutsche Aktienmarkt beendete im Dezember seine Talfahrt und gewann seit Anfang Januar auch wieder spürbar Terrain zurück. Für ein Einstiegssignal fehlt eine untere Trendwendeformation. Dennoch können Anleger auf dem deutlich vergünstigten Niveau wieder erste Käufe einleiten.

Die Kurserholung seit Anfang des Jahres kam für Leser dieser Kolumne nicht unerwartet. Zwar prasseln weiterhin Nachrichten über schwache Konjunkturindikatoren und in der Folge abwärts revidierte Umsatz‐ und Gewinnerwartungen auf die Anleger ein, aber gleichzeitig ist der DAX seit Sommer 2018 bereits so stark gefallen, dass sehr viel wirtschaftliches Ungemach in den Kursen eingepreist ist. So konnte sich der DAX beim jüngsten Kursrückgang in den USA erstmals seit Langem abkoppeln: Enttäuschende Zahlen bei Branchenprimus Apple schickten die US‐Indizes abwärts, ohne dass auf dem Frankfurter Parkett die Kurse einen neuerlichen Schwächeanfall erlitten. Offenbar hat der DAX nach über sechs Monaten Talfahrt ein Niveau erreicht, auf dem sich die Aktienbesitzer mehrheitlich nicht mehr so einfach von ihren Investments trennen möchten.

Der Blick auf den Chart zeigt zwei intakte Abwärtstrendlinien, rechts im Bild. Die erste lässt sich seit dem Juni‐Hoch bei rund 13.000 Punkten einzeichnen. Diese verläuft gegenwärtig bei rund 11.700 Zählern, die zweite ist gestrichelt eingezeichnet und drückte die Kurse seit Oktober noch deutlich steiler bergab. Diese kürzere Linie hat der DAX nun nahezu wieder erreicht, sie verläuft aktuell knapp unter 11.000 Punkten.

Untere Trendwende oder Griff ins fallende Messer?

Wie es nach dem Test dieser steileren Trendlinie weitergeht, ist noch völlig offen. Für eine mustergültige Kaufgelegenheit aus technischer Sicht fehlt eine untere Trendwendeformation. Nach der langen Talfahrt hätte ein solch eindeutiges Chartsignal die Strahlkraft, wieder Anleger zum Einstieg zu bewegen und würde somit für mittelfristig steigende Kurse sorgen – trotz der dank US‐Präsident Donald Trump und Brexit‐Unsicherheit eigentlich abgekühlten Stimmung bei Anlegern und Unternehmenslenkern.

Im DAX‐Chart bieten sich dafür zwei Kristallisationspunkte an: Das Zwischentief im Dezember bei 10.622 Punkten ist nicht weit entfernt und könnte zusammen mit den beiden jüngsten Tiefpunkten Anfang und Ende Dezember eine untere Schulter‐Kopf‐Schulter‐Formation beschreiben. Sollten die Kurse tiefer fallen, ergäbe sich auf Höhe des jüngsten Tiefpunktes aus dem Januar bei 10.382 Punkten die nächste Chance, dann für eine W‐Formation, oder Doppel‐Bottom. Gemessen an diesen Marken befindet sich der DAX also gegenwärtig eher „oben“. Gut denkbar wäre entsprechend ein kurzfristiger Vorstoß bis in den Bereich um 11.000 Punkte, bevor die Kurse bis in den Februar hinein noch einmal zurückfallen könnten. Anleger können von einem solchen Szenario profitieren, indem sie auf Verdacht Kauflimits im Bereich der genannten Tiefkurse aus dem Dezember und dem Januar platzieren. Damit ließe sich sowohl beim Index als auch beispielsweise bei substanzstarken Einzelwerten die wahrscheinlich kommende Kurskorrektur für einen Einstieg nutzen.

Anschließend müssen Investoren ihre Neuinvestitionen im Auge behalten: Sollte der DAX unerwartet durchsacken und ein neues Tief markieren, dann ist die Spekulation auf eine untere Wende gescheitert. Dann wäre noch Zeit, die per Limitkauf zuvor erhöhte Aktienquote mit leichten Verlusten wieder zu reduzieren. Gelingt dem DAX hingegen die Trendwende, hätte man ganz in der Nähe des Tiefs gekauft und kann die Gewinne erst einmal laufen lassen. Kursziel ist in dem Fall die nächsthöhere Trendlinie bei gegenwärtig 11.700 Punkten.

Aktien und Indizes unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste bis zum Totalverlust möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Referenzzeitraum: 15.01.2014 bis 15.01.2019; Stand: 15.01.2019; Quelle: comdirect.de