Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz Archiviert: DAX: Fall unter Supportzone

Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Die schlechten globalen Konjunkturdaten fordern an der Börse ihren Tribut. Mehr und mehr Anleger nehmen Gewinne mit. Der DAX sackte im vergangenen Monat zunächst unter seinen Aufwärtstrend und fiel Mitte August unter seine Supportzone bei 11.500 Zählern. Das eröffnet aus technischer Sicht weiteren Abwärtsspielraum. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.

Ein seltenes und zugleich zuverlässiges Warnsignal für eine bevorstehende Rezession und damit auch drohende Verluste am Aktienmarkt ist die Inversion der Zinsstrukturkurve. Anfang des Jahres meldeten die ersten Experten, dass es am US‐Anleihemarkt kurzzeitig dazu gekommen war, dass lang laufende Anleihen mit rund 30 Jahren Restlaufzeit untypischerweise weniger Rendite abwarfen als zehnjährige. Bei einer normalen Zinsstruktur fordern und erhalten Anleger mit steigender Laufzeit auch steigende Renditen. Schließlich steigt mit der Laufzeit auch immer das Ausfallrisiko. Von einer Inversion dieser logischen Zinsstruktur spricht man, wenn lang laufende sichere Anleihen am Markt so gefragt sind, dass deren resultierende Rendite niedriger wird als die von Anleihen mit kurzer Restlaufzeit.

Solche Phasen sind selten und spiegeln ein stark gestiegenes Sicherheitsbedürfnis der Anleger wider. Und zu dem Phänomen einer teilweise invertierten Zinsstruktur bei den Langläufern kam es in den USA bereits zu Jahresbeginn. Im Frühjahr unterbot dann noch einmal die Rendite der zehnjährigen Anleihen diejenige der kurz laufenden T‐Bills. Beides waren Warnsignale. Solche untypischen Ereignisse ziehen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit binnen drei bis sechs Quartalen eine Rezession nach sich. In Deutschland rentieren zehnjährige Anleihen im Minus, während einjährige Pfandbriefe positive Zinsen bringen. Also auch hier eine partielle Inversion. Zuletzt brach der ZEW‐Konjunkturindikator ein und das deutsche BIP fiel niedriger aus als im Quartal zuvor. Konnten sich die Aktienindizes in New York und Frankfurt bis Juli noch einigermaßen halten, so lassen Dow und DAX inzwischen doch darauf schließen, dass der globale Abschwung ganz offenbar gerade auch das Finanzsystem erreicht.

Kurzfristige Gegenreaktion nach oben zu erwarten

Bis Juli hielt der Anlagenotstand aufseiten der Investoren die Aktien oben, denn dank Draghis Nullzinsexperiment war die Dividendenrendite deutscher Exportwerte erheblich höher als alles, was bei sicheren Anleihen erzielbar war. Doch mittlerweile setzt sich bei Anlegern vor allem beim DAX zunehmend die Erkenntnis durch, dass Aktien doch auch Risikopapiere sind, deren Wert im Gleichklang mit den zukünftigen Gewinnerwartungen schwankt. Und angesichts der fortgesetzten protektionistischen Tendenzen in wichtigen Zielmärkten schwanken die hiesigen exportorientierten Standardwerte gerade spürbar abwärts. Die von der EZB geschaffene Überschussliquidität findet aktuell nur noch den Weg in die Edelmetalle und wenige ausgewählte Branchen, die als besonders konjunkturresistent gelten.

Aus technischer Sicht schlägt vor allem die jüngste Entwicklung ins Kontor, weil der DAX auch die Unterstützungszone zwischen 11.500 und 11.750 Punkten nach unten anriss. Doch noch ist dieser Durchbruch nicht signifikant. Plausibel wäre nach der deutlichen Talfahrt derzeit eine kurzfristige Aufwärtsreaktion, die den DAX noch einmal zurück an den oberen Rand der unten grau eingezeichneten Unterstützungszone bei 11.750 Punkten zurückführen könnte. Anschließend muss sich zeigen, wohin die Märkte tendieren, und ob nicht Politik und Zentralbanken bereits die nächsten konjunkturstützenden Maßnahmen beschließen.

Neuengagements drängen sich für Anleger mit mehrmonatigem Anlagehorizont weiterhin nicht auf. Aber es besteht eine gute Chance, dass Depot in den nächsten Wochen noch einmal zu höheren Kursen als derzeit etwas verschlanken zu können.

Referenzzeitraum: 14.08.2014 bis 14.08.2019
Aktien und Indizes unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste bis zum Totalverlust möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Typisierende Modellrechnung“ im Impressum). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Referenzzeitraum: 14.08.2014 bis 14.08.2019; Stand: 28.08.2019; Quelle: comdirect.de