Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz DAX: Fall unter Supportzone

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Hans-Dieter Schulz

Der Mither­aus­ge­ber der Hop­pen­st­edt-Charts und L. Math­es analysieren für das Mag­a­zin die Welt­börsen.

Die schlecht­en glob­alen Kon­junk­tur­dat­en fordern an der Börse ihren Trib­ut. Mehr und mehr Anleger nehmen Gewinne mit. Der DAX sack­te im ver­gan­genen Monat zunächst unter seinen Aufwärt­strend und fiel jet­zt auch unter seine Sup­port­zone bei 11.500 Zäh­lern. Das eröffnet aus tech­nis­ch­er Sicht weit­eren Abwärtsspiel­raum. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.

Ein seltenes und zugle­ich zuver­läs­siges Warnsignal für eine bevorste­hende Rezes­sion und damit auch dro­hende Ver­luste am Aktien­markt ist die Inver­sion der Zinsstruk­turkurve. Anfang des Jahres melde­ten die ersten Experten, dass es am US-Anlei­he­markt kurzzeit­ig dazu gekom­men war, dass lang laufende Anlei­hen mit rund 30 Jahren Rest­laufzeit untyp­is­cher­weise weniger Ren­dite abwar­fen als zehn­jährige. Bei ein­er nor­malen Zinsstruk­tur fordern und erhal­ten Anleger mit steigen­der Laufzeit auch steigende Ren­diten. Schließlich steigt mit der Laufzeit auch immer das Aus­fall­risiko. Von ein­er Inver­sion dieser logis­chen Zinsstruk­tur spricht man, wenn lang laufende sichere Anlei­hen am Markt so gefragt sind, dass deren resul­tierende Ren­dite niedriger wird als die von Anlei­hen mit kurz­er Rest­laufzeit.

Solche Phasen sind sel­ten und spiegeln ein stark gestiegenes Sicher­heits­bedürf­nis der Anleger wider. Und zu dem Phänomen ein­er teil­weise invertierten Zinsstruk­tur bei den Lan­gläufern kam es in den USA bere­its zu Jahres­be­ginn. Im Früh­jahr unter­bot dann noch ein­mal die Ren­dite der zehn­jähri­gen Anlei­hen diejenige der kurz laufend­en T-Bills. Bei­des waren Warnsignale. Solche untyp­is­chen Ereignisse ziehen mit sehr hoher Wahrschein­lichkeit bin­nen drei bis sechs Quar­tal­en eine Rezes­sion nach sich. In Deutsch­land ren­tieren zehn­jährige Anlei­hen im Minus, während ein­jährige Pfand­briefe pos­i­tive Zin­sen brin­gen. Also auch hier eine par­tielle Inver­sion. Zulet­zt brach der ZEW-Kon­junk­turindika­tor ein und das deutsche BIP fiel niedriger aus als im Quar­tal zuvor. Kon­nten sich die Aktienin­dizes in New York und Frank­furt bis Juli noch einiger­maßen hal­ten, so lassen Dow und DAX inzwis­chen doch darauf schließen, dass der glob­ale Abschwung ganz offen­bar ger­ade auch das Finanzsys­tem erre­icht.

Kurzfristige Gegenreaktion nach oben zu erwarten

Bis Juli hielt der Anlagenot­stand auf­seit­en der Inve­storen die Aktien oben, denn dank Draghis Nul­lzin­sex­per­i­ment war die Div­i­den­den­ren­dite deutsch­er Exportwerte erhe­blich höher als alles, was bei sicheren Anlei­hen erziel­bar war. Doch seit drei Wochen set­zt sich vor allem beim DAX zunehmend die Erken­nt­nis durch, dass Aktien doch auch Risikopa­piere sind, deren Wert im Gle­ichk­lang mit den zukün­fti­gen Gewin­ner­wartun­gen schwankt. Und angesichts der fort­ge­set­zten pro­tek­tion­is­tis­chen Ten­den­zen in wichti­gen Zielmärk­ten schwanken die hiesi­gen expor­to­ri­en­tierten Stan­dard­w­erte ger­ade spür­bar abwärts. Die von der EZB geschaf­fene Über­schus­sliq­uid­ität find­et aktuell nur noch den Weg in die Edel­met­alle und wenige aus­gewählte Branchen, die als beson­ders kon­junk­tur­re­sistent gel­ten.

Aus tech­nis­ch­er Sicht schlägt vor allem die jüng­ste Entwick­lung ins Kon­tor, weil der DAX auch die Unter­stützungszone zwis­chen 11.500 und 11.750 Punk­ten nach unten anriss. Doch noch ist dieser Durch­bruch nicht sig­nifikant. Plau­si­bel wäre nach der deut­lichen Tal­fahrt derzeit eine kurzfristige Aufwärt­sreak­tion, die den DAX noch ein­mal zurück an den oberen Rand der unten grau eingeze­ich­neten Unter­stützungszone bei 11.750 Punk­ten zurück­führen kön­nte. Anschließend muss sich zeigen, wohin die Märk­te tendieren, und ob nicht Poli­tik und Zen­tral­banken bere­its die näch­sten kon­junk­turstützen­den Maß­nah­men beschließen.

Neuen­gage­ments drän­gen sich für Anleger mit mehrmonatigem Anlage­hor­i­zont weit­er­hin nicht auf. Aber es beste­ht eine gute Chance, dass Depot in den näch­sten Wochen noch ein­mal zu höheren Kursen als derzeit etwas ver­schlanken zu kön­nen.

Ref­erenzzeitraum: 14.08.2014 bis 14.08.2019
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