Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz Archiviert: DAX: Auf zu neuen Höhen?

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Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause von Ende November bis Mitte Dezember stiegen die deutschen Standardwerte wieder an und notieren aktuell knapp unter ihrem Allzeithoch aus dem Jahr 2018. Die generell positive Stimmung zum Jahresende dürfte den DAX über den Widerstand bei 13.560 Punkten treiben. Dann wäre der weitere Weg nach oben frei. Bringt 2020 also die schönste aller Welten für Aktionäre?

Alte Börsen‐Hasen werden nicht müde, angesichts der hohen Bewertungen, der fragilen weltweiten konjunkturellen Lage und der rekordhohen Schulden aufseiten der Staaten und Unternehmen vor den Gefahren am Aktienmarkt zu warnen. Gleichwohl bleibt die Aktie eines der wenigen Investments, das den Investoren überhaupt noch eine positive Rendite verspricht. Und solange die Notenbanken die immensen Summen, die monatlich neu geschöpft werden, vornehmlich an die Banken ausgeben oder andere Kapitalsammelstellen die Anleihen abkaufen, wird sich die Inflation weiterhin nicht den Weg zu den Verbraucherpreisen bahnen, sondern nur eine Inflation der Assetpreise bleiben. Den finalen Schub für die Aktien sehen wir alle derzeit durch den Trend, die Altersvorsorge statt in Anleihen und klassischen Lebensversicherungen nun vor allem durch ETFs (börsengehandelte Fonds, meist auf bekannte Indizes) zu realisieren. Die Hauptgefahr bei dieser Konstruktion ist, dass die Herausgeber dieser Fonds fast nie die Aktien der abgebildeten Indizes physisch kaufen, sondern meist nur „synthetisch“ mittels Swap‐Konstruktionen – also einem vertraglich geregelten Austausch zukünftiger Zahlungsströme unter den wenigen großen Marktteilnehmern – mit Futures auf den zugrunde liegenden Aktienkorb setzen.

Je jämmerlicher die Renditen bei den klassischen anleihebasierten Produkten werden, desto mehr wird sich der Trend zum ETF fortsetzen. Das treibt dann die Indizes wie MSCI World, S&P500 und DAX weiter an, während mittlere Gesellschaften und kleine Nebenwerte außerhalb der bekannten Indizes weit abgeschlagen ein Schattendasein fristen. Vor allem aber steigt das Risiko einer Kettenreaktion, wenn eines Tages eine der immer weiter aufgeblähten Kapitalsammelstellen wie BlackRock oder eine oder gar mehrere der intransparenten Swap‐Gegenparteien ins Straucheln geraten sollten und wie dereinst in der Lehman‐Krise eine fatale Kettenreaktion ausgelöst wird. Mit jeder Anlagebillion, die in diese strukturierten Produkte fließt, wird das Klumpenrisiko größer, zumal der Kreis der ETF‐Herausgeber und deren Counterparts bei den Investmentbanken klein ist. Anleger bleiben gut beraten, weiter zumindest mit einem Teil ihres Vermögens ganz klassisch auf Einzelwerte zu setzen. Das selbst gemanagte Aktiendepot behält seine Daseinsberechtigung, auch wenn die Anlage in ETFs günstiger und vor allem das Streuen über verschiedene Regionen und Branchen unzweifelhaft komfortabler ist.

Allzeithoch bei 13.560 bleibt zunächst entscheidend

Solange die Notenbanken die Geldschleusen geöffnet halten, bleibt die Gefahr eines deutlichen Rückschlags an den Märkten ohnehin überschaubar – und damit scheint dann auch so schnell kein Crash bei den ETFs zu erwarten. Der DAX nähert sich gerade einmal mehr der im Chart grau eingezeichneten Widerstandszone aus Ende 2017 und Anfang 2018. Diese verläuft zwischen 13.480 und 13.560 Zählern. Angesichts des derzeitigen Aufwärtstrends ist ein Durchbruch zu erwarten. Der Weg nach oben wäre anschließend erst einmal frei. Rückenwind kommt für die hiesigen Aktien aus den USA, wo S&P, Nasdaq und Dow allesamt längst neue Hochs markiert haben und auch seitdem erheblich zulegen konnten. Die deutschen Aktien haben im Vergleich also Nachholpotenzial, bremsend wirken hierzulande die konjunkturellen Gefahren, die sich aus der exportorientierten Ausrichtung der meisten DAX‐Werte ergeben. Im zu Ende gehenden Jahr 2019 wird jetzt noch einmal das Windowdressing eine Rolle spielen. Das bedeutet, dass Aktien, die zuletzt gut gelaufen sind, weiter gefragt bleiben, während Aktien, die in den vergangenen vier Wochen schwach tendierten, auch vor dem Quartalsende von institutionellen Anlegern tendenziell gemieden werden. Im Januar wird dann eventuell umgeschichtet und es setzt eine Sektorrotation zugunsten der bis dahin zurückgebliebenen Werte ein. Der Chart spricht dafür, die Gewinne weiterhin laufen zu lassen; wo der Aufwärtstrend zu steil wird, bieten sich Stop‐Loss‐Limits an.

Technische Analyse DAX: 5-Jahres-Chart
Referenzzeitraum: 18.12.2014 bis 18.12.2019. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung; Quelle: comdirect
Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 18.12.2019; Quelle: comdirect.de