Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz DAX: Anleger zögern – trotz neuen Allzeithochs

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Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Die ersten Wochen des neuen Jahres nutzte der DAX für ein positives Chartsignal: Langsam und in kleinen Schritten gelang der Vorstoß über das bisherige Hoch bei 13.560 Punkten aus dem Jahr 2018. Doch richtig in Schwung brachte das die Anleger auch nicht. Ist die Luft raus oder startet der DAX vielleicht erst mit Verzögerung weiter durch?

Wie erwartet konnte der DAX im Januar weiter ansteigen. Durchhaltevermögen zahlte sich für die Anleger aus. Dem Deutschen Aktienindex gelang im Aufwärtssog der stark ansteigenden US‐Indizes zuletzt auch der befreiende Anstieg über die unten grau eingezeichnete Widerstandszone zwischen 13.480 und 13.560 Punkten. Technisch ist das ein Kaufsignal. Während S&P und Nasdaq aber schon seit Oktober förmlich nach oben stürmten, präsentiert sich die Aufwärtsbewegung beim deutschen Kursbarometer vergleichsweise schleppend.

Kein Wunder, die Bewertungen sind inzwischen ambitioniert, und die Gefahr unangenehmer Überraschungen bei den künftigen Unternehmensgewinnen ist angesichts von Entlassungen in so wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie und den Banken auch nicht vernachlässigbar. Die Umsätze der überwiegend exportorientierten deutschen DAX‐Konzerne sind von den neuen protektionistischen Strömungen weltweit in besonderem Maß gefährdet. Allerdings muss sich der Investor auch stets vor Augen führen, dass jeden Monat gewaltige Mengen an frischer Liquidität einmal direkt durch die Notenbanken, zum anderen aber auch durch die neue Kreditschöpfung der Geschäftsbanken am Markt wirksam werden – und dort renditebringend angelegt werden wollen. Steigt der Aktienindex, dann kann es sich kein Fondsmanager leisten, diese Aufwärtsbewegung am eigenen Depot vorbeiziehen zu lassen. Der Performancedruck zwingt sie alle in den Markt, auch wenn die institutionellen Entscheidungsträger noch so skeptisch bezüglich der weiteren Gewinnentwicklung sein sollten.

US‐Aktien und mehrere Sektoren überkauft

Während bei uns in Europa jetzt eigentlich eine bullishe Sektorrotation im Zuge einer neu belebten Aufwärtsbewegung in Gang kommen sollte, sieht es an der Leitbörse in New York realistischerweise eher danach aus, als sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Eine obere Trendwendeformation zeichnet sich zwar nicht ab, aber Dow, S&P und Nasdaq sind seit Oktober so steil nach oben geschossen, dass dort alle relevanten technischen Indikatoren eine überkaufte Situation anzeigen. Ein Rücksetzer liegt förmlich in der Luft. Sollte dieser stärker ausfallen, dann dürfte das auch beim DAX Spuren hinterlassen. Der Blick auf die DAX‐Sector‐Indizes zeigt, dass rund die Hälfte der Branchenindizes auch hierzulande zuletzt deutlich angestiegen ist. Größte Gewinner sind Versicherungen, Financial Services und die Technologie‐ und Industriewerte. Hier wäre es aus technischer Sicht nicht verkehrt, erste Gewinne mitzunehmen oder bei gut gelaufenen Einzelwerten das ein oder andere Trailing‐Stop‐Limit zu platzieren. Schwach tendieren dagegen die Automobilwerte, Chemie und die Banken. Bei Letzteren zeigt der Branchenindex aktuell den Ansatz einer unteren Trendwende.

Nach unten wird der DAX aktuell durch die frisch eroberte Unterstützung bei 13.560 und die Aufwärtstrendlinie bei rund 13.100 Punkten gestützt. Erst ein Fall unter 13.100 Punkte würde das aktuell bullishe Bild nachhaltig eintrüben.

Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Referenzzeitraum: 21.01.2015 bis 21.01.2020, Quelle: comdirect
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