Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: An der Mauer der Angst

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Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Der Aktienmarkt konnte trotz immer deutlicherer konjunktureller Warnsignale weiter zulegen. Doch je schneller der Anstieg, desto anfälliger wird der DAX auch für eine schärfere Korrektur.

Im April kletterte der DAX unverdrossen weiter. Seit Jahresbeginn summieren sich die Kursgewinne auf gut 14 %. Damit hat der DAX mehr als die Hälfte seines im Vorjahr erlittenen Kursverlustes wieder aufgeholt. Optimisten werden nun sagen, dass dann ja noch die andere Hälfte fehle. Doch bei realistischer Betrachtung ist die Lage nicht ganz so einfach.

An der Börse wird vor allem die Zukunft gehandelt. Diese präsentiert sich mit Blick auf die Auftragseingänge sowohl in Europa als auch in Deutschland nicht mehr so rosig wie noch im Jahr 2018. Parallel war auch schon der Index für die Erwartungen der Einkaufsmanager deutlich in den Kontraktionsbereich gefallen. Einzelne Branchen wie der Bau und der Dienstleistungssektor sehen noch gut aus. Aber bei den Banken und in der verarbeitenden Industrie herrschen schon klar die Molltöne vor. Jetzt, da die Dividendensaison begonnen hat, werden die Anleger gerade den ausschüttungsstarken DAX‐Aktien noch die Treue halten wollen. Doch Ende Mai, wenn auch Deutsche Post, Deutsche Bank und Daimler diesen Reigen abschließen und ihre Gewinne ausgekehrt haben, dann könnte an der Börse die nächste Saure‐Gurken‐Zeit drohen. Das auch ganz ohne äußere Einflüsse von Sündenböcken wie Trump, den Russen oder dem britischen Unterhaus.

Rückschlag oder nur seitwärts?

Kostolanys berühmtes Zitat, dass die Börsen häufig „an einer Mauer der Angst emporklettern“, kommt angesichts der Fülle an unverändert fortbestehenden Unsicherheitsfaktoren derzeit vielen erfahrenen Investoren in den Sinn. Solange die Notenbanken die Zinsen niedrig halten oder gar mit weiteren Maßnahmen zusätzliches Geld in den Markt pumpen, bleibt den Aktien zudem ein gewisser Rückenwind erhalten.

Technisch stecken die deutschen Standardwerte derzeit in einer schmalen Widerstandszone um 12.000 Punkte, die in dem unten gezeigten Schaubild grau hinterlegt ist. Wenn der Anstieg über 12.000 Zähler nachhaltig gelänge, ergäbe sich durchaus weiterer Aufwärtsspielraum. Anleger sollten sich die Chance auf eine Partizipation an einer Fortsetzung der Rally erhalten. Dazu ist es geschickt, für einen Teil der Depotpositionen ein Stop‐Loss‐Limit festzulegen, was die bisherigen Gewinne größtenteils einloggt, falls es zu einem Rückschlag kommt. Wenn der Markt nämlich ins Wanken geraten sollte, werden in der aktuellen Marktphase viele Investoren konsequent die Reißleine ziehen wollen, weil sie den Salami‐Crash aus dem vergangenen Jahr noch gut in Erinnerung haben. Zudem sind jetzt viele Anleger mit ihren Positionen wieder im Gewinn, was die Verkaufsentscheidung umso leichter macht, je mehr die Medien von einer voraussichtlichen Konjunkturdelle in Europa oder gar einem drohenden Crash des schuldenbasierten Finanzsystems berichten.

Kurzfristig überkauft

Wenn es dann zu einem Rücksetzer kommt, könnte dieser sich womöglich zu einer kurzen Verkaufspanik auswachsen. Das wäre dann aber prompt wieder eine Kaufgelegenheit, denn Aktien bleiben – neben den Immobilien – einer der Wege, seine Ersparnisse mit Aussicht auf eine regelmäßig erzielbare Rendite anzulegen. Je mehr Geld die Notenbanken schöpfen, desto mehr frei werdendes Geld wird dafür sorgen, dass der DAX auch angesichts der zuletzt durchwachsenen Konjunkturdaten nicht ins Bodenlose fällt. Kurzfristig ist der Markt aber überkauft, ein Rückschlag muss ehrlicherweise einkalkuliert werden. Zumindest eine Konsolidierungsphase mit moderat abwärtslaufenden Kursen ist nach dem schnellen Anstieg seit Anfang des Jahres überfällig.

DAX: An der Mauer der Angst
Referenzzeitraum: 15.04.2014 bis 15.04.2019
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