SAP

Chartanalyse von F.-G. Wenner SAP: Die 120-Milliarden-Euro-Wette

Franz-Georg Wenner

Franz-Georg Wenner ist Chefredakteur des börsentäglichen Anlegermagazins „Index-Radar“ und gehört zum Team bei Feingold Research. Der Spezialist für Technische Analyse ist regelmäßiger Gast bei n-tv und dem Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei „BÖRSE ONLINE“ war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter „ideas daily“.

Im internationalen Vergleich weisen die deutschen Bluechips nur ein vergleichsweise geringes Börsengewicht auf. Lediglich SAP (WKN 716460) kann als Schwergewicht bezeichnet werden, die Marktkapitalisierung liegt bei rund 130 Milliarden Euro. Siemens auf dem zweiten Platz kommt auf gut 90 Milliarden Euro. Anders formuliert: Als Indexschwergewicht bestimmt SAP auch wesentlich die Richtung beim DAX. Und hier können die Papiere der Walldorfer Software-Schmiede durchaus punkten, mit plus 14 % zählt die SAP-Aktie zu den fünf besten DAX-Werten im laufenden Jahr.

Gute Wettbewerbsposition

Wegen der hohen Wachstumsdynamik im Cloud-Geschäft wurde die 2018er-Prognose im Juli erhöht. Restrukturierungserfolge und Effizienzsteigerungen sowie die relative Stärke des Dollar gegenüber dem Euro verbessern zugleich die Wettbewerbsposition von SAP gegenüber den großen amerikanischen Konkurrenten. Daran sollte sich auch im traditionell überdurchschnittlich starken dritten und vierten Quartal nichts ändern. Gerade im Vergleich zu reinen Cloud-Anbietern wie Salesforce oder dem Software-Giganten Microsoft ist der DAX-Konzern noch vergleichsweise attraktiv bewertet. Dank der zunehmenden Vernetzung und der steigenden Bedeutung von Megathemen wie „Machine Learning“ und „Big Data“ dürfte SAP auch in Zukunft zu den Gewinnern zählen und hohe Wachstumsraten aufweisen.

Eindeutiger Aufwärtstrend

Im Kursbild schlägt sich die gute operative Entwicklung der vergangenen Jahre ebenfalls nieder. Im Gegensatz zum DAX zeigt der Trend eindeutig aufwärts, im Wochenchart dominieren steigende Hoch- und Tiefpunkte. Zudem bildet die Aktie regelmäßig gute horizontale Unterstützungen aus, die in stärkeren Korrekturphasen als untere Wendezone dienen. Die Bereiche verlaufen um 75,83 und 99 Euro. Etwas negativ zu sehen ist nur der leichte Verlust an Aufwärtsdynamik. Zuletzt lief SAP im Sommer 2017 bis an die obere Aufwärtstrendlinie, seitdem drehte der Wert immer früher nach unten. Auch die sich abzeichnende negative Divergenz im Stochastik-Indikator (blaue Linie) mahnt derzeit ein wenig zur Vorsicht.

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Referenzzeitraum: 10.10.2013 bis 10.10.2018; Quelle: comdirect

Kurzfristig sieht die Lage hingegen interessant aus. Nur rund ein Drittel der DAX-Aktien markierte in diesem Jahr ein frisches Rekordhoch – SAP zählt zu den positiven Überraschungen. Deutlich zeigt sich die erfreuliche Entwicklung im Tageschart der vergangenen Monate. Ende September sprang die Aktie dynamisch aus einer breiten Konsolidierungsformation zwischen 98/99 und 104/105 Euro nach oben in neue Kursdimensionen. Zudem notiert das Indexschwergewicht auch deutlich über der steigenden 200-Tage-Linie, während der DAX seit Wochen unter dem viel beachteten Durchschnitt läuft. Die seit einigen Tagen laufende Korrektur ist völlig normal, SAP baut so den überhitzten Zustand im Stochastik-Indikator (berechnet auf Tagesbasis) ab. Einziger Schönheitsfehler ist der zuletzt erfolgte Rücklauf in die alte Seitwärtsspanne.

Übernehmen die Bullen das Zepter?

Solange aber die wichtige Unterstützung um 98/99 Euro nicht nachhaltig durchbrochen wird, dürfte sich die Atempause als Ausgangspunkt einer weiteren Aufwärtsbewegung im häufig starken vierten Quartal erweisen. Oberhalb der zuletzt ausgebildeten Bestmarke bei rund 108 Euro könnten runde Kursschwellen eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Kurz- bis mittelfristige Zielmarken liegen somit bei 110 und 115 Euro. Trader sollten zudem auf den Abstand zur 21-Tage-Linie achten: In den vergangenen Monaten drehte SAP häufig ab einer Differenz von mehr als 4 % wieder nach unten.

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Referenzzeitraum: 10.10.2017 bis 10.10.2018; Quelle: comdirect

Aktien und Edelmetalle unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 09.10.2018; Quelle: comdirect.de