MSCI Indize World-Index

Serie: Börsenindizes
MSCI & Co.

Neue Serie: com­pass erk­lärt, wie Börs­enin­dizes berech­net wer­den, worauf Anleger acht­en soll­ten und welche Indizes beson­dere Bedeu­tung haben. Die MSCI-World-Index-Fam­i­lie bietet die bre­iteste Abdeck­ung der Welt­märk­te.

DAX plus 3 %, Dow Jones plus 2,5 %. Wenn Anleger abends diese Zahlen auf dem Smart­phone sehen, müssen sie in der Regel nicht mehr in die Einzel­w­erte ihres Depots schauen. Auch so wis­sen sie, dass der Tag an der Börse gut gelaufen ist, denn Indizes wie der DAX oder der Dow Jones bilden mit ein­er einzi­gen Zahl die Entwick­lung eines gesamten Mark­tes ab. Zunehmend verzicht­en insti­tu­tionelle und pri­vate Anleger auf die aktive Auswahl von Wert­pa­pieren und investieren mit ETF-Index­fonds direkt in den Index und seine Wer­ten­twick­lung. com­pass erk­lärt in ein­er neuen Serie, wie ver­schiedene Indizes berech­net wer­den, worauf Anleger acht­en müssen und welche Indizes beson­dere Bedeu­tung haben.

Index ist nicht gleich Index

Vor dem Zweit­en Weltkrieg gab es keine Taschen­rech­n­er, geschweige denn Com­put­er. Deshalb wur­den die Indizes früher meist sehr ein­fach berech­net. Beim Dow Jones 30 gilt die antiquierte Meth­ode immer noch. Die Kurse der 30 Aktien wer­den ein­fach addiert und durch den Dow Divi­sor geteilt, der aktuell bei rund 0,1 liegt. So wird die Börsen­wirk­lichkeit verz­er­rt dargestellt, denn der bei uns kaum bekan­nte Mis­chkonz­ern 3M hat so etwa eine höhere Indexgewich­tung als Smart­phone-Gigant Apple oder Via­gra-Konz­ern Pfiz­er. Mit Alpha­bet und Face­book fehlen zudem zwei der pop­ulärsten Aktien der ver­gan­genen Jahre. Bei jüngeren Indizes wie S & P 500, DAX oder Euro STOXX 50 gehen die Math­e­matik­er anders vor. Sie berech­nen das Gewicht im Index nach dem Wert der frei han­del­baren Aktien der einzel­nen Unternehmen. So haben Kursän­derun­gen bei DAX-Schw­ergewicht­en wie Bay­er, BASF oder SAP weit größeren Ein­fluss auf den DAX als steigende oder fal­l­ende Kurse bei Beiers­dorf oder Lufthansa.

Die meis­ten Indizes wer­den in zwei Vari­anten berech­net: Per­for­mance-Index oder Kursin­dex. Bei der Berech­nung von Per­for­mance-Indizes wird unter­stellt, dass Div­i­den­den und son­stige Ausschüttungen sofort wieder in der Aktie investiert wer­den. Bei Kursin­dizes gehen diese Ausschüttungen nicht in die Bew­er­tung ein. Ihre Wer­ten­twick­lung liegt daher meist um 2 bis 4 % unter dem Per­for­mance-Index auf densel­ben Index. Beim Ver­gle­ich des Kurs- mit dem Per­for­mance-Index auf den DAX fällt die Logik sofort auf. Bei inter­na­tionalen Ver­gle­ichen müssen Anleger allerd­ings auf­passen, welche Berech­nung erfol­gt ist.

Die Welt im Index

MSCI ist die Abkürzung für den New York­er Finanz­di­en­stleis­ter Mor­gan Stan­ley Cap­i­tal Inter­na­tion­al. Aber wenn Bör­sian­er vom MSCI sprechen, dann meinen sie meist den MSCI World Index. Dieser Aktienin­dex ist ein­er der bre­itesten Aktienin­dizes weltweit. Er wird auf Basis der Mark­tkap­i­tal­isierung als Kurs- und Per­for­mance-Index bis in das Jahr 1969 zurück berech­net. Der MSCI World spiegelt dabei die Kursen­twick­lung von rund 1.700 Aktien aus aktuell 23 Län­dern wider. Es han­delt sich allerd­ings auss­chließlich um Papiere aus den Indus­trielän­dern, den soge­nan­nten Devel­oped Mar­kets.

Durch die hohe Zahl der Aktien bildet der Index rund 85 % der Mark­tkap­i­tal­isierung dieser Län­der ab. Er zeigt deut­lich, wo weltweit die Börsen­musik spielt, denn Aktien aus den USA machen tra­di­tionell mehr als die Hälfte des gesamten Indexw­ertes aus. Zurzeit liegt der Anteil wegen der rel­a­tiv besseren Entwick­lung der US-Aktien in der jüngeren Ver­gan­gen­heit sog­ar bei nahezu 60 %. Japan und Großbri­tan­nien fol­gen mit großem Abstand. Ihr Anteil liegt aktuell jew­eils bei unter 10 %, der deutsche bei rund 3 %. Zu den am höch­sten gewichteten Branchen gehört neben IT, Kon­sum, Lebens­mit­teln, Health­care und Indus­trie weit­er­hin der Finanzsek­tor. Seit der Finanzkrise und den Kursver­lus­ten viel­er Banken hat sich der Anteil der ehe­mals dominieren­den Branche deut­lich reduziert.

Die Wer­ten­twick­lung glob­aler Aktien­fonds wird häu­fig am MSCI World Index gemessen. Dabei zeigte sich seit der Jahrtausendwende eine erstaunliche Entwick­lung. Bis etwa 2010 hat­ten sehr viele Fonds bess­er abgeschnit­ten als ihre Bench­mark, danach gelang dies nur noch sehr weni­gen Fonds.

Die Welt ist nicht genug

Der Grund für diese Under­per­for­mance ist nicht ein plöt­zlich­er Leis­tung­sein­bruch der Anlage­profis, son­dern struk­turell bed­ingt. Die Fonds­man­ag­er investieren näm­lich in der Regel einen Teil ihres Ver­mö­gens auch in Aktien aus Län­dern, die nicht im Index vertreten sind. Dazu gehören rus­sis­che und brasil­ian­is­che, vor allem aber südkoreanische, indis­che und chi­ne­sis­che Werte. Die Aktienkurse in diesen Län­dern waren vor der Finanzkrise noch mehr gestiegen als die der Indus­trielän­der, brachen aber danach umso stärk­er ein. Entsprechend gestal­tete sich der Ver­gle­ich der Wer­ten­twick­lung zwis­chen dem MSCI World Index und glob­alen Aktien­fonds. Trotz der Rückschläge in den ver­gan­genen fünf Jahren hat die Bedeu­tung der Emerg­ing Mar­kets seit dem Ende der mas­siv­en Block­kon­fronta­tion und dem ökonomis­chen Auf­stieg Chi­nas enorm zugenom­men. Dem hat auch MSCI Rech­nung getra­gen. Mit dem MSCI Emerg­ing Mar­kets wird die Entwick­lung der wichtig­sten Unternehmen von 23 Schwellen­län­dern gemessen. Am stärk­sten vertreten ist in diesem Index die Volk­sre­pub­lik Chi­na.

Eine Kom­plettsicht auf die gesamte Börsen­welt bietet ein drittes Barom­e­ter: der MSCI All Coun­tries World Index. Er fasst das Uni­ver­sum des MSCI World und des MSCI Emerg­ing Mar­kets zusam­men. Wer als Anleger wis­sen will, ob der glob­ale Aktien­fonds im eige­nen Depot eine bessere Wer­ten­twick­lung erzielt als der Markt, sollte ihn mit diesem Index ver­gle­ichen.