Kontoführungsgebühren: Was kostet ein Girokonto wirklich?

Kontoführungsgebühren Was kostet ein Girokonto wirklich?

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Viele Bankkunden bezahlen regelmäßig Entgelte: Die sogenannten Kontoführungsgebühren, die für die Bereitstellung und Pflege eines Kontos anfallen, sind ein leidiges Thema. Tatsächlich ordnen 42 % der Deutschen diese als das größte Ärgernis unter den Bankentgelten ein. Die Preismodelle einzelner Banken unterscheiden sich stark und sind oft wenig transparent. Manche Banken werben auch damit, dass sie Konten ohne Kontoführungsgebühren anbieten. In diesem Artikel erfahren Sie die Hintergründe zulässiger und unzulässiger Kontoführungsgebühren sowie wichtige Tipps, wie Sie die Kosten für Ihr Konto reduzieren können.

Was sind eigentlich Kontoführungsgebühren?

Kontoführungsgebühren sind die Kosten, die Sie für die Verwaltung Ihres Girokontos bezahlen. Sie fallen monatlich an und werden monatlich oder quartalsweise abgerechnet. Einige Banken stellen nicht nur das Verwalten des Kontos in Rechnung, sondern verlangen weitere Entgelte, zum Beispiel für Dienstleistungen wie Kontoauszüge oder Überweisungen. Diese werden direkt auf Ihrem Girokonto verrechnet und abgezogen. Die Abbuchung sehen Sie jeweils auf Ihrem Kontoauszug als Entgeltabschluss Ihrer Bank.

Bei wirtschaftlicher Betrachtung ist es zunächst nachvollziehbar, dass die Bereitstellung eines Kontos inklusive der notwendigen Dienstleistungen bei einer Bank Kosten verursacht, die gedeckt werden müssen. Allerdings sind die Entgelte nicht immer durchschaubar: Es gibt regionale Unterschiede bei Banken sowie eine Vielzahl an Varianten.

Welche Kosten können grundsätzlich beim Girokonto anfallen?

Neben den Kosten für die einfache Bereitstellung und Verwaltung Ihres Kontos, gibt es noch einige weitere Dienstleistungen, die Kosten verursachen können. Hier finden Sie einige Beispiele, für die eine Bank Geld verlangen darf:

  • Überweisungen (In‐ oder Ausland)
  • Bargeld einzahlen und abheben
  • TAN‐Verfahren
  • Einlösen von Schecks
  • Zahlungen in Fremdwährung
  • Bereitstellung einer girocard (Debitkarte) oder Zweitkarte
  • Bereitstellung einer Kreditkarte

Je nach Bank unterscheidet sich die Zusammenstellung und damit die Höhe der anfallenden Entgelte.

Tipp: Banken sind dazu verpflichtet, Ihren Kunden eine Änderung der Kontoführungsgebühren 2 Monate bevor die Änderung in Kraft tritt mitzuteilen. Aufgrund dessen haben Sie das Recht auf eine fristlose Kündigung. Sollte Ihre Bank Sie falsch, unklar oder zu spät informiert haben, können Sie in diesem Fall die angefallenen Kosten ebenfalls zurückfordern.

Gibt es auch unzulässige Kontoführungsgebühren?

Banken werden sehr stark reguliert, um die Verbraucher zu schützen. So darf eine Bank nicht für jede Leistung Entgelte verlangen, zum Beispiel nicht für Services aus Eigeninteresse wie Kosten für jede einzelne Buchung. Konkret darf eine Bank beispielsweise für folgende Dienstleistungen keine gesonderten Entgelte erheben:

  • Kündigung und Löschung des Kontos
  • Übertrag von Restguthaben auf ein anderes Konto bei Kündigung oder Auflösung
  • Erstellung oder Änderung von Freistellungsaufträgen
  • Ersatz‐Bankkarten, sofern Ihre Karte gestohlen wurde (Nachweis erforderlich)
  • Bearbeitung von Daueraufträgen
  • Kartensperre bei Verlust oder Diebstahl

Sind Konten ohne Kontoführungsgebühren vollständig kostenlos?

So verlockend es auch zunächst klingt: Wenn eine Bank mit einem kostenlosen Girokonto wirbt, heißt das nicht unbedingt, dass es sich um ein vollständig kostenloses Konto handelt. In vielen Fällen meinen die Banken damit nur, dass sie keine Kontoführungsgebühren erheben – spezielle Dienstleistungen können jedoch zusätzlich in Rechnung gestellt werden. Sie sollten sich daher ein klares Bild über das Preismodell machen und dieses mit den Angeboten anderer Banken vergleichen.

Versteckte Kostenfallen und besondere Bedingungen

Sehr verbreitet ist die Forderung eines regelmäßigen, monatlichen Geldeingangs auf dem betreffenden Konto. Als Geldeingang zählt meist das Gehalt oder eine Rente, da diese beiden Einkommensformen regelmäßig und in stabiler Höhe gezahlt werden. Die Höhe des geforderten Geldeingangs unterscheidet sich je nach Bank.

Andere Bedingungen können eine maximale Anzahl an Bargeldabhebungen oder eine maximale Anzahl an Überweisungen sein. Sie erhalten in diesen Fällen Ihr Girokonto also nur kostenlos, solange Sie zum Beispiel nur bis zu 5‐mal pro Monat Bargeld an einem Geldautomaten abheben oder nicht mehr als 12 Überweisungen pro Monat tätigen.

Weitere typische Kosten, die beim Girokonto anfallen können, sind Überweisungsentgelte, Kosten beim Geldabheben oder das Jahresentgelt bei Kreditkarten. Die Bedingungen und Kosten sind sehr unterschiedlich und können ein Girokonto erstaunlich teuer machen – auch wenn die Bank keine Kontoführungsgebühr verlangt.

Tipp:

Es gibt auch Banken, die auf komplexe Kostenmodelle verzichten. Bei comdirect können Sie zum Beispiel ein kostenloses Girokonto eröffnen. Dabei fallen keine monatlichen Kontoführungsgebühren an – und zwar unabhängig von der Höhe Ihres monatlichen Geldeingangs oder anderen Bedingungen. Beachten Sie aber, dass Geldautomatenbetreiber für die Bargeldauszahlung individuelle Entgelte erheben dürfen. comdirect hat darauf keinen Einfluss. Vor der Auszahlung werden Sie am entsprechenden Geldautomaten jedoch immer auf ein etwaiges Entgelt hingewiesen. Nutzen Sie die Möglichkeit und brechen Sie den Vorgang an dieser Stelle kostenfrei ab. Da comdirect zur Cash Group gehört, können Sie an rund 9.000 Geldautomaten der Commerzbank, Deutschen Bank, HypoVereinsbank und Postbank sowie an allen teilnehmenden Shell‐Tankstellen und bei bis zu 13.000 Handelspartnern kostenlos Geld abheben. Erfahren Sie hier, wo der nächste Geldautomat ist.

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Sie haben festgestellt, dass Sie vergleichsweise hohe Entgelte zahlen? Ein Kontowechsel ist einfacher als gedacht. Hier erfahren Sie mehr.

Das sollten Sie beachten, um Ihre Kosten für das Girokonto zu reduzieren

Auch wenn Banken oft nur kleine Beträge für die unterschiedlichsten Dienstleistungen verlangen – in der Summe kann hier einiges zusammenkommen. Überlegen Sie sich vor der Kontoeröffnung, welche Dienstleistungen Ihnen besonders wichtig sind und welche Sie häufig nutzen werden:

  • Bietet die ausgewählte Bank genügend Geldautomaten in Ihrer Nähe an, die eine kostenlose Bargeldabhebung ermöglichen?
  • Verreisen Sie häufig ins Ausland und benötigen daher oft Bargeld in einer Fremdwährung?
  • Möchten Sie eine Kreditkarte zu Ihrem Girokonto?Nutzen Sie Online‐Banking oder erledigen Sie Ihre Bankgeschäfte lieber persönlich am Schalter?
  • Benötigen Sie nur eine girocard (Debitkarte) oder auch eine Zweitkarte, zum Beispiel für einen Bevollmächtigten?

Mithilfe dieser Fragen und dem Preis‐ und Leistungsverzeichnis der Banken können Sie die möglichen Kosten eines Kontos bereits vor der Eröffnung kalkulieren. Bedenken Sie dabei erneut, dass die Werbung mit einer kostenlosen Kontoführung nicht immer gleichbedeutend mit einem tatsächlich kostenlosen Konto sein muss. Zwar sind bei fast allen deutschen Banken zumindest die Standarddienstleistungen wie Transaktionen kostenlos, aber ein Vergleich lohnt sich.

Dieser Text dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung dar.