Einfach gefragt
„Können steigende Preise gut sein?“

Neue Angst vor Infla­tion!“ Zum Jahres­be­ginn wurde eine auf fast 2 % gestiegene Infla­tion­srate in Deutsch­land so kom­men­tiert, denn zuvor waren die Preise für Waren und Dien­stleis­tun­gen jahre­lang kon­stant oder sog­ar rückläufig gewe­sen. Die Ver­brauch­er beka­men also bei jedem neuen Einkauf stets die gle­iche oder eine sog­ar größere Menge für einen fix­en Geld­be­trag.

Was die Kon­sumenten freut, mag aber die Europäis­che Zen­tral­bank (EZB) nicht. Sie will, dass die Infla­tion­srate bei rund 2 % jährlich liegt. Und dafür hat sie dieses Argu­ment: Gewöh­nen sich Ver­brauch­er an kon­stante oder fal­l­ende Preise, haben sie es mit dem Gel­daus­geben nicht mehr eilig. Vielmehr spekulieren sie darauf, dass sie immer mehr für ihr Geld bekom­men, je länger sie den Einkauf auf­schieben. Das aber ist Gift für die Wirtschaft. Bleiben Verkauf­sum­sätze bei Fir­men aus, dann investieren auch sie nicht mehr. Und wenn Fir­men weniger Investitionsgüter kaufen, ver­stärkt sich der Kaufzurückhaltungseffekt von selb­st immer weit­er. Am Ende wer­den auch weniger Arbeit­skräfte eingestellt. Und mit steigen­der Arbeit­slosigkeit nimmt die Kaufzurückhaltung nochmals zu. Die Abwärtsspi­rale durch sink­ende
Preise dreht sich weit­er und schneller.

Um diese Gefahr zu ban­nen, will die EZB zum Kaufen anre­gen und steigende Preise erzeu­gen. Dazu drückt sie die Zin­sen extrem nach unten. Die erhofften Effek­te: Sparen statt Kon­sum­ieren ver­liert an Reiz, weil es keine Sparzin­sen mehr gibt. Zweit­ens: Wer Kred­ite für Käufe aufn­immt, muss dafür kaum Zin­sen zahlen und kann sich so mehr leis­ten. Das gilt beim pri­vat­en Möbelka­uf wie bei Anschaf­fun­gen von Fir­men. Auch so nehmen die Käufe also zu. Und drit­tens helfen Minizin­sen ver­schulde­ten Staat­en in Europa. Sie müssen weniger sparen und kön­nen den Bau neuer Schulen oder Straßen fort­set­zen.

Als Gegengift zu rückläufigen Preisen soll­ten Minizin­sen aber nicht zu lange einge­set­zt wer­den. Wie in der Medi­zin dro­ht son­st der Umkehr effekt: Die Preise steigen zu schnell.