Girokonto mit Dispositionskredit

Rund ums Girokonto Girokonto mit Dispositionskredit*

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Wel­che Frei­hei­ten Ban­ken ihren Kun­den bei der Kon­to­über­zie­hung ein­räu­men, wel­che Tücken der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit hat und ob es kos­ten­güns­ti­ge Alter­na­ti­ven gibt, erfah­ren Sie in die­sem Arti­kel.

Es gibt vie­le Situa­tio­nen, in denen wir ger­ne mal mehr Geld aus­ge­ben, als wir gera­de auf dem Giro­kon­to haben. Zum Bei­spiel vor Weih­nach­ten, wie eine Sta­tis­ta-Stu­die zeigt: 17 % der Deut­schen ab 18 Jah­ren neh­men ihren Dis­po­si­ti­ons­kre­dit allein für Weih­nachts­aus­ga­ben wie Geschenk- oder Essens­ein­käu­fe in Anspruch1. Mit Blick auf die hohen Zin­sen für Dis­po­si­ti­ons­kre­di­te ist eine Info noch span­nen­der: Sat­te 87 % davon gaben an, das gelie­he­ne Geld erst inner­halb eines Jah­res zurück­zu­zah­len. Zum Glück lässt sich ein Giro­kon­to mit Dis­po­si­ti­ons­kre­dit nicht nur zu Weih­nach­ten nut­zen, son­dern das gan­ze Jahr über.

Girokonto mit Dispositionskredit: Was bedeutet das?

Vie­le Ban­ken erlau­ben ihren Kun­den, das Giro­kon­to zu über­zie­hen. So kön­nen Sie kurz­fris­tig über Geld ver­fü­gen, das Sie zu die­sem Zeit­punkt gar nicht haben – zum Bei­spiel, weil der neue Monat noch nicht begon­nen hat und das neue Gehalt noch nicht gut­ge­schrie­ben ist. Für den ein­ge­räum­ten Dis­po­si­ti­ons­kre­dit berech­net die Bank Zin­sen.

Der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit ist kein Raten­kre­dit. Er wird nicht zu einem bestimm­ten Zeit­punkt ein­ma­lig aus­ge­zahlt, son­dern steht jeder­zeit fle­xi­bel zur Ver­fü­gung. Sie kön­nen Ihren Dis­po­si­ti­ons­kre­dit also genau dann abru­fen, wenn Sie ihn tat­säch­lich brau­chen. Außer­dem gibt es kei­ne fixen Rege­lun­gen zur Rück­zah­lung. Mit dem nächs­ten Gehalt wird er auto­ma­tisch aus­ge­gli­chen, ohne dass Sie etwas tun müs­sen. Sie kön­nen aber auch selbst ent­schei­den, wann und in wel­cher Höhe Sie das über­zo­ge­ne Giro­kon­to aus­glei­chen und unab­hän­gig vom Tag, an dem Sie Gehalt bekom­men, den Dis­po­si­ti­ons­kre­dit teil­wei­se oder voll­stän­dig aus­glei­chen.

Grund­sätz­lich gilt: Sie kön­nen den Dis­po­si­ti­ons­kre­dit nur in der Höhe nut­zen, die mit Ihrer Bank ver­ein­bart ist. Haben Sie auch die­se Gren­ze aus­ge­reizt, heißt das nicht zwin­gend, dass Ihre Bank sich quer­stellt, wenn Sie Ihr Giro­kon­to auch über den Kre­dit­rah­men hin­aus belas­ten (gedul­de­te Kon­to­über­zie­hung). Der Unter­schied zum Dis­po­si­ti­ons­kre­dit: Vie­le Ban­ken rufen dafür höhe­re Zin­sen auf als beim Dis­po­si­ti­ons­kre­dit. Wenn Sie vor­her abse­hen kön­nen, dass Sie die­se Art der Über­zie­hung in Anspruch neh­men müs­sen, dann set­zen Sie sich mit Ihrer Bank in Ver­bin­dung. Soll­te sie Ihrem Vor­ha­ben nicht zustim­men, haben Sie noch etwas Zeit, sich nach einer ande­ren Opti­on umzu­se­hen.

Bis zu wel­cher Höhe Ihr finan­zi­el­ler Spiel­raum besteht, rich­tet sich vor allem danach, wie viel Geld regel­mä­ßig auf Ihrem Giro­kon­to ein­geht. Bevor die Bank Ihnen ein Kon­to mit Dis­po­si­ti­ons­kre­dit gewährt, prüft sie mit­hil­fe der Schufa oder einer ande­ren Aus­kunf­tei außer­dem Ihre Kre­dit­wür­dig­keit. Dazu müs­sen Sie selbst kei­ne Schufa-Aus­kunft vor­le­gen, statt­des­sen ermäch­ti­gen Sie die Bank im Kon­to­er­öff­nungs­an­trag, die erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen selbst ein­zu­ho­len.

Der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit ist eine fle­xi­ble Mög­lich­keit, mit der Sie als Kun­de Ihren kurz­fris­ti­gen Geld­be­darf aus­glei­chen kön­nen. Der Haken: So viel Fle­xi­bi­li­tät hat ihren Preis – die Zins­sät­ze für die Kon­to­über­zie­hung sind zwar von Bank zu Bank ver­schie­den, oft aber höher als bei ande­ren Finan­zie­rungs­for­men, z. B. einem Raten­kre­dit.

Warum die Zinsen für den Dispositionskredit vergleichsweise hoch sind

Der Bank ent­ste­hen durch Dis­po­si­ti­ons­kre­di­te höhe­re Risi­ko­kos­ten als bei­spiels­wei­se durch Raten­kre­di­te mit fes­ter Rück­zah­lung. Die­se Mehr­kos­ten legen die Ban­ken auf die Dis­po­zin­sen um, die sie ihren Kun­den für die Kon­to­über­zie­hung berech­nen. Der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit zählt des­halb zu den teu­re­ren Kre­di­ten, er soll­te nur für kurz­fris­ti­gen Finan­zie­rungs­be­darf genutzt wer­den.

Beden­ken Sie: Die Bank kann Ihren Dis­po­si­ti­ons­kre­dit unter Umstän­den kür­zen oder kün­di­gen. In die­sem Fall müs­sen Sie als Kun­de den Kre­dit voll­stän­dig an die Bank zurück­zah­len. Sol­che Umstän­de könn­ten zum Bei­spiel unrich­ti­ge Anga­ben oder eine wesent­li­che Ver­schlech­te­rung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se wie bspw. einer Pri­vat­in­sol­venz oder Kon­to­pfän­dung sein.

Vor- und Nachteile eines Dispositionskredits

Welche Vorteile hat ein Girokonto mit Dispositionskredit?

Ein Dis­po­si­ti­ons­kre­dit lässt sich im Ver­gleich zu ande­ren Kre­di­ten sehr fle­xi­bel ein­set­zen. Sie kön­nen Ihr Kon­to über­zie­hen, ohne dabei jedes Mal Kon­di­tio­nen wie Lauf­zeit, Zins­satz und Höhe des Kre­dits neu ver­ein­ba­ren zu müs­sen. Die Zins­kon­di­tio­nen fin­den Sie auf der Web­sei­te des Unter­neh­mens, im Preis- und Leis­tungs­ver­zeich­nis der Bank. Der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit kann enorm hilf­reich sein, wenn Sie kurz­fris­tig finan­zi­el­le Lücken aus­glei­chen oder auf unvor­her­ge­se­he­ne Kos­ten reagie­ren müs­sen – sei es für eine drin­gen­de Repa­ra­tur am Auto oder eine neue Wasch­ma­schi­ne, weil die alte von heu­te auf mor­gen den Geist auf­gibt. Ein wei­te­rer Vor­teil gegen­über “nor­ma­len” Raten­kre­di­ten: Die Til­gung erfolgt auto­ma­tisch durch Geld­ein­gän­ge auf Ihr Kon­to, z. B. bei Gehalts­ein­gang. Die Zin­sen wer­den Tag genau berech­net und fal­len nur an, wenn Sie den Dis­po­si­ti­ons­kre­dit wirk­lich in Anspruch neh­men.

Beispielrechnung eines Dispokredites

Die Kehrseite des Dispositionskredites

Ver­gli­chen mit ande­ren Kre­di­ten hat der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit auch einen emp­find­li­chen Nach­teil: Die Zin­sen sind höher. Trotz Nied­rig­zins­zei­ten liegt der durch­schnitt­li­che Dis­po­zins aktu­ell bei 9,72 %. Wer ein Kon­to braucht und den Dis­po­si­ti­ons­kre­dit nut­zen will, soll­te also die Ange­bo­te ver­glei­chen und sich eine Bank mit nied­ri­gen Dis­po­zin­sen suchen. Ach­tung: Es gibt Ban­ken, die nied­ri­ge Dis­po­zin­sen anbie­ten, aller­dings nur in Ver­bin­dung mit spe­zi­el­len Pre­mi­um­kon­ten, zu denen dann Extras wie eine gol­de­ne Kre­dit­kar­te gehö­ren. Lei­der ist in sol­chen Fäl­len nicht immer alles Gold, was glänzt: Oft ist ein sol­ches Kon­to zu teu­er, auch wenn Sie den Dis­po­si­ti­ons­kre­dit regel­mä­ßig nut­zen.

Engagement

Tipp: Mit einem Dis­po­zins von 6,5 % ist der Dis­po­si­ti­ons­kre­dit bei com­di­rect im Markt­ver­gleich beson­ders güns­tig.

Dispokredit im Marktvergleich

Vermeiden Sie, Ihr Girokonto dauerhaft zu überziehen

Wegen der hohen Kos­ten soll­ten Sie den Dispo­rah­men Ihres Giro­kon­tos vor allem kurz­fris­tig nut­zen. Wenn das Kon­to Monat für Monat wei­ter ins Minus rutscht, sam­meln Sie nicht nur Schul­den an, son­dern zah­len auch unnö­tig hohe Zin­sen. Über­zie­hen Sie Ihr Giro­kon­to am bes­ten nur soweit, dass Sie es mit dem nächs­ten regel­mä­ßi­gen Zah­lungs­ein­gang pro­blem­los wie­der aus­glei­chen kön­nen. Gelingt Ihnen das nicht und Sie ste­cken dau­er­haft im Dis­po­si­ti­ons­kre­dit (ein­ge­räum­te Kon­to­über­zie­hung) fest, kann eine Umschul­dung auf einen güns­ti­gen Raten­kre­dit hel­fen, die Kos­ten zu redu­zie­ren und den Betrag regel­mä­ßig in klei­nen Raten zurück­zu­füh­ren.

Alternativen zum Girokonto mit Dispositionskredit

Wenn Sie Geld brau­chen und gleich­zei­tig über gering ver­zins­te Spar­gut­ha­ben ver­fü­gen, soll­ten Sie die­se bes­ser auf­lö­sen, statt Ihr Giro­kon­to wei­ter zu über­zie­hen und dafür teu­re Dis­po­zin­sen zu zah­len. Falls Sie das gelie­he­ne Geld für einen län­ge­ren Zeit­raum benö­ti­gen, emp­feh­len wir Ihnen einen Raten­kre­dit mit fes­ten Rück­zah­lungs­ra­ten als deut­lich güns­ti­ge­re Alter­na­ti­ve zum Dis­po­si­ti­ons­kre­dit. Wofür Sie den Raten­kre­dit nut­zen, ent­schei­den Sie natür­lich selbst.

Auch ein soge­nann­ter Rah­men­kre­dit kann eine Alter­na­ti­ve zum Giro­kon­to mit Dis­po­si­ti­ons­kre­dit sein. Das Modell: Die Bank sichert Ihnen einen bestimm­ten Kre­dit­rah­men zu, die tat­säch­lich benö­tig­te Sum­me kön­nen Sie dann kurz­fris­tig auf Ihr Kon­to über­wei­sen las­sen. Zins­satz und Zeit­punkt der Rück­zah­lung wer­den ver­trag­lich ver­ein­bart, nur auf den abge­ru­fe­nen Betrag zah­len Sie Zin­sen. Beach­ten Sie: Ein Rah­men­kre­dit ist nicht zwin­gend güns­ti­ger als ein Giro­kon­to mit Dis­po­si­ti­ons­kre­dit. Infor­mie­ren Sie sich hier genau, wie hoch die Zins­sät­ze sind, und ver­glei­chen Sie die­se mit den Dis­po­zin­sen.

Tipp:

Auch, wenn Ihre Bank Ihnen ein Giro­kon­to mit Dis­po­si­ti­ons­kre­dit anbie­tet, sind Sie nicht ver­pflich­tet, es in Anspruch zu neh­men. Wenn es Ihnen schwer­fällt, den Kre­dit immer unter Kon­trol­le zu behal­ten, kön­nen Sie jeder­zeit auf Ihre Bank zuge­hen und die Höhe anpas­sen las­sen. Ein Giro­kon­to zu top Kon­di­tio­nen kön­nen Sie auch unab­hän­gig von einem Dis­po­si­ti­ons­kre­dit besit­zen.

1 https://de.statista.com/infografik/12239/dispo-nutzung-fuer-weihnachtseinkaeufe/
* Ent­spricht der stan­dar­di­sier­ten Zah­lungs­kon­ten­ter­mi­no­lo­gie ‚Dis­po­si­ti­ons­kre­dit (ein­ge­räum­te Kon­to­über­zie­hung)‘. Nach­fol­gend wird die Bezeich­nung ‚Dis­po­si­ti­ons­kre­dit‘ geführt.