Girokonto mit Dispositionskredit

Rund ums Girokonto Girokonto mit Dispositionskredit*

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Welche Freiheiten Banken ihren Kunden bei der Kontoüberziehung einräumen, welche Tücken der Dispositionskredit hat und ob es kostengünstige Alternativen gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Es gibt viele Situationen, in denen wir gerne mal mehr Geld ausgeben, als wir gerade auf dem Girokonto haben. Zum Beispiel vor Weihnachten, wie eine Statista‐Studie zeigt: 17 % der Deutschen ab 18 Jahren nehmen ihren Dispositionskredit allein für Weihnachtsausgaben wie Geschenk‐ oder Essenseinkäufe in Anspruch1. Mit Blick auf die hohen Zinsen für Dispositionskredite ist eine Info noch spannender: Satte 87 % davon gaben an, das geliehene Geld erst innerhalb eines Jahres zurückzuzahlen. Zum Glück lässt sich ein Girokonto mit Dispositionskredit nicht nur zu Weihnachten nutzen, sondern das ganze Jahr über.

Girokonto mit Dispositionskredit: Was bedeutet das?

Viele Banken erlauben ihren Kunden, das Girokonto zu überziehen. So können Sie kurzfristig über Geld verfügen, das Sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht haben – zum Beispiel, weil der neue Monat noch nicht begonnen hat und das neue Gehalt noch nicht gutgeschrieben ist. Für den eingeräumten Dispositionskredit berechnet die Bank Zinsen.

Der Dispositionskredit ist kein Ratenkredit. Er wird nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt einmalig ausgezahlt, sondern steht jederzeit flexibel zur Verfügung. Sie können Ihren Dispositionskredit also genau dann abrufen, wenn Sie ihn tatsächlich brauchen. Außerdem gibt es keine fixen Regelungen zur Rückzahlung. Mit dem nächsten Gehalt wird er automatisch ausgeglichen, ohne dass Sie etwas tun müssen. Sie können aber auch selbst entscheiden, wann und in welcher Höhe Sie das überzogene Girokonto ausgleichen und unabhängig vom Tag, an dem Sie Gehalt bekommen, den Dispositionskredit teilweise oder vollständig ausgleichen.

Grundsätzlich gilt: Sie können den Dispositionskredit nur in der Höhe nutzen, die mit Ihrer Bank vereinbart ist. Haben Sie auch diese Grenze ausgereizt, heißt das nicht zwingend, dass Ihre Bank sich querstellt, wenn Sie Ihr Girokonto auch über den Kreditrahmen hinaus belasten (geduldete Kontoüberziehung). Der Unterschied zum Dispositionskredit: Viele Banken rufen dafür höhere Zinsen auf als beim Dispositionskredit. Wenn Sie vorher absehen können, dass Sie diese Art der Überziehung in Anspruch nehmen müssen, dann setzen Sie sich mit Ihrer Bank in Verbindung. Sollte sie Ihrem Vorhaben nicht zustimmen, haben Sie noch etwas Zeit, sich nach einer anderen Option umzusehen.

Bis zu welcher Höhe Ihr finanzieller Spielraum besteht, richtet sich vor allem danach, wie viel Geld regelmäßig auf Ihrem Girokonto eingeht. Bevor die Bank Ihnen ein Konto mit Dispositionskredit gewährt, prüft sie mithilfe der Schufa oder einer anderen Auskunftei außerdem Ihre Kreditwürdigkeit. Dazu müssen Sie selbst keine Schufa‐Auskunft vorlegen, stattdessen ermächtigen Sie die Bank im Kontoeröffnungsantrag, die erforderlichen Informationen selbst einzuholen.

Der Dispositionskredit ist eine flexible Möglichkeit, mit der Sie als Kunde Ihren kurzfristigen Geldbedarf ausgleichen können. Der Haken: So viel Flexibilität hat ihren Preis – die Zinssätze für die Kontoüberziehung sind zwar von Bank zu Bank verschieden, oft aber höher als bei anderen Finanzierungsformen, z. B. einem Ratenkredit.

Warum die Zinsen für den Dispositionskredit vergleichsweise hoch sind

Der Bank entstehen durch Dispositionskredite höhere Risikokosten als beispielsweise durch Ratenkredite mit fester Rückzahlung. Diese Mehrkosten legen die Banken auf die Dispozinsen um, die sie ihren Kunden für die Kontoüberziehung berechnen. Der Dispositionskredit zählt deshalb zu den teureren Krediten, er sollte nur für kurzfristigen Finanzierungsbedarf genutzt werden.

Bedenken Sie: Die Bank kann Ihren Dispositionskredit unter Umständen kürzen oder kündigen. In diesem Fall müssen Sie als Kunde den Kredit vollständig an die Bank zurückzahlen. Solche Umstände könnten zum Beispiel unrichtige Angaben oder eine wesentliche Verschlechterung der Vermögensverhältnisse wie bspw. einer Privatinsolvenz oder Kontopfändung sein.

Vor‐ und Nachteile eines Dispositionskredits

Welche Vorteile hat ein Girokonto mit Dispositionskredit?

Ein Dispositionskredit lässt sich im Vergleich zu anderen Krediten sehr flexibel einsetzen. Sie können Ihr Konto überziehen, ohne dabei jedes Mal Konditionen wie Laufzeit, Zinssatz und Höhe des Kredits neu vereinbaren zu müssen. Die Zinskonditionen finden Sie auf der Webseite des Unternehmens, im Preis‐ und Leistungsverzeichnis der Bank. Der Dispositionskredit kann enorm hilfreich sein, wenn Sie kurzfristig finanzielle Lücken ausgleichen oder auf unvorhergesehene Kosten reagieren müssen – sei es für eine dringende Reparatur am Auto oder eine neue Waschmaschine, weil die alte von heute auf morgen den Geist aufgibt. Ein weiterer Vorteil gegenüber “normalen” Ratenkrediten: Die Tilgung erfolgt automatisch durch Geldeingänge auf Ihr Konto, z. B. bei Gehaltseingang. Die Zinsen werden Tag genau berechnet und fallen nur an, wenn Sie den Dispositionskredit wirklich in Anspruch nehmen.

Beispielrechnung eines Dispokredites

Die Kehrseite des Dispositionskredites

Verglichen mit anderen Krediten hat der Dispositionskredit auch einen empfindlichen Nachteil: Die Zinsen sind höher. Trotz Niedrigzinszeiten liegt der durchschnittliche Dispozins aktuell bei 9,72 %. Wer ein Konto braucht und den Dispositionskredit nutzen will, sollte also die Angebote vergleichen und sich eine Bank mit niedrigen Dispozinsen suchen. Achtung: Es gibt Banken, die niedrige Dispozinsen anbieten, allerdings nur in Verbindung mit speziellen Premiumkonten, zu denen dann Extras wie eine goldene Kreditkarte gehören. Leider ist in solchen Fällen nicht immer alles Gold, was glänzt: Oft ist ein solches Konto zu teuer, auch wenn Sie den Dispositionskredit regelmäßig nutzen.

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Dispokredit im Marktvergleich

Vermeiden Sie, Ihr Girokonto dauerhaft zu überziehen

Wegen der hohen Kosten sollten Sie den Disporahmen Ihres Girokontos vor allem kurzfristig nutzen. Wenn das Konto Monat für Monat weiter ins Minus rutscht, sammeln Sie nicht nur Schulden an, sondern zahlen auch unnötig hohe Zinsen. Überziehen Sie Ihr Girokonto am besten nur soweit, dass Sie es mit dem nächsten regelmäßigen Zahlungseingang problemlos wieder ausgleichen können. Gelingt Ihnen das nicht und Sie stecken dauerhaft im Dispositionskredit (eingeräumte Kontoüberziehung) fest, kann eine Umschuldung auf einen günstigen Ratenkredit helfen, die Kosten zu reduzieren und den Betrag regelmäßig in kleinen Raten zurückzuführen.

Alternativen zum Girokonto mit Dispositionskredit

Wenn Sie Geld brauchen und gleichzeitig über gering verzinste Sparguthaben verfügen, sollten Sie diese besser auflösen, statt Ihr Girokonto weiter zu überziehen und dafür teure Dispozinsen zu zahlen. Falls Sie das geliehene Geld für einen längeren Zeitraum benötigen, empfehlen wir Ihnen einen Ratenkredit mit festen Rückzahlungsraten als deutlich günstigere Alternative zum Dispositionskredit. Wofür Sie den Ratenkredit nutzen, entscheiden Sie natürlich selbst.

Auch ein sogenannter Rahmenkredit kann eine Alternative zum Girokonto mit Dispositionskredit sein. Das Modell: Die Bank sichert Ihnen einen bestimmten Kreditrahmen zu, die tatsächlich benötigte Summe können Sie dann kurzfristig auf Ihr Konto überweisen lassen. Zinssatz und Zeitpunkt der Rückzahlung werden vertraglich vereinbart, nur auf den abgerufenen Betrag zahlen Sie Zinsen. Beachten Sie: Ein Rahmenkredit ist nicht zwingend günstiger als ein Girokonto mit Dispositionskredit. Informieren Sie sich hier genau, wie hoch die Zinssätze sind, und vergleichen Sie diese mit den Dispozinsen.

Tipp:

Auch, wenn Ihre Bank Ihnen ein Girokonto mit Dispositionskredit anbietet, sind Sie nicht verpflichtet, es in Anspruch zu nehmen. Wenn es Ihnen schwerfällt, den Kredit immer unter Kontrolle zu behalten, können Sie jederzeit auf Ihre Bank zugehen und die Höhe anpassen lassen. Ein Girokonto zu top Konditionen können Sie auch unabhängig von einem Dispositionskredit besitzen.

1 https://de.statista.com/infografik/12239/dispo-nutzung-fuer-weihnachtseinkaeufe/
* Entspricht der standardisierten Zahlungskontenterminologie ‚Dispositionskredit (eingeräumte Kontoüberziehung)‘. Nachfolgend wird die Bezeichnung ‚Dispositionskredit‘ geführt.