Serie Fundamentalanalyse Welche Methoden bei der Fundamentalanalyse wichtig sind

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Fundamental-Analyse

Welche Methoden bei der Fundamentalanalyse wichtig sind

KGV und Div­i­den­den­ren­dite sind nicht alles: Den Val­ue-Wert Daim­ler beurteilen Profis deshalb nach anderen Kri­te­rien und Meth­o­d­en als den Wach­s­tum­swert Ama­zon.

KGV und Div­i­den­den­ren­dite sind nicht alles: Den Val­ue-Wert Daim­ler beurteilen Profis deshalb nach anderen Kri­te­rien und Meth­o­d­en als den Wach­s­tum­swert Ama­zon.

Buy low, sell high – im Einkauf liegt der Gewinn. Leicht gesagt. Aber wann ist eine Aktie wirk­lich preiswert? Bei der Bew­er­tung von Unternehmen ver­lassen sich Profis nie auf nur eine Kenn­zahl. Neben der Analyse der wichtig­sten Pro­duk­te des Unternehmens, des Mark­tes und des Wet­tbe­werb­sum­felds nehmen sie gle­ich ein ganzes Bün­del an Fun­da­men­tal­dat­en unter die Lupe. Zu den wichtig­sten gehören für Val­ue-Inve­storen – neben Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis, Gewin­nren­dite und Div­i­den­den­ren­dite – die Kenn­zahlen:

  •  Ver­hält­nis von Kurs- zu Buch­w­ert,
  •  Kurs zu Umsatz,
  •  Kurs zu Cash­flow,
  •  EBIT- und EBIT­DA-Marge.

Was ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)?

Das Kurs-Buch­w­ert-Ver­hält­nis (KBV) stellt dem aktuellen Aktienkurs den bilanziell aus­gewiese­nen Buch­w­ert je Aktie gegenüber. Vere­in­facht aus­ge­drückt entspricht der Buch­w­ert dem Unternehmenswert im Falle ein­er Liq­ui­da­tion: Von der Summe der Ver­mö­genswerte wer­den Verbindlichkeit­en sowie imma­terielle Ver­mö­genswerte sub­trahiert. Je höher der Wert, desto teur­er das Unternehmen. Ein niedriges KBV allein reicht nicht für eine Kaufempfehlung. Denn es kann unter­schiedliche Ursachen haben:

  • Das Unternehmen ist unter­be­w­ertet, weil es von insti­tu­tionellen Anlegern noch nicht ent­deckt wor­den ist. Das KBV ist niedrig.
  • Die Ren­dite-Aus­sicht­en des Unternehmens sind mis­er­abel. Dann ist das KBV eben­falls niedrig.

Ein niedriges KBV überzeugt deshalb vor allem in Verbindung mit einem niedri­gen Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis und klar­er Unternehmensstrate­gie. „Dann ist das KBV eine der wichtig­sten Kenn­zahlen für mich“, sagt Val­ue-Investor Hen­drik Leber, Chef der Acatis Anlage­ber­atung für Invest­ment­fonds GmbH. Als Faust­formel gilt: Gün­stig bew­ertet ist ein Unternehmen dann, wenn der Aktienkurs unter­halb des Buch­w­ertes pro Aktie notiert (KBV < 1).

Was ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)?

Das KGV (siehe erster Teil der Serie) gibt Auskun­ft darüber, wie hoch ein Unternehmen an der Börse bew­ertet ist. Doch nicht jedes Unternehmen weist einen Gewinn aus. Während der Gewinn eines Unternehmens geschönt oder geschmälert wer­den kann, ist der Umsatz kaum manip­ulier­bar. Zur Berech­nung des Kurs-Umsatz-Ver­hält­nis (KUV) wird der Kurs je Aktie durch den Umsatz je Aktie geteilt. Ein Beispiel: Unternehmen A hat eine Mil­lion Aktien, die bei 80 Euro notieren. Der aktuelle Jahre­sum­satz beträgt 100 Mil­lio­nen Euro, also 100 Euro pro Aktie:

KUV Aktie A
80 Euro/100 Euro = 0,8

Kon­ser­v­a­tive Val­ue-Inve­storen acht­en darauf, dass das KUV nicht höher als eins notiert. Bei vie­len Tra­di­tion­s­marken etwa in Han­del, Chemie und im Auto­mo­bil­bau, zum Beispiel bei Daim­ler, liegt das KUV auch in der Tat darunter. Das Manko der Kennz­if­fer: Die Kosten des Unternehmens wer­den kom­plett ignori­ert. Diese Kosten wirken sich aber stark auf die Prof­itabil­ität eines Unternehmens (EBIT-Marge) aus. Nach dem stren­gen KUV-Maßstab wür­den per­for­mances­tarke Unternehmen mit hoher Prof­itabil­ität wie Apple oder SAP niemals im Depot lan­den. Deshalb sollte das KUV niemals allein für eine Investi­tion­sentschei­dung angelegt wer­den.

Was ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)?

Wenig manip­ulier­bar ist auch das Ver­hält­nis von Kurs zu Cash­flow (KCV). Das KCV kann ergänzend zum KGV genutzt wer­den. Der englis­che Begriff Cash­flow beze­ich­net den Geldzu­fluss während ein­er Peri­ode. Er markiert den Sal­do aus Ein­zahlun­gen und Auszahlun­gen während eines Geschäft­s­jahres. Der Cash­flow liegt damit sys­tem­a­tisch höher als der Gewinn, da Steuern, Zin­sen und Abschrei­bun­gen unberück­sichtigt bleiben. Der Cash­flow zeigt die Liq­uid­ität eines Unternehmens an. Das KCV-Ver­hält­nis gibt an, wie hoch jed­er liq­uide Euro an der Börse bew­ertet wird. Es wird berech­net nach der Formel: Kurs je Aktie geteilt durch Cash­flow je Aktie. Ein Beispiel: Aktie A kostet 80 Euro. Der Cash­flow je Aktie liegt bei 10 Euro. Die Rech­nung lautet:

KCV Aktie A
80 Euro/10 Euro = 8

Wie bei der KGV-Meth­ode gilt: Eine Aktie ist umso preiswert­er, je niedriger ihr KCV ist. Val­ue-Inve­storen set­zen auf Werte mit einem KCV von unter zehn.

Was sagen EBIT-Marge und EBITDA-Marge aus?

Das EBIT (Earn­ings before inter­ests and tax­es) wird berech­net aus dem Jahresüber­schuss vor Steuern und Zin­sen. Die Idee des EBIT: Die oper­a­tive Ertragskraft von Unternehmen soll unab­hängig vor der Kap­i­tal­struk­tur ver­gle­ich­bar gemacht wer­den. Denn anders als beim Jahresüber­schuss oder der Net­to-Umsatzren­dite fall­en Fremd- oder Eigenkap­i­talquoten nicht ins Gewicht. Beim EBITDA wer­den zudem die Abschrei­bun­gen berück­sichtigt. Das EBITDA ermöglicht zudem den Ver­gle­ich von Unternehmen, die unter unter­schiedlich­er Geset­zge­bung bilanzieren. Die Ertragsstärke eines Unternehmens wird mit der prozen­tualen EBIT-Marge oder der EBIT­DA-Marge am Umsatz gemessen. Ein Beispiel: Bei 100 Mil­lio­nen Umsatz und einem EBITDA von 15 Mil­lio­nen ergibt sich fol­gende Marge:

EBIT­DA-Marge Unternehmen A
15 Mil­lio­nen Euro/100 Mil­lio­nen Euro x 100 % = 15 %

Investi­tions­freudi­ge Unternehmen messen sich selb­st oft an der EBIT­DA-Marge. Dies gilt vor allem bei Fir­men aus der Tech­nolo­gie- oder Telekom­mu­nika­tions­branche, weil bei ihnen oft hohe ergeb­nis­min­dernde Abschrei­bun­gen anfall­en.

Welche Kennzahlen sind für Wachstumswerte besonders geeignet?

Klas­sis­che Kenn­zahlen wie KGV und KBV wer­den während eines all­ge­meinen Börsen­hy­pes oder eines Hypes um einzelne Unternehmen und Branchen gerne belächelt. Aber extreme Kur­sauss­chläge mit einem entsprechend hohen KGV und KBV müssen Anleger im Nach­hinein oft teuer bezahlen. Vor­sicht ist also im Boom geboten. Ander­er­seits reichen die Klas­sik­er KGV, KBV oder KUV nicht als alleinige Kenn­zahlen aus. Der Grund: Wach­s­tumsstarke Unternehmen mit gerin­gen klas­sis­chen Ver­mö­genswerten wie Immo­bilien oder Maschi­nen­parks wür­den son­st kom­plett durch das Analy­seraster fall­en. So hat­te der High­fly­er Ama­zon etwa noch im Jahr 2018 ein KBV von über 20. Um solchen Wach­s­tum­stiteln gerecht zu wer­den, nutzen Ana­lysten und Fonds­man­ag­er bei ihrer Analyse neben qual­i­ta­tiv­en Maßstäben wie Man­age­ment und Mark­t­macht zusät­zliche Kennz­if­fern wie die Price-Earn­ings-to-Growth-Ratio (PEG) oder die Dis­count­ed-Cash­flow-Meth­ode.

Was sagen PEG-Ratio und Discounted-Cashflow-Methode aus?

Wenn ein Unternehmen schnell wächst, darf es höher bew­ertet sein: Davon sind Experten für Wach­s­tum­sak­tien überzeugt. Sie set­zen unter anderem auf Kennz­if­fern wie die Price-Earn­ings-to-Growth-Ratio (PEG-Ratio) oder den Dis­count­ed Cash­flow. Zur Berech­nung des PEG wird das aktuelle Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis in Rela­tion zum mit­tleren langfristig erwarteten Gewin­nwach­s­tum (meist drei oder fünf Jahre) geset­zt. Beispiel: Unternehmen A hat ein KGV von 16. Für die näch­sten drei Jahre erwarten Ana­lysten ein jährlich­es Gewin­nwach­s­tum von 20 %.

PEG Aktie A
KGV/geschätztes Gewin­nwach­s­tum = 16/20 = 0,8

Ein KGV von 16 liegt im langjähri­gen Durch­schnitt. Eine PEG-Ratio von unter eins gilt dage­gen als sehr gün­stig. Unternehmen A würde damit einem Wach­s­tum­sin­vestor als sehr aus­sicht­sre­ich gel­ten.

Auch die Dis­count­ed-Cash­flow (DCF)-Methode kommt bei Wach­s­tum­sun­ternehmen zum Ein­satz. Dabei wer­den die für die Zukun­ft erwarteten Zahlungsströme (Cash­flows) mit einem Kap­italkosten­satz abgezinst. Der Unternehmenswert errech­net sich dann aus dem Gesamtkap­i­tal der Zahlungsströme abzüglich der gesam­melten Kap­italkosten. Anders als beim KCV-Ver­hält­nis müssen bei der DCF-Meth­ode zahlre­iche Annah­men zu der kün­fti­gen Entwick­lung von Zahlungsströ­men und Zin­sen­twick­lung getrof­fen wer­den. Entsprechend anfäl­lig sind die Schätzun­gen. Schon rel­a­tiv kleine Änderun­gen bei den Schätzun­gen des Wach­s­tum­sp­fades kön­nen große Auswirkun­gen haben.