Freistellungsauftrag für Kapitalerträge - Informationen und Tipps

Informationen und Tipps Freistellungsauftrag für Kapitalerträge

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Gel­dan­la­gen sollen möglichst hohe Erträge erzie­len. Aber auf Kap­i­talerträge wie Zin­sen, Div­i­den­den, Auss­chüt­tun­gen von Fonds und real­isierte Kurs­gewinne aus Wert­pa­piergeschäften fall­en Steuern an. Um Kap­i­talerträge ohne Abzug von Abgel­tungss­teuer zu erhal­ten, kön­nen Sie Finanzin­sti­tuten Freis­tel­lungsaufträge erteilen. Aber was genau ist ein Freis­tel­lungsauf­trag eigentlich? Wie wird er gestellt und was gilt es zu beacht­en? Hier find­en Sie hil­fre­iche Infor­ma­tio­nen und Tipps rund um das The­ma Freis­tel­lungsauf­trag.

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Tipp: Erteilen Sie Ihrer Bank einen Freis­tel­lungsauf­trag für Ihre Kon­ten und Depots, um Ihre Kap­i­talerträge vom automa­tis­chen Steuer­abzug freizustellen.

Was ist ein Freistellungsauftrag? Definition und Gesetzesgrundlage

Ein Freis­tel­lungsauf­trag ist eine Anweisung an ein Finanzin­sti­tut, anfal­l­ende Kap­i­talerträge vom automa­tis­chen Steuer­abzug der Kap­i­taler­trag­s­teuer (KESt, KapESt) freizustellen. Denn Kred­itin­sti­tute sind verpflichtet, 25 % Einkom­men­steuer (plus Sol­i­dar­ität­szuschlag und ggf. Kirchen­s­teuer) aus jeglichen Kap­i­talerträ­gen im Sinne von § 43 I EStG an das Finan­zamt abzuführen.

Welche Höhe hat der Sparerfreibetrag für Freistellungsaufträge?

Zur Freis­tel­lung Ihrer Kap­i­talerträge von Kon­ten und Depots ste­ht Ihnen ein Spar­erfrei­be­trag (Spar­erpausch­be­trag) von ins­ge­samt 801,00 Euro zur Ver­fü­gung. Zusam­men ver­an­lagte Ehep­art­ner / Lebenspart­ner kön­nen einen gemein­samen Spar­erpausch­be­trag von 1.602,00 Euro gel­tend machen – voraus­ge­set­zt, die Voraus­set­zun­gen ein­er gemein­samen Ver­an­la­gung i. S. des § 26 Absatz 1 Satz 1 EstG wer­den erfüllt. Über­steigen die steuerpflichti­gen Kap­i­talerträge diese Frei­be­träge, wird die anfal­l­ende Abgel­tungss­teuer ein­be­hal­ten und an das Finan­zamt abge­führt.

Gut zu wis­sen: Ein Freis­tel­lungsauf­trag gilt für alle Kap­i­talerträge, die bei dem jew­eili­gen Finanzin­sti­tut erzielt wer­den, bei dem Sie den Auf­trag stellen. Eine Beschränkung auf einzelne Kon­ten oder Depots ist nicht möglich.

Können mehrere Freistellungsaufträge für verschiedene Konten erteilt werden?

Sie haben mehrere Kon­ten oder Depots bei ver­schiede­nen Finanzin­sti­tuten? Kein Prob­lem: Sie kön­nen den Spar­erfrei­be­trag auf mehrere Freis­tel­lungsaufträge gegenüber ver­schiede­nen Kred­itin­sti­tuten verteilen.

Wichtig: Ins­ge­samt dür­fen die Aufträge in ihrer Summe nicht den für Sie gel­tenden Spar­erfrei­be­trag über­steigen.

Gilt ein Freistellungsauftrag auch für Kinder?

Der Steuer-Pausch­be­­trag von 801,00 Euro pro Per­son gilt auch für Kinder und Min­der­jährige. Bei Kon­ten oder Depots von Min­der­jähri­gen ist im Freis­tel­lungsauf­trag der Name des Kindes als Gläu­biger einzu­tra­gen.

Wichtig: Alle Erziehungs­berechtigten müssen das Freis­tel­lungsauf­trags­for­mu­lar unter­schreiben.

Wird die Steuer-Identifikationsnummer benötigt?

Seit 2011 müssen Sie bei Freis­tel­lungsaufträ­gen Ihre Steuer-Iden­ti­­fika­­tion­s­num­mer angeben. Ihre Steuer-ID ist Ihre per­sön­liche Iden­ti­fika­tion­snum­mer für alle steuer­lichen Belange und hat eine lebenslange Gültigkeit.

Gut zu wis­sen: Bei Bedarf kön­nen Sie Ihre per­sön­liche Steuer-ID beim Bun­deszen­tralamt für Steuern (BZSt) (siehe www.bzst.de) anfordern.

Wie lange ist ein Freistellungsauftrag gültig?

Sie kön­nen Freis­tel­lungsaufträge befris­tet oder unbe­fris­tet erteilen. Ein unbe­fris­teter Auf­trag gilt bis auf Wider­ruf oder bis ein neuer Auf­trag erteilt wird.

Gut zu wis­sen: Ein Freis­tel­lungsauf­trag gilt immer für das gesamte Steuer­jahr und für alle Kon­ten und Depots bei ein­er Bank.

Kann man einen Freistellungsauftrag nachträglich erteilen oder ändern?

Einen Freis­tel­lungsauf­trag kön­nen Sie für das laufende Kalen­der­jahr rück­wirk­end zum 1. Jan­u­ar ein­re­ichen oder ändern. Bei nachträglich­er Erteilung oder Erhöhung des Freis­tel­lungsauf­trages wer­den bere­its abge­führte Steuern aus dem laufend­en Steuer­jahr automa­tisch erstat­tet, soweit sie durch den Auf­trag abgedeckt sind.

Gut zu wis­sen: Für zurück­liegende Jahre kön­nen Sie keinen rück­wirk­enden Freis­tel­lungsauf­trag erteilen.

Was passiert, wenn kein Freistellungsauftrag eingerichtet wird?

Ohne einen Freis­tel­lungsauf­trag in aus­re­ichen­der Höhe fall­en auf alle Ihre Kap­i­talerträge, beispiel­sweise auf Div­i­den­den, Zin­serträge, Fond­sauss­chüt­tun­gen und Veräußerungs­gewinne, 25 % Kap­i­taler­trag­s­teuer zuzüglich Sol­i­dar­ität­szuschlag und gegebe­nen­falls Kirchen­s­teuer an.

Tipp: Sie kön­nen zu viel gezahlte Kap­i­taler­trag­s­teuer (KESt, KapESt) im Rah­men Ihrer Einkom­men­steuer­erk­lärung in der Anlage KAP gel­tend machen – allerd­ings lediglich bis zur Höhe der gel­tenden Spar­erfrei­be­träge (vgl. §§ 44a, 44b EStG).

Können höhere Kapitalerträge von der Abgeltungssteuer freigestellt werden?

Wenn Sie nicht zur Einkom­men­steuer ver­an­lagt wer­den, weil Ihre gesamten Einkün­fte unter dem Grund­frei­be­trag (9.000 Euro für Sin­gles / 18.000 Euro für Ver­heiratete im Jahr 2018) liegen, kön­nen Sie eine Nichtver­an­la­­gungs-Bescheini­­gung beantra­gen. Der Vorteil liegt darin, dass Sie mit ein­er Nichtver­an­la­­gungs-Bescheini­­gung auch höhere Kap­i­taleinkün­fte von der Abgel­tung­s­teuer freis­tellen lassen kön­nen – auch dann, wenn die Erträge über den Spar­erfrei­be­trag von 801 Euro für Sin­gles bzw. 1.602 Euro für gemein­sam ver­an­lagte Ehep­art­ner hin­aus­ge­hen.

Für welche Kapitalerträge bzw. Konten kann kein Freistellungsauftrag erteilt werden?

Einen Freis­tel­lungsauf­trag kann nur der Gläu­biger erteilen, dem die anfal­l­en­den Kap­i­talerträge rechtlich zuste­hen. Für Gemein­schaft­skon­ten von nicht miteinan­der ver­heirateten / ver­part­nerten Kon­toin­hab­ern kön­nen Sie keinen Freis­tel­lungsauf­trag erteilen. Gle­ich­es gilt für Kon­ten, die der betrieblichen Kap­i­ta­lan­lage dienen, sowie für Treuhand­kon­ten wie Mietkau­tion­skon­ten, Vere­in­skon­ten etc.

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Hin­weis für Fondss­par­er:

Anleger von the­sauri­eren­den Fonds müssen ab Jan­u­ar 2019 eine Vor­ab­pauschale an das Finan­zamt bezahlen, sofern die Erträge den gel­tenden Freis­tel­lungsauf­trag über­steigen. Hier erfahren Sie mehr über die Vor­ab­pauschale.

Tipp: Über­prüfen Sie jet­zt Ihren Freis­tel­lungsauf­trag und passen Sie ihn gegebe­nen­falls an.

Freistellungsauftrag für Kapitalerträge – alle Tipps im Überblick

  • Freis­tel­lungsauf­trag ein­richt­en: Erteilen Sie Ihrer Bank einen Freis­tel­lungsauf­trag für Ihre Kon­ten und Depots, um Ihre Kap­i­talerträge vom automa­tis­chen Steuer­abzug freizustellen. Sie kön­nen einen Auf­trag schriftlich oder online in Ihrem per­sön­lichen Bere­ich beim Online-Bank­ing erteilen. Nicht vergessen: Geben Sie Ihre Steuer-Iden­ti­fika­tion­snum­mer an – anson­sten ist der Freis­tel­lungsauf­trag ungültig.
  • Spar­erfrei­be­trag nutzen: Sie kön­nen den Ihnen zuste­hen­den Spar­erfrei­be­trag (bei Einzelver­an­la­gung max­i­mal 801 Euro, bei Zusam­men­ver­an­la­gung 1602 Euro) auf ver­schiedene Finanzin­sti­tute verteilen. In der Summe dür­fen die Freis­tel­lungsaufträge nicht den für Sie gel­tenden Spar­erpausch­be­trag über­steigen.
  • Freis­tel­lungsauf­trag ändern: Sie kön­nen einen laufend­en Freis­tel­lungsauf­trag schriftlich bzw. online ändern. Ein Auf­trag gilt rück­wirk­end ab dem 01.01. des Jahres, in dem Sie ihn ein­re­ichen. Wichtig: Der neue Auf­trag muss min­destens so hoch sein wie der aktuell aus­geschöpfte Freis­tel­lungs­be­trag.
  • Freis­tel­lungsauf­trag kündi­gen: Ein Freis­tel­lungsauf­trag gilt für die Dauer eines Kalen­der­jahres und kann nur zum Ablauf des Jahres gekündigt wer­den. Unbe­fris­tete Aufträge ver­längern sich automa­tisch, wenn sie nicht gekündigt wer­den. Löschen Sie alle Kon­ten und Depots bei ein­er Bank, müssen Sie zusät­zlich einen sep­a­rat­en Auf­trag zur Löschung Ihres Freis­tel­lungsauf­trags erteilen.
Fragzeichen

Rund um Freis­tel­lungsaufträge:
Sie haben noch Fra­gen zum Freis­tel­lungsauf­trag für Ihre Kap­i­talerträge oder zu anderen Steuerthe­men? Hier find­en Sie hil­fre­iche Infor­ma­tio­nen und Tipps rund um die The­men Steuern und Steuer­erk­lärung.

 

Sie haben noch Fra­gen?
Bei Fra­gen kön­nen Sie auch gerne unsere Kun­den­be­treuer kon­tak­tieren – per Tele­fon unter 04106 — 708 25 00, über unser Kon­tak­t­for­mu­lar oder per Live-Chat. Unsere Kun­den­be­treuer sind jed­erzeit für Sie erre­ich­bar – 7 Tage die Woche, 24 Stun­den am Tag.

Freistellungsauftrag für comdirect Konten und Depots einrichten

Ihren Freis­tel­lungsauf­trag kön­nen Sie bequem online auf comdirect.de in Ihrem per­sön­lichen Bere­ich ein­richt­en oder ändern.

So erteilen Sie Ihren Freistellungsauftrag online auf comdirect.de:

  • Loggen Sie sich in Ihren per­sön­lichen Bere­ich ein und wählen Sie unter „Ver­wal­tung“ den Bere­ich „Steuerüber­sicht“.
  • Klick­en Sie auf „Freis­tel­lungsauf­trag erteilen“
  • Über­prüfen Sie Ihre per­sön­lichen Dat­en und geben Sie Ihre per­sön­liche Steuer-Iden­ti­fika­tion­snum­mer ein.
  • Erteilen Sie Ihren Freis­tel­lungsauf­trag bis zu einem bes­timmten Betrag oder in voller Höhe des für Sie gel­tenden Spar­erpausch­be­trages.
  • Wählen Sie die Gültigkeits­dauer Ihres Freis­tel­lungsauf­trages.
  • Bestäti­gen Sie Ihren Auf­trag durch Eingabe ein­er gülti­gen TAN. Fer­tig!
Die steuer­liche Behand­lung hängt von den per­sön­lichen Ver­hält­nis­sen des jew­eili­gen Kun­den ab. Die Rechts­grund­la­gen für die Besteuerung von Kap­i­taleinkün­ften kön­nen sich ändern. Die comdi­rect bank AG übern­immt keine Gewähr für die Richtigkeit, Voll­ständigkeit und Aktu­al­ität der bere­it­gestell­ten Infor­ma­tio­nen auf dem Gebi­et des Steuer­recht­es. Die zur Ver­fü­gung gestell­ten Infor­ma­tio­nen erset­zen keine per­sön­liche Steuer- oder Rechts­ber­atung.