Festgeldanlage: Was Sie jetzt wissen sollten

Was Sie jetzt wissen sollten Festgeldanlage in Zeiten niedriger Zinsen

Geschätzte Lesedauer: 5 Minuten

Festgeld nimmt in der Vermögensbildung vieler Menschen eine wichtige Rolle ein. Lange Zeit rieten Anlageberater dazu, einen Teil des Ersparten auf einem Festgeldkonto zu deponieren. Eine Festgeldanlage galt sogar als sinnvoller Baustein für die Altersvorsorge.

Diese Situation hat sich allerdings grundlegend gewandelt: Die Zeiten, als sich Anleger auf eine Willkommensprämie bei der Eröffnung eines neuen Kontos freuen konnten, sind vorbei. Durch den dramatischen Einbruch der Zinsen hat Festgeld einen beträchtlichen Teil seines Reizes verloren. Welche Folgen hat das für Sie als Anleger? comdirect erklärt Ihnen, wie eine Festgeldanlage funktioniert, ob Sie Festgeld 1 Jahr, 5 Jahre oder gar 10 Jahre anlegen sollten und informiert Sie über die Auswirkungen der aktuell niedrigen Festgeldzinsen.

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Festgeldanlage: Was ist das?

Bei einer Festgeldanlage legen Sie Barvermögen für einen vorher vereinbarten Zeitraum auf einem speziellen Konto an. Deshalb spricht man auch von „Termingeld“. In dieser Zeitspanne verzichten Sie auf einen direkten Zugriff auf Ihr Geld. Im Gegenzug garantiert Ihnen die Bank für die gesamte Laufzeit einen festen Zinssatz, die Zinsen werden dann Ihrem Festgeldkonto gutgeschrieben.

Festgeld, Tagesgeld und Sparbrief im Vergleich

Festgeld wurde lange Zeit besonders als kurz‐ bis mittelfristige Geldanlage empfohlen. Legen Sie Barvermögen als Festgeld an, sollten Sie berücksichtigen, dass Sie während des Anlagezeitraumes nicht über Ihr Geld verfügen können. In der Regel wird für das Festgeld eine bestimmte Mindesteinlage verlangt. Auch nach oben ist der Anlagebetrag begrenzt, die Maximaleinlage variiert dabei von Bank zu Bank.

Festgeldanlage: Festgeld, Tagesgeld und Sparbrief im Vergleich

Der Sparbrief funktioniert ähnlich wie die Festgeldanlage: Auch hier legen Sie einen Geldbetrag ab einer Mindesteinlage zu einem festen Zinssatz für eine bestimmte Zeit fest an. Allerdings haben Sparbriefe in der Regel eine längere Laufzeit und sind damit weniger flexibel als Festgeldkonten.

Ein Tagesgeldkonto ist genau wie das Festgeldkonto ein reines Zinskonto. Anders als beim Festgeld haben Sie beim Tagesgeld jedoch jederzeit und ohne Kündigungsfrist Zugriff auf Ihr Kapital. Dafür müssen Sie allerdings einen noch geringeren Zinssatz in Kauf nehmen.

Genau wie Festgeldanlagen fallen auch Sparbriefe und Tagesgelder unter die gesetzliche Einlagensicherung. Einlagen bei deutschen Banken und Sparkassen sind bis zu einer Höhe von 100.000 Euro im Fall einer Bankenpleite abgesichert, die Sicherungssysteme der einzelnen Bankensparten sehen noch deutlich höhere Sicherungsgrenzen vor.

Welche unterschiedlichen Laufzeiten werden für ein Festgeld angeboten?

Die Bezeichnung Festgeld kommt nicht von ungefähr: In der Festgeldanlage sind alle Konditionen — Anlagebetrag, Laufzeit und Zinssatz — fest vereinbart. Die Anlagedauer wählen Sie selbst, oft hört man von Festgeld für 1 Jahr, 5 Jahre oder gar 10 Jahre. Üblich sind auch Laufzeiten von 6, 12, 24 oder 36 Monaten. Egal, für welche Dauer Sie sich entscheiden, grundsätzlich gilt: Bei längerer Anlagedauer gibt es in der aktuellen Niedrigzinsphase oft etwas mehr Verzinsung. Wer damit rechnet, dass die Marktzinsen demnächst wieder steigen, sollte sein Geld nicht zu lange festlegen, um rasch auf attraktivere Angebote umsteigen zu können, falls sich das Zinsniveau tatsächlich positiv entwickelt. Es hängt also immer davon ab, ob Sie sich gerade in einer Hochzinsphase oder in einer Niedrigzinsphase befinden und wie die zukünftige Entwicklung eingeschätzt werden kann.

Kündigung Festgeldkonto: Was passiert, wenn das Geld vor Ablauf der Laufzeit dringend benötigt wird?

Als Festgeldsparer überlassen Sie der Bank Ihr Geld für einen festen Zeitraum, dafür erhalten Sie etwas höhere Zinsen als für ein Tagesgeld oder Sparkonto. Sofern nicht gerade wichtige Ausnahmegründe vorliegen (z.B. Hartz‐4‐Bezug, drohende Insolvenz der Bank, Tod des Kontoinhabers) oder der Vertrag eine vorzeitige Kündigung ausdrücklich zulässt, können Sie ein Festgeld nicht während der Laufzeit auflösen. Allein die Bank entscheidet dann, ob sie den benötigten Betrag aus Kulanzgründen trotzdem freigibt, als Anleger müssen Sie in diesem Fall aber mit Zinsverlust, Verwaltungs‐ und Stornokosten rechnen.

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Weitere Informationen zum Festgeldkonto finden Sie hier.

Berechenbar, sicher und bequem: Was für Festgeldanlagen spricht

Schlechte Zinsen: Rechnet sich die Festgeldanlage noch?

Festgeld kann für Sparer ein sehr interessantes Anlageprodukt sein, solange 2 Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sicherheit: Da Sie keinen Zugriff auf Ihr Vermögen haben, muss das Termingeld innerhalb des Anlagezeitraumes gegen eine mögliche Insolvenz des Kreditinstitutes abgesichert sein.
  • Attraktive Zinsen: Das von Ihnen angelegte Geld erwirtschaftet den Gewinn ausschließlich über die Festgeldzinsen. Bei einem langen Anlagezeitraum profitieren Sie als Anleger zusätzlich vom Zinseszinseffekt, der den Ertrag wachsen lässt.

Wie verhält es sich derzeit mit diesen Voraussetzungen? Da deutsche Banken seit einigen Jahren keine hohen Zinsen auf Festgelder zahlen können, werfen Ihre Ersparnisse bei einer Festgeldanlage fast keine Zinserträge ab und können dementsprechend kaum vom Zinseszinseffekt profitieren.

Warum der Festgeldzins so niedrig ist

Die Höhe der Zinsen, die Banken ihren Kunden anbieten können, hängt von der allgemeinen Zinsentwicklung ab. Diese wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt über den Leitzins reguliert. Mit dem Leitzins legt die EZB fest, zu welchen Bedingungen sich Banken über den Geldmarkt bei den Noten‐ und Zentralbanken Geld leihen können. Der Leitzins ist momentan sehr niedrig, deshalb erhalten Sie als Sparer aktuell lediglich minimale Zinsen für Ihr Festgeld.

Festgeldanlage: Warum der Festgeldzins so niedrig ist

Hauptrefinanzierungssatz der EZB seit 10. März 2016 (vereinfachte Darstellung).

Der Zinsniedergang setzte unmittelbar nach der Finanzkrise im Jahr 2008 ein, die EZB senkte den Leitzins für die Eurozone damals von 4 % innerhalb kurzer Zeit auf 1 % ab. In den folgenden Jahren wurde dieser Kurs intensiviert, um die Vergabe von Krediten attraktiver zu machen und die Wirtschaft zu stärken: Seit März 2016 steht der Leitzins im Euroraum bei 0 %.

Was bedeutet das für Sie als Anleger? Da die Festgeldzinsen von dieser Entwicklung abhängig sind, müssen Sie bei Anlagen in Festgeld oder auch Tagesgeld auf absehbare Zeit sehr niedrige Zinsen einkalkulieren. Sie erhalten deshalb nur sehr wenig Rendite für Ihr Geld, für größere Barvermögen sind bei einigen Banken sogar schon negative Zinsen im Gespräch.

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Inflation vernichtet Kaufkraft von Festgeldanlagen

Die Nullzinspolitik hat enorme Auswirkungen für Sparer, die ihr Vermögen in Festgeld anlegen. Parkt man in diesen Zeiten Barvermögen zu den marktüblich niedrigen Festzinsen auf einem Bankkonto, verliert das Ersparte durch die Inflation faktisch immer weiter an Wert.

Die Inflationsrate misst die durchschnittliche Teuerung von Waren und Dienstleistungen. Für das Jahr 2018 rechnet das Statistische Bundesamt mit einer Teuerungsrate von rund 1,8 %, die im Jahr 2019 sogar auf 2 % steigen könnte. Was bedeutet das für Sie als Sparer?

Die Tabelle zeigt, wie sich die Inflation im Laufe der Jahre auf eine Anlagesumme von 10.000 Euro ohne Verzinsung auswirkt. Schon bei 1 % Teuerung verlieren Sie in 5 Jahren fast 500 Euro an Kaufkraft. Bei 3 % Inflation hat sich der reale Wert Ihres Vermögens nach 20 Jahren nahezu halbiert.

Inflationsrate1 %2 %3 %
5 Jahre9.514,66 Euro9.057,31 Euro8.626,09 Euro
10 Jahre9.052,87 Euro8.203,48 Euro7.440,94 Euro
20 Jahre8.195,44 Euro6.729,71 Euro5.536,76 Euro
Den Kaufkraftschwund Ihres Geldvermögens können Sie mit einer Festgeldanlage derzeit nicht auffangen, dafür sind die erzielbaren Zinsen zu gering.

Festgeldanlage in der Zinsfalle: Wie Sie das Risiko umgehen

Die niedrigen Zinsen haben zwei negative Auswirkungen. Zum einen kann sich der Zinseszinseffekt über die Anlagedauer nicht entfalten. Zum anderen verringert die Inflation die Kaufkraft des angelegten Barvermögens. Beides zusammen verwandelt Festgeld von einer sicheren in eine problematische Anlageoption. Wie können Anleger auf diese Zinsfalle reagieren?

Festgeldanlage: Zinsfalle – Wie Sie das Risiko umgehen

Dabei ist es gar nicht so schwer, eine geeignete Geldanlage zu finden, die sich gut entwickeln kann. Setzen Sie anstatt auf Zinsgewinne auf Dividenden und die Chance auf Kurssteigerungen. Auf diese Renditen haben Sie eine Chance, wenn Sie Ihr Geld in Wertpapiere wie Aktien oder Fonds anlegen. Vergessen Sie jedoch nicht, dass bei der Vermögensbildung mit Wertpapieren ein Totalverlustrisiko möglich ist.

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Unabhängig von Festgeldzinsen: Vermögensbildung mit Fonds und Aktien

Wer mehr Rendite für sein Geld will, kann in Wertpapiere investieren. Aktien, Anleihen, Zertifikate oder Fonds bieten größere Ertragschancen, allerdings auch ein höheres Risiko durch mögliche Kursverluste. Solche „volatilen” Wertpapiere eignen sich besonders für Anleger, die mehr Rendite als mit minimal verzinsten Tages‐ oder Festgeldern erzielen wollen und bereit sind, dafür auch Verluste in Kauf zu nehmen.

Erfahrene Wertpapier‐Anleger mit überdurchschnittlicher Risikobereitschaft können in einzelne Aktien, Branchen, Technologien oder Wachstumsregionen investieren. Eher sicherheitsorientierten Anlegern stehen breit streuende Fonds zur Verfügung, die das Kapital auf verschiedene Anlageklassen verteilen, um die Verlustrisiken zu minimieren. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) bilden einen Börsenindex wie DAX, EURO STOXX oder MSCI World nach. Aufgrund ihrer geringen Kostenquote sind sie besonders gut für private Anleger geeignet.

Wie Sie in Wertpapiere investieren

Geld in Wertpapiere anzulegen ist einfacher als viele Menschen denken. Alles, was Sie benötigen, ist ein Wertpapierdepot für die Verwaltung: Es verschafft Ihnen einen schnellen und genauen Überblick über den Stand Ihrer Papiere. Mit Hilfe der Ordermaske können Sie Fonds und Aktien online kaufen und verkaufen. Bei comdirect richten Sie Ihr Depot per Post oder online auch mit dem VideoIdent‐Verfahren ein. In diesem Prozess müssen Sie ein Referenzkonto (Verrechnungskonto) angeben, auf das Auszahlung en aus Ihrem Wertpapierhandel überwiesen werden.