Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz DAX: Zurück am Aufwärtstrend

Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Hätte Trump in Bezug auf das geplante Handelsabkommen mit China nicht die Geduld verloren, so wäre den Aktienmärkten der jüngste Rücksetzer wohl erspart geblieben. Dank der vorangegangenen Gewinne notiert der DAX noch knapp in seinem Aufwärtstrend. Doch was ist, wenn der Trend bricht?

Seit der letzten Analyse Mitte April legte der DAX zunächst noch einmal einen Anstieg aufs Parkett. Bis Anfang Mai kletterte er rund 400 Punkte oder 3,3 %, bevor es dann bis zum Redaktionsschluss wieder um 600 Punkte nach unten ging. Statt des von der US‐Führung angestrebten – und im Vorgriff auch schon als „großartig“ bezeichneten – Handelsabkommens mit China verfügte US‐Präsident Trump jäh eine einseitige Erhöhung bestehender Handelszölle. Diese wurden nach kurzem Zögern inzwischen auch von chinesischer Seite mit entsprechenden Gegenzöllen beantwortet. Die Anleger reagierten entsprechend enttäuscht. Verkäufe schickten alle großen Indizes im Gleichschritt nach unten.

Nachdem der DAX bis Anfang des Monats ordentlich zugelegt hatte, sackte er bis in den grau eingezeichneten Supportbereich zwischen 11.814 und 12.000 Punkten zurück. Der grün eingezeichnete jüngste Aufwärtstrendkanal ist damit schon leicht nach unten angekratzt. Doch solange sich der Deutsche Aktienindex noch auf Höhe der genannten Unterstützungszone bewegt, bleiben die bullishen und bearishen Aspekte ausgeglichen.

Zwischen Hoffen und Bangen

Angesichts der ohnehin schwächeren konjunkturellen Nachrichten in Europa wäre gerade beim exportorientierten DAX auch eine weitere Abwärtsbewegung denkbar. Dem entgegen steht der Anlagenotstand von Millionen Sparern und Altersvorsorgern, die ihr Geld renditebringend anlegen möchten und nach Kaufgelegenheiten schauen. Der inzwischen in allen Ballungsgebieten überhitzte Immobilienmarkt und die Edelmetalle bieten immerhin noch gewisse Diversifikationsfelder. Aber die Aktie bleibt gerade unter dem Gesichtspunkt eines gut auf verschiedene Branchen verteilbaren Risikos und der Aussicht auf regelmäßige Ausschüttungen für Investoren unverzichtbar. Es bleibt nur das Problem, dass es im Falle einer Massenpanik an der Börse schnell abwärtsgehen könnte – gerade im Hinblick auf das neu entfachte Säbelrasseln in Richtung Iran. Im Chart steht einem drohenden Kursverfall aber zum Glück noch eine tiefere Supportzone entgegen, die wir zwischen 11.500 und 11.750 Punkten grau hinterlegt haben. Bei einem Rücksetzer in diesen Bereich wäre zwar der aktuelle Aufwärtstrendkanal nach unten durchbrochen. Doch die Kurse hätten dort noch einmal einen Kristallisationsbereich, der aufgrund der dann wieder günstigeren Bewertung der Aktien wieder neue Käufer anlocken könnte.

Die Notenbanken sitzen längst in der Falle: Sie können die Zinsen nicht mehr in „normale“ Regionen oberhalb von 3 % zurücksteigen lassen, weil dann viele Staaten ihre Zinsen nur mit großen Mühen oder neuen buchhalterischen Tricks bedienen könnten. Also werden die Marktstimuli notgedrungen beibehalten werden. Solange die Geschäfts‐ und Notenbanken nicht in großem Umfang das viele billig ausgeliehene Geld zurückfordern, dürfte der DAX trotz trüberer Gewinnaussichten nicht ins Bodenlose abstürzen. Anleger können sich weiterhin für einen Teil ihre Depots per Stop‐Loss‐Limit gegen Ungemach in Gestalt weiter abbröckelnder Kurse absichern. Aber auf ein generelles Verkaufssignal lässt der DAX‐Chart noch nicht schließen.

Dax: 5-Jahrs-Chart im Mai 2019
Referenzzeitraum: 14.05.2014 bis 14.05.2019
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