Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz Archiviert: DAX: Zurück am Aufwärtstrend

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Hans-Dieter Schulz

Der Mither­aus­ge­ber der Hop­pen­st­edt-Charts und L. Math­es analysieren für das Mag­a­zin die Welt­börsen.

Hätte Trump in Bezug auf das geplante Han­delsabkom­men mit Chi­na nicht die Geduld ver­loren, so wäre den Aktien­märk­ten der jüng­ste Rück­set­zer wohl erspart geblieben. Dank der vor­ange­gan­genen Gewinne notiert der DAX noch knapp in seinem Aufwärt­strend. Doch was ist, wenn der Trend bricht?

Seit der let­zten Analyse Mitte April legte der DAX zunächst noch ein­mal einen Anstieg aufs Par­kett. Bis Anfang Mai klet­terte er rund 400 Punk­te oder 3,3 %, bevor es dann bis zum Redak­tion­ss­chluss wieder um 600 Punk­te nach unten ging. Statt des von der US-Führung angestrebten – und im Vor­griff auch schon als „großar­tig“ beze­ich­neten – Han­delsabkom­mens mit Chi­na ver­fügte US-Präsi­dent Trump jäh eine ein­seit­ige Erhöhung beste­hen­der Han­del­szölle. Diese wur­den nach kurzem Zögern inzwis­chen auch von chi­ne­sis­ch­er Seite mit entsprechen­den Gegen­zöllen beant­wortet. Die Anleger reagierten entsprechend ent­täuscht. Verkäufe schick­ten alle großen Indizes im Gle­ich­schritt nach unten.

Nach­dem der DAX bis Anfang des Monats ordentlich zugelegt hat­te, sack­te er bis in den grau eingeze­ich­neten Sup­port­bere­ich zwis­chen 11.814 und 12.000 Punk­ten zurück. Der grün eingeze­ich­nete jüng­ste Aufwärt­strend­kanal ist damit schon leicht nach unten angekratzt. Doch solange sich der Deutsche Aktienin­dex noch auf Höhe der genan­nten Unter­stützungszone bewegt, bleiben die bull­ishen und bear­ishen Aspek­te aus­geglichen.

Zwischen Hoffen und Bangen

Angesichts der ohne­hin schwächeren kon­junk­turellen Nachricht­en in Europa wäre ger­ade beim expor­to­ri­en­tierten DAX auch eine weit­ere Abwärts­be­we­gung denkbar. Dem ent­ge­gen ste­ht der Anlagenot­stand von Mil­lio­nen Spar­ern und Altersvor­sorg­ern, die ihr Geld ren­dite­brin­gend anle­gen möcht­en und nach Kaufgele­gen­heit­en schauen. Der inzwis­chen in allen Bal­lungs­ge­bi­eten über­hitzte Immo­bilien­markt und die Edel­met­alle bieten immer­hin noch gewisse Diver­si­fika­tions­felder. Aber die Aktie bleibt ger­ade unter dem Gesicht­spunkt eines gut auf ver­schiedene Branchen verteil­baren Risikos und der Aus­sicht auf regelmäßige Auss­chüt­tun­gen für Inve­storen unverzicht­bar. Es bleibt nur das Prob­lem, dass es im Falle ein­er Massen­panik an der Börse schnell abwärts­ge­hen kön­nte – ger­ade im Hin­blick auf das neu ent­fachte Säbel­ras­seln in Rich­tung Iran. Im Chart ste­ht einem dro­hen­den Kursver­fall aber zum Glück noch eine tief­ere Sup­port­zone ent­ge­gen, die wir zwis­chen 11.500 und 11.750 Punk­ten grau hin­ter­legt haben. Bei einem Rück­set­zer in diesen Bere­ich wäre zwar der aktuelle Aufwärt­strend­kanal nach unten durch­brochen. Doch die Kurse hät­ten dort noch ein­mal einen Kristalli­sa­tions­bere­ich, der auf­grund der dann wieder gün­stigeren Bew­er­tung der Aktien wieder neue Käufer anlock­en kön­nte.

Die Noten­banken sitzen längst in der Falle: Sie kön­nen die Zin­sen nicht mehr in „nor­male“ Regio­nen ober­halb von 3 % zurück­steigen lassen, weil dann viele Staat­en ihre Zin­sen nur mit großen Mühen oder neuen buch­hal­ter­ischen Tricks bedi­enen kön­nten. Also wer­den die Mark­t­stim­uli notge­drun­gen beibehal­ten wer­den. Solange die Geschäfts- und Noten­banken nicht in großem Umfang das viele bil­lig aus­geliehene Geld zurück­fordern, dürfte der DAX trotz trüber­er Gewin­naus­sicht­en nicht ins Boden­lose abstürzen. Anleger kön­nen sich weit­er­hin für einen Teil ihre Depots per Stop-Loss-Lim­it gegen Ungemach in Gestalt weit­er abbröck­el­nder Kurse absich­ern. Aber auf ein generelles Verkauf­ssig­nal lässt der DAX-Chart noch nicht schließen.

Dax: 5-Jahrs-Chart im Mai 2019
Ref­erenzzeitraum: 14.05.2014 bis 14.05.2019
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