Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: Kurserholung wahrscheinlich

Hans-Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Nach seinem Tauchgang konnte der DAX zuletzt wieder etwas zulegen. Haben wir damit das Tief schon gesehen oder kommen die Kurse womöglich noch einmal zurück? Lesen Sie, wo beim DAX die entscheidenden Wegmarken liegen.

Nach der Preisgabe des wichtigen Supportbereichs um 12.000 Punkte ließ der DAX kräftig Federn. Von Panikverkäufen kann man nicht sprechen, aber die Investoren machten so konsequent Kasse, dass die Kurse von Anfang Oktober bis 20. November um 10 % nachgaben. Nun warten die Anleger auf neue Impulse. Stimulierend wirkten bis Sommer noch die Vorgaben aus den USA, doch dort beginnen seitdem die anhaltenden Leitzinseinserhöhungen ihre bremsende Wirkung zu entfalten. Die seitens der US Notenbank parallel durchgeführte Rückführung des Staatsanleihe-Aufkaufprogrammes („Quantitative Easing“) wirkt dabei noch einmal zusätzlich dämpfend auf die am Markt verfügbare Geldmenge. S&P 500, Nasdaq und Dow verloren zwar bei Weitem nicht so viel wie hierzulande der DAX, aber auch in New York sind die Aufwärtstrends der drei genannten Leitindizes gebrochen. Eine Zwischenerholung liegt nach den strammen Kursverlusten in der Luft, aber nachhaltig bullishe Impulse sind so schnell leider nicht zu erwarten.

Mögliches Szenario: Stagflation

Eigentlich präsentiert sich die Wirtschaft auch hierzulande noch stark. Die gemeldeten Gewinne und die Ifo-Konjunkturumfrage zeigen beide noch aufwärts, nur die Erwartungskomponente ging im Gleichklang mit Donald Trumps protektionistischer Strategie und seinem undiplomatischen Säbelrasseln in den zurückliegenden Monaten zurück. Zudem dämpfen Russland-Sanktionen, Probleme in diversen Emerging Markets und strukturelle Schwierigkeiten in den südlichen europäischen Ländern die Erwartungen für die exportlastige deutsche Industrie. Gleichzeitig fahren zumindest die westlichen Notenbanken die Geldschöpfung zurück. In den USA erreicht die nominale Rendite der zehnjährigen TNotes schon wieder 3,2 %. Das ist ein Wert, bei dem Investoren erfahrungsgemäß anfangen, von unsicheren Aktien in sichere Staatsanleihen umzuschichten. Kein Zweifel, in den USA beginnt damit der neun Jahre währende Rückenwind für Aktien aus Rendite-Risiko-Gesichtspunkten abzuflauen. Hierzulande ist die Lage nicht ganz so klar. Die Zinsen bleiben rekordniedrig, Staatsanleihen sind daher unter Renditegesichtspunkten noch keine Option. Die überwiegende Mehrheit der DAX-Titel wirft eine ansehnliche Dividendenrendite ab. Allein deshalb bleiben sie interessant für Investoren.

In der letzten Phase des Booms steigen üblicherweise die Rohstoffpreise an. Sollte es dazu kommen, und der Ölpreis ist auch dabei, dann steigen in Folge auch die Verbraucherpreise bei stagnierender Wirtschaft. Dieses Szenario erscheint für das kommende Jahr nicht unwahrscheinlich. Für Aktien würde das bedeuten, dass wir die Tiefpunkte mittelfristig noch nicht gesehen haben. Gleichzeitig ist der DAX mit dem Kursverfall von mehr als 1.000 Punkten in nur einem Monat schon deutlich überverkauft. Bis in den Januar hinein ist eine Kurserholung wahrscheinlich. Als Kursziel bietet sich der alte Supportbereich um 12.000 Punkte an. Dort muss sich dann zeigen, ob die bullishen Kräfte noch weiter aufwärtstragen.

Dax Chart im 5-Jahresverlauf
Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 13.11.2013 bis 13.11.2018; Stand: 28.11.2018; Quelle: comdirect.de