Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H.-D. Schulz Archiviert: DAX: Kurse machen Nachrichten

Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen.

Der DAX durchbrach zuletzt die 12.000-Punkte-Marke. Wenn die Unterstützung bei 11.700 Punkten hält, könnte es wieder aufwärtsgehen.

Der Rückschlag im DAX begann untypisch. Einen Tag nach dem Anstieg auf ein neues Allzeithoch bei 13.560 Punkten — eigentlich ein Kaufsignal — dämpften Äußerungen von EZB‐Präsident Draghi zur Laufzeit des EZB‐Anleihekaufprogramms die Stimmung. Dabei hatte die EZB Ende Januar nur angekündigt, ihr Geldschöpfungsprogramm bis September unverändert weiter laufen lassen zu wollen. „Nur” weitere sieben Monate mit Vollgas‐Liquidität aus dem Quantitative‐Easing‐Topf — für eine Fortsetzung der steilen Kursrally seit Anfang 2016 war das den Marktteilnehmern dieses Mal zu wenig. Die Aussicht auf weniger zukünftige Liquidität nahmen erste Anleger zum Anlass, Gewinne bei Aktien mitzunehmen. Die fallenden Kurse hatten zur Folge, dass die Redakteure ihre Börsennews verhaltener formulierten. So wurde der bereits seit einem Jahr steigende Euro gegen den US‐Dollar thematisiert, der die Gewinne der exportlastigen Unternehmen dämpft. Mehr belastende Nachrichten fanden sich zwar nicht. Dennoch entwickelte sich eine starke Abwärtsdynamik. Die erste steile Talfahrt seit zwei Jahren drückte den DAX zurück bis kurz über seine 12.000-Punkte-Marke.

Kreuzunterstützung bei 11.700 Punkten

Nach einer kurzen Erholung befinden wir uns derzeit in einer zweiten Abwärtswelle. Und die mediale Begleitmusik enthält neue Molltöne: Die USA erheben erste Schutzzölle auf Stahl und Aluminium, auf die sich sowohl die EU als auch China aktuell passende Antworten überlegen. Noch ist völlig unvorhersehbar, ob die Gegenreaktion nicht wieder neue Zölle für weitere Branchen nach sich ziehen könnte. Für die deutsche Wirtschaft sind das keine guten Nachrichten. Präsident Trump hat bereits durchblicken lassen, dass er über Zölle auf Importautos nachdenke.

Droht US‐Pensionsfonds Schieflage?

Weitgehend unreflektiert blieb in Deutschland hingegen der Hilferuf eines der großen US‐Pensionsfonds, des California Public Employees Retirement System, kurz CalPERS. Der Fonds schlägt sich eigentlich ganz wacker, doch die Kalkulation basiert auf der Annahme, dass sich die überwiegend von den Kommunen eingezahlten Beiträge mit mindestens 7 % rentieren müssen. Das war in den vergangenen Jahren nicht erreichbar und wird auch in absehbarer Zeit so bleiben — ganz egal, ob die amerikanische Zentralbank Fed die Leitzinsen bei 1,5 % belässt oder auf 2 % anhebt. Die Beitragszahler werden ihre Beiträge nicht nur bei diesem Fonds deutlich erhöhen müssen, um die vertraglich längst zugesagten Pensionen decken zu können. Während Deutschland das umlagefinanzierte Rentensystem gerade erst auf ein kapitalgedecktes umstellt, sind die Amerikaner wieder einmal schon einen Schritt weiter: Auf Sicht von zehn Jahren und mehr gerechnet sind die eingegangenen Pensionsverpflichtungen auch mit einem weitgehend aktienbasierten kapitalgedeckten System nicht zu schultern. Das System wird kollabieren, wenn nicht Hilfe von außen kommt.

Diese Überlegungen sind nicht neu, ich kann mich erinnern, davon schon in der Krise 2008/2009 gelesen zu haben. Seitdem hörte man allerdings von der Verschuldungskrise im US‐Pensionssystem zehn Jahre lang nichts mehr — bis das Gespenst im vergangenen Monat in der „New York Times” wieder aus der Kiste kroch. Sicher ist, dass in dem Bereich der Schulden aus künftigen Pensionsverpflichtungen auch in Europa noch gewaltige Herausforderungen zu meistern sein werden. Die Staatsschuldenfinanzierung mit der Druckerpresse à la Draghi kann da schon einmal als Aufwärmübung gesehen werden.

Mit Blick auf den DAX‐Chart ruhen die Hoffnungen nun auf der Kreuzunterstützung, die sich aus dem Aufwärtstrend seit Anfang 2016 und der breiten grau eingezeichneten Supportzone zwischen 11.600 und 11.735 Punkten ableitet. Fängt sich der DAX in diesem Bereich, so wäre das eine gute Basis für wieder moderat steigende Kurse. Durchbricht der DAX hingegen auch diesen Aufwärtstrend, so würde sich das mittelfristige Bild erneut eintrüben.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung  (siehe Typisierende Modellrechnung im Impressum). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 06.03.2013 bis 06.03.2018; Stand: 06.03.2018; Quelle: comdirect.de