Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz
DAX: Aufwärtstrend in Gefahr

Hans-Dieter Schulz

Der Mither­aus­ge­ber der Hop­pen­st­edt-Charts und L. Math­es analysieren für das Mag­a­zin die Welt­börsen.

Der DAX set­zte im Juni nochmals zurück. Erst nach einem Test der über­ge­ord­neten Aufwärt­strendlin­ie bei 12.177 Punk­ten zogen die Kurse zulet­zt wieder etwas an. Der Abstand zur wichti­gen Trendlin­ie blieb dabei jedoch ger­ing. Was passiert, wenn der Aufwärt­strend bricht?

Die Som­mer­monate rufen bei Anlegern die bekan­nte Börsen­weisheit „Sell in May and go away“ ins Gedächt­nis: Seit dem Zwis­chen­hoch Ende Mai bei 13.170 Zäh­lern ver­lor der Index bis­lang knapp 5 % an Wert. Das ist nicht drama­tisch, aber dieser Rück­set­zer fügt sich in eine bre­it angelegte Seitwärt­sen­twick­lung seit Früh­jahr 2017 ein. Bere­inigt um die ein­gerech­neten Div­i­den­den bewegte sich der DAX in dieser Zeit auf Augen­höhe mit dem EuroSTOXX 50. Anleger, die ihr Port­fo­lio nicht auch in Rich­tung der erhe­blich lukra­tiv­eren US-Aktien diver­si­fizierten, brauchen sich fol­glich nicht wun­dern, wenn ihr Depotwert seit über einem Jahr auf der Stelle tritt.

In Kom­bi­na­tion mit dem bis ein­schließlich August noch belas­ten­den saisonalen Fak­tor und den zu befürch­t­en­den Auswirkun­gen der US-Han­delss­chranken liegt für Aktionäre auch kein über­raschen­der Aufwärt­sim­puls in der Luft. Immer­hin hat der DAX nach dem Test des grün eingeze­ich­neten Aufwärt­strends jüngst nach oben gedreht. Aber ohne Anschlus­sor­ders, die den DAX zumin­d­est über die näch­sthöhere Wider­stand­szone zwis­chen 12.800 und 12.900 Punk­ten führen, bleiben die ein­sti­gen Hoch­punk­te weit ent­fer­nt. So wird es schwierig, neue Käufer­schicht­en für den DAX zu begeis­tern oder ander­weit­ig in spür­barem Umfang frisches Geld von der Seit­en­lin­ie in Aktien zu lock­en.

Obere Wendeformation droht

Soll­ten sich die Aktionäre auf Sicht der näch­sten Wochen weit­er abwartend ver­hal­ten, würde der DAX seitwärts durch seinen Aufwärt­strend bei aktuell 12.250 Punk­ten laufen. Das wäre ein erstes Verkauf­ssig­nal aus tech­nis­ch­er Sicht. Bis in den Bere­ich der näch­st­tief­er­en Sup­port­zone zwis­chen 11.560 und 11.800 Zäh­lern wäre ein som­mer­lich­er Rück­gang noch zu ver­schmerzen, ohne dass auch mit­tel­fristig Ungemach dro­ht. In diesem grau eingeze­ich­neten Bere­ich ver­läuft allerd­ings auch die rot eingeze­ich­nete Schul­ter­lin­ie ein­er bre­it angelegten For­ma­tion, die vom Ver­lauf her ein­er oberen Schul­ter-Kopf-Schul­ter ähnelt. Nicht lehrbuch­mäßig sind die drei Spitzen, welche die linke und rechte Schul­ter sowie den Kopf in der Mitte bilden. Im DAX sind diese jew­eils auf zwei Spitzen verteilt, wo eigentlich immer nur ein Ver­lauf­shoch sein sollte. Sieht man über diese Anom­alie hin­weg, lässt sich den­noch eine Schul­ter­lin­ie durch die bei­den Tief­punk­te der For­ma­tion ziehen: Diese verbindet leicht abwärt­slaufend das Zwis­chen­tief vom Som­mer 2017 mit dem vom Früh­jahr 2018. Bei einem Unter­schre­it­en dieser roten Sig­nallinie wäre die Schul­ter-Kopf-Schul­ter (SKS) als obere Trendwende abgeschlossen.

Gute Halteposition

Noch ist es nicht so weit. Bis­lang wahrte sich der DAX alle Chan­cen. Die deutschen Stan­dard­w­erte bleiben trotz der aktuellen Seitwärts­be­we­gung eine gute Hal­tepo­si­tion. Das Bild würde sich bei einem Bruch der grün eingeze­ich­neten Trendlin­ie bei 12.250 Punk­ten ein­trüben. Bis zu einem oberen Trendwen­des­ig­nal bleibt dann noch Karenz bis in den Bere­ich um 11.630 Punk­te. Dort ver­läuft derzeit die Sig­nallinie der SKS-For­ma­tion.

Ent­war­nung kann hinge­gen bei einem Anstieg über die rechte Schul­ter bei 13.170 Punk­ten gegeben wer­den. Dann wäre zwar die an den Ner­ven zer­rende Seitwärts­be­we­gung seit Früh­jahr 2017 noch intakt, doch die dro­hende obere Trendwen­de­for­ma­tion wäre vom Tisch.

Aktien unter­liegen Kurss­chwankun­gen, damit sind Kursver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Die Beschrei­bung stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung dar. Es han­delt sich um die Angabe der Brut­tow­er­ten­twick­lung (siehe „Hin­weise zu Chart- und Per­for­manceangaben“). Die Darstel­lung gibt nicht die Mei­n­ung von comdi­rect wieder. Sie dient auss­chließlich der Infor­ma­tion und stellt keine Anlageempfehlung dar. Ref­erenzzeitraum: 11.07.2013 bis 11.07.2018; Stand: 11.07.2018; Quelle: comdirect.de