Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Aufwärtstrend angekratzt

Hans-Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Lange trotzten die Börsen den beunruhigenden Meldungen zu Strafzöllen, zum Brexit und zu steigenden Zinsen in den USA. Doch der dramatische Verfall der Türkischen Lira und die anschließende Diskussion um die milliardenschweren Auswirkungen auf europäische Banken als Gläubiger türkischer Außenstände bringen den DAX nun unter Druck. Aktuell testet er den übergeordneten Aufwärtstrend. Wie geht es weiter?

Eine wichtige Erfahrung an der Börse lehrt: Trends halten meist länger, als man denkt. Der DAX folgt seinem grün eingezeichneten Aufwärtstrend bereits seit Frühjahr 2016 nach oben. Die jüngsten Gewinne seit dem Zwischentief im Juni gab der DAX aber zuletzt großteils wieder ab. Kein Wunder – für die exportorientierte deutsche Wirtschaft haben sich die Aussichten dank Trumps protektionistischer Tendenzen schon länger eingetrübt. Die Konjunkturdaten und vor allem die Unternehmensgewinne präsentieren sich noch stark, Produktion und Umsätze bleiben auf Rekordniveau. Aber die Wachstumsraten und die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe flauen ab. Noch ist es nicht amtlich, aber eine Trendwende könnte in der Luft liegen. Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, ist der DAX schon auf seine Trendlinie bei 12.400 Punkten zurückgefallen. Hier ergibt sich zusammen mit der grau eingezeichneten Linie vom Hochpunkt des Jahres 2015 eine Kreuzunterstützung. Solche doppelt abgesicherten Chartmarken sind schwer zu überwinden, daher sind aus technischer Sicht kurzfristig steigende Kurse zu erwarten.

Die Volatilität ist bereits angestiegen

Da konjunkturelle Frühindikatoren wie Einkaufsmanager-Befragungen, das Verbrauchervertrauen und die Auftragseingänge volatil sind, kann die Börse auch auf Sicht bis Jahresende durchaus wieder steigen. Doch im Moment überwiegen die Molltöne. Der DAX hat an Schwung verloren und scheint in eine Konsolidierungsphase eingetreten zu sein.

Mittelfristig dürfte sich der zu erwartende Anstieg der Inflationsrate neben den von den USA ausgehenden Zollstreitigkeiten als neues Damoklesschwert für den Aktienmarkt entpuppen. Die Arbeitslosenrate sank in der EU jüngst auf ein Zehn-Jahres-Tief. Zusammen mit den mittelfristig gestiegenen Energiepreisen und den aufgrund der Dürre noch sicher zu erwartenden Preissteigerungen bei vielen Agrarerzeugnissen sollten Anleger die Inflationsrate nicht aus den Augen verlieren. Die EZB könnte dann den Vorgaben aus den USA folgen und das noch laufende Quantitative-Easing-Programm weiter zurückfahren oder gar die Leitzinsen erhöhen.

Das wäre dann mittelfristig ein weiterer Belastungsfaktor für den Aktienmarkt, wo die Gewinne nicht zuletzt durch die Nullzinspolitik so weit nach oben laufen konnten. Steigen die Zinsen, werden auch Anleihen für Anleger wieder attraktiver. Dann werden Investoren Geld aus dem Aktienmarkt in Anleihen umschichten. Sollte der DAX seinen jetzt erreichten Aufwärtstrend seit 2016 nach einer kurzfristigen Erholung dann doch nach unten durchbrechen, wartet der nächsttiefere Support erst wieder im Bereich zwischen 11.600 und 11.800 Punkten. Für Anleger wäre es im Falle eines Trendbruches ratsam, erst einmal die Aktienquote zu reduzieren, bis sich eine belastbare untere Wende oder eine Jahresendrally abzeichnet.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 14.08.2013 bis 14.08.2018; Stand: 15.08.2018; Quelle: comdirect.de