Ein Anlagetrend im Fokus

Ein Anlagetrend im Fokus Cannabis-Aktien

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Auf der Suche nach lohnenswerten Anlagezie­len wer­den Anleger immer häu­figer mit soge­nan­nten „Cannabis-Aktien“ kon­fron­tiert. Erfahren Sie hier, worum es sich bei diesen Wert­pa­pieren han­delt, welche Emit­ten­ten es gibt und worauf Sie beim Kauf von Mar­i­hua­na-Aktien acht­en soll­ten.

Was ist eine Cannabis-Aktie?

Eine Cannabis-Aktie ist ein an der Börse gehan­deltes Wert­pa­pi­er von einem Unternehmen, das Cannabis anbaut und verkauft oder die Pflanze zu Arzneimit­teln oder anderen Pro­duk­ten weit­er­ver­ar­beit­et.

Die Beze­ich­nung „Cannabis-Aktie“ ist keine offizielle Beze­ich­nung, son­dern dient vielmehr der Zusam­men­fas­sung von Wert­pa­pieren von Unternehmen, deren Geschäftsmod­ell direkt oder indi­rekt auf der Cannabis-Pro­duk­tion und/oder -Ver­ar­beitung beruht. Ana­log dazu wird in anderen Branchen zum Beispiel von „Ölak­tien“, „Rohstof­fak­tien“ oder „Goldak­tien“ gesprochen.

Cannabis-Kurzinfo

Cannabis ist eine Heil- und Nutzpflanze, die zur Gat­tung der Han­fgewächse gehört. Sie wird seit mehreren tausend Jahren von Men­schen zur Her­stel­lung von Medi­zin oder Rauschmit­teln, aber auch für die Stoff- und Gar­npro­duk­tion ver­wen­det.

In Europa war Hanf bis ins 19. Jahrhun­dert eine weit ver­bre­it­ete Kul­turpflanze, deren Fasern für Baustoffe und Tex­tilien genutzt wurde. Im gle­ichen Jahrhun­dert ent­deck­te man hierzu­lande, dass bes­timmte Cannabis-Sorten eine Rauschwirkung haben kön­nen. In seinem Ursprungs­land Indi­en wurde Cannabis bere­its seit vie­len Jahrhun­derten als Rauschmit­tel und Medi­zin einge­set­zt.

Ver­ant­wortlich für die Rauschwirkung, aber auch für den medi­zinis­chen Nutzen von Cannabis ist der Stoff Tetrahy­dro­cannabi­nol (THC). Er befind­et sich über­wiegend in den Blütenbestän­den der weib­lichen Hanf­pflanzen. Für medi­zinis­che Zwecke im Labor gezüchteter Hanf kann einen THC-Gehalt von bis zu 20 Prozent aufweisen.

Seit wann werden Cannabis-Aktien gehandelt?

Cannabis-Aktien gibt es, seit in eini­gen Län­dern die medi­zinis­che Nutzung von Cannabis erlaubt wurde. In Kana­da ist Cannabis für medi­zinis­che Zwecke bere­its seit 2001 legal. Eine der ältesten Cannabis-Aktien auf dem Markt ist die Aktie von Auro­ra Cannabis Inc aus Edmon­ton, Kana­da. Das Unternehmen wurde 2013 gegrün­det. Die Auro­ra Cannabis Aktie ist seit Juni 2014 an der Börse in Toron­to (TSX) gelis­tet. Seit Juni 2016 ist das kanadis­che Unternehmen Aphria an der Börse Toron­to vertreten.

Mit der zunehmenden Öff­nung der Märk­te für Medi­z­in­pro­duk­te auf Cannabis-Basis in Kana­da (2001), den USA (einzelne Bun­desstaat­en schon seit 1996) sowie in Deutsch­land (seit 2017), Israel (inten­sive Forschung, aber noch keine Öff­nung), Däne­mark (2018), dem Vere­inigten Kön­i­gre­ich (2018) und Aus­tralien (2016) haben immer mehr Unternehmen aus der Cannabis-Branche den Weg an die Börse gefun­den.

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Viele Fir­men sind keine reinen Cannabis-Pro­duzen­ten oder -Ver­ar­beit­er, son­dern Cannabis-Pro­duk­te bilden nur einen Teil ihres Port­fo­lios. Ein Beispiel für ein solch­es Unternehmen ist Abb­Vie Inc aus Illi­nois, USA, mit einem Jahre­sum­satz von 27 Mil­liar­den US-Dol­lar im Bere­ich Biotech­nolo­gie und Phar­ma.

Welche Cannabis-Aktien gibt es auf dem deutschen Markt?

In Deutsch­land wer­den Cannabis-Aktien an unter­schiedlichen Börsen gehan­delt. Im Jahr 2018 gab es kurzfristig einige Kon­fu­sio­nen unter Anlegern. Denn die Wert­pa­pier­transak­tio­nen der Deutschen Börse wer­den über die lux­em­bur­gis­che Tochter Clearstream abgewick­elt. Dieses Unternehmen ste­ht unter lux­em­bur­gis­chem Recht. Und da Cannabis in Lux­em­burg auch für medi­zinis­che Zwecke nicht legal­isiert war, unter­sagte die lux­em­bur­gis­che Börse­nauf­sicht Clearstream den Han­del mit Cannabis-Aktien. Dementsprechend musste die Deutsche Börse reagieren und hat­te angekündigt, ab dem 28. 09. 2018 keine Cannabis-Aktien in Deutsch­land kaufen oder verkaufen zu lassen.

Von dieser Maß­nahme wären 147 Aktienge­sellschaften betrof­fen gewe­sen, zu welchen auch Branchen­größen wie das US-Unternehmen Aphria gehört.

Da sich die Geset­zes­lage in Lux­em­burg in der Zwis­chen­zeit geän­dert hat und der Han­del mit Medi­zin-Cannabis erlaubt ist, dür­fen weit­er­hin rund 60 Cannabis-Aktien an deutschen Börsen­plätzen gehan­delt wer­den.

Anleger haben nun die Möglichkeit, auf dem deutschen Aktien­markt Wert­pa­piere von Unternehmen zu erwer­ben oder zu verkaufen, die Cannabis für den Ein­satz in der Medi­zin pro­duzieren oder ver­ar­beit­en.

Hintergrund – Legalisierung von Marihuana

Die medi­zinis­che Ver­wen­dung von Cannabi­noiden ist in eini­gen Län­dern der Welt bere­its seit Beginn der 2000er-Jahre legal. Der Kon­sum von Hanf als Rauschmit­tel ist zum Beispiel in den Nieder­lan­den in begren­ztem Rah­men legal. Auch in Deutsch­land wur­den die Geset­ze zum Besitz von Cannabis und zum Kon­sum in den let­zten Jahren gelock­ert. Eine voll­ständi­ge Freiga­be von Cannabis für den Markt gibt es bis dato aber nur in Uruguay und Kana­da sowie in einzel­nen US-Bun­desstaat­en. In Deutsch­land wird immer noch über die Legal­isierung disku­tiert.

Wie kann ich Cannabis-Aktien kaufen?

Cannabis-Aktien kön­nen Sie wie jedes andere Wert­pa­pi­er auch über Ihr Depot erwer­ben, indem Sie eine Order erteilen / aufgeben. Sie kön­nen zum Beispiel Ihr comdi­rect Depot für den Han­del mit Cannabis-Wert­pa­pieren ver­wen­den.

Prognosen für den weltweiten Cannabis-Markt

Experten trauen dem glob­alen Cannabis-Markt ein deut­lich­es Wach­s­tum zu. Prog­nosen gehen davon aus, dass der weltweite Umsatz im Cannabis-Sek­tor von geschätzt knapp 20 Mil­liar­den US-Dol­lar 2018 auf über 60 Mil­liar­den US-Dol­lar im Jahr 2024 steigen kön­nte. Tat­säch­lich han­delt es sich aber nur um Prog­nosen. Da der Markt für legale Cannabis-Pro­duk­te rel­a­tiv jung ist, gibt es für Ana­lysten noch keine Erfahrungswerte.

Icon Cannabis Blatt

Grund­sät­zlich muss jed­er Anleger seine Anlage­pro­duk­te an seinen eige­nen ethis­chen und moralis­chen Ansprüchen messen. Dies gilt zum Beispiel für Tabak-Aktien eben­so wie für Ölak­tien oder für Wert­pa­piere von Rüs­tungs­fir­men sowie Biotech-Unternehmen.

Unterstütze ich Drogenabhängigkeit mit dem Kauf von Cannabis-Wertpapieren?

Solange Sie Aktien von Unternehmen erwer­ben, die Cannabis-Pro­duk­te auss­chließlich für medi­zinis­che Zwecke her­stellen, unter­stützen Sie keine Dro­gen­ab­hängigkeit. Durch die Legal­isierung von Cannabis in Län­dern wie Kana­da ist außer­dem sichergestellt, dass der Anbau unter geset­zlichen Vor­gaben streng reg­uliert wird und keine ille­galen Bezugsquellen für Cannabis beste­hen.

Wenn Sie beim Kauf von Cannabis-Aktien sich­er­stellen wollen, dass das Unternehmen keine Rauschmit­tel her­stellt oder seinen Hanf für die Her­stel­lung von Rauschmit­teln verkauft, soll­ten Sie im Vor­feld die Geschäftsmod­elle der Aktienge­sellschaften prüfen.

Sollte ich in Cannabis-Aktien investieren?

Die Cannabis-Branche und der Markt für legale Cannabis-Pro­duk­te sind im Ver­gle­ich zu anderen Branchen noch sehr jung. Zwar gibt es viele Erfol­gsmeldun­gen rund um Cannabis-Aktien sowie Berichte über ras­ant steigende Kurse. Doch gibt es ana­log dazu kaum valide Erfahrungswerte, die Anlegern ein Min­dest­maß an Sicher­heit geben kön­nen.

Aus diesem Grund ist der Kauf von Cannabis-Aktien mit einem sehr hohen Risiko ver­bun­den und daher nicht für Aktien­an­fänger geeignet.

Nach welchen Kriterien sollte ich Marihuana-Aktien kaufen?

Für den Kauf von Mar­i­hua­na-Aktien gel­ten diesel­ben Regeln wie für den Kauf von Wert­pa­pieren all­ge­mein. Deshalb soll­ten Inter­essen­ten vor der Order genau prüfen, wie sich die jew­eili­gen Unternehmen entwick­elt haben, welche Poli­tik sie ver­fol­gen und welche Pro­duk­te sie genau her­stellen.

Sind Cannabis-Aktien legal, auch wenn Marihuana in Deutschland nicht uneingeschränkt erlaubt ist?

Cannabis-Aktien dür­fen in Deutsch­land gehan­delt wer­den, sofern sie den Reg­u­lar­ien der lux­em­bur­gis­chen Börse­nauf­sicht entsprechen. Denn der deutsche Wert­pa­pier­han­del wird über die lux­em­bur­gis­che Tochter der Deutschen Börse AG, Clearstream, abgewick­elt. Aktuell sind rund 60 Aktien mit Bezug zur medi­zinis­chen Ver­wen­dung von Cannabis in Deutsch­land han­del­bar.

Welche Cannabis-Aktien gibt es?

Auf dem Markt gibt es mit­tler­weile über 160 ver­schiedene Hanf-Aktien. Hierzu gehören unter anderem:

  • Canopy Growth Aktien (WKN A140QA): Die Wert­pa­piere stam­men von einem kanadis­chen Unternehmen aus Smith Falls mit einem Jahre­sum­satz von 40 Mil­lio­nen kanadis­chen Dol­lars (CAD) im Jahr 2017.
  • GW Phar­ma­ceu­ti­cals Aktien (WKN 693692): Das Unternehmen aus Cam­bridge, UK, existiert seit 1998 und hat als erste Fir­ma weltweit ein Cannabis-Derivat hergestellt, das weltweit eine Mark­tzu­las­sung erhielt.
  • Auro­ra Cannabis Inc Aktien (WKN A12GS7): Das kanadis­che Unternehmen aus Edmon­ton existiert seit 2013 und pro­duziert Cannabis.
  • Deutsche Cannabis AG Aktien (WKN A0BVVK): Bei diesem Unternehmen han­delt es sich um eine Pri­vate Equi­ty Beteili­gungs­ge­sellschaft mit Fokus auf Hanf.
  • Aphria Inc. Aktien (WKN A12HM0): Das kanadis­che Unternehmen aus Leam­ing­ton pro­duziert Hanf und gehört mit ein­er Mark­tkap­i­tal­isierung von drei Mil­liar­den US-Dol­lar zu den größten Cannabis-Fir­men weltweit.

Fazit

Cannabis-Aktien bieten risikobere­it­en Anlegern neue Möglichkeit­en beim Aktien­han­del. Allerd­ings soll­ten Käufer trotz hoher Ren­ditechan­cen immer auch das damit ver­bun­dene höhere Risiko berück­sichti­gen. Um erste Schritte im Han­del mit Cannabis-Aktien ganz ohne Risiko zu unternehmen und um sich in den rel­a­tiv jun­gen Markt einzufind­en, bietet sich ein kosten­los­es Mus­ter­de­pot an.

Aktien unter­liegen Kurss­chwankun­gen; damit sind Kursver­luste bis zum Totalver­lust möglich. Bei Wert­pa­pieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Die Auswahl der Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente dient auss­chließlich Infor­ma­tion­szweck­en und stellt kein Ange­bot, keine Auf­forderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzin­stru­menten dar. Sie soll lediglich Ihre selb­st­ständi­ge Anlageentschei­dung erle­ichtern und erset­zt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Darstel­lung gibt nicht die Mei­n­ung von comdi­rect wieder. Die hier dargestell­ten Infor­ma­tio­nen und Wer­tun­gen genü­gen nicht den geset­zlichen Anforderun­gen zur Gewährleis­tung der Unvor­ein­genom­men­heit ein­er Anlageempfehlung oder Anlages­trate­gieempfehlung. Darüber hin­aus unter­liegen die dargestell­ten Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente keinem Ver­bot des Han­dels vor der Veröf­fentlichung von Anlage- oder Anlages­trate­gieempfehlun­gen. Stand: 06.02.2019; Quelle: comdirect.de