Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: Bodenbildung abwarten

Hans-Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Mit dem Bruch des seit Anfang 2016 bestehenden Aufwärtstrends gab der DAX zuletzt ein Warnsignal. Investoren sollten nun an der Börse zunächst Vorsicht walten lassen. Doch wer Rendite sucht, kommt andererseits wohl auch nicht um eine Aktienanlage herum. Kursrücksetzer sind also auch immer als Einstiegschance zu sehen.

Bis Ende August sah es noch so aus, als könne der DAX seinen grün eingezeichneten Abwärtstrend bei rund 12.400 Punkten verteidigen und sich noch einmal an seine alten Hochs heranpirschen. Doch seit Anfang September ging es in schnellen Schritten abwärts. Der über zwei Jahre stabil gelaufene Aufwärtstrend wurde klar gebrochen – kein Zweifel also, für Anleger ist es Zeit für eine Neuorientierung. Während die Leitindizes in den USA auch aktuell nur knapp unter ihren Allzeithochs notieren und dort noch alle Chancen auf weiter positive Börsensignale gewahrt bleiben, wird beim DAX der ohnehin schon bearishe Trendbruch noch um eine Gewitterwolke verdüstert: Die drei im Chart markierten Kurshochs seit Mitte 2017 knapp unterhalb von 13.000, bei 13.560 und etwas über 13.000 Punkten beschreiben aus klassischer charttechnischer Sicht eine drohende obere Trendwendeformation.

Obere Schulter-Kopf-Schulter?

Der Verlauf mit zwei flankierenden niedrigeren Kursspitzen und der höheren Spitze – dem „Kopf“ in der Mitte – ist als obere SKS-Formation bekannt. Die vorliegende Formation ist dabei aber nicht ganz mustergültig; zum einen ist sie zu breit angelegt. Das heißt, der Zeitraum, in dem sich die Konstellation heranbildete, ist am vorangegangenen Aufwärtstrend gemessen zu lang. Und zum anderen ist die Nackenlinie, die im Chart gestrichelt eingezeichnet ist, auch etwas zu sehr nach unten geneigt. Gleichwohl werden nun viele Anleger abwarten, ob diese Linie bei derzeit rund 11.600 Punkten nach unten gebrochen wird. Genau in dem Bereich verläuft auch eine breite Unterstützungszone zwischen 11.600 und 11.800 Zählern, die in der Vergangenheit schon öfter für Richtungsänderungen sorgte. Solche doppelten Linien werden meist nicht im ersten Anlauf durchstoßen. Hinzu kommt folgender Aspekt: Wenn die Mehrheit verunsichert abwartet, können die Profis leichter die Kurse beeinflussen. Und diese haben längst den großen Verfallstag an der Terminbörse im Blick. Am dritten Freitag im September, dieses Jahr also am 21., wird an der Eurex der DAX abgerechnet. Durch den jüngsten Kursverfall sind an der Optionsbörse einige größere Put-Stillhalterpositionen unangenehm ins Minus gelaufen. Diese Marktteilnehmer haben ein Interesse daran, den DAX bis zum nächsten Freitag wieder etwas nach oben zu justieren. Kurzfristig wäre es also trotz des Trendbruchs und einer drohenden oberen Trendwendeformation gut vorstellbar, dass der DAX jetzt zunächst wieder steigt. Und erst in der letzten Septemberwoche wäre der Markt dann wieder sich selbst überlassen.

Wenn bis dahin die US-Indizes auch den Rückwärtsgang einlegen sollten, dann wäre die Marschrichtung beim DAX anschließend wieder talwärts. Wenn jedoch die von Trump befeuerte Kursrally bei Dow, S&P und Nasdaq noch weiter aufwärtstragen sollte, dann hätte der DAX noch Nachholpotenzial und die derzeit so bedrohlich erscheinende Trendwendeformation geriete womöglich in Vergessenheit. Dann könnte nach einer Fortsetzung der aktuellen Seitwärtsbewegung womöglich schon die nächste Jahresendrally starten. Entscheidend ist aus technischer Sicht zunächst der Bereich um 11.600 Punkte.

Dax im 5-Jahreschart mit Hilfslinien 092018
Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 11.09.2013 bis 11.09.2018; Stand: 12.09.2018; Quelle: comdirect.de