Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: Ausverkauf oder Jahresendrally?

Hans-Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Der DAX sank zuletzt deutlich unter 12.000 Punkte. Nun warten die Marktteilnehmer auf neue Impulse. Gelingt der Rebound nach oben in Gestalt einer Jahresendrally, oder vollendet der DAX seine obere Trendwendeformation?

Eigentlich war der nun wirkende Hauptbelastungsfaktor für die Börsen schon lange bekannt: Die Federal Reserve Bank in den USA hatte klar und deutlich angekündigt, dass sie die Leitzinsen weiter anheben würde. Infolge dieser Maßnahme zog der Dollar an, und Wackelkandidaten unter den Emerging Markets kamen ins Straucheln. Erst nach dem vierten Leitzinsschritt in diesem Jahr begannen die bislang unerschütterlich aufwärtsstrebenden US-Indizes S&P 500, Dow und Nasdaq Composite Ende September erstmals nennenswert zurückzusetzen.

Der DAX, der im Gegensatz dazu bereits seit Jahresanfang unter Schwankungen überwiegend abwärts tendierte, erlitt einen weiteren Schwächeanfall und durchbrach die grau eingezeichnete Unterstützungszone zwischen 11.900 und 12.000 Zählern.

Jahresendrally, Ausverkauf – oder beides?

Die im Chart markierten Kursspitzen kann man als eine nicht ganz mustergültige Schulter-Kopf-Schulter-Formation ansehen, die als obere Trendwendeformation bekannt ist. Doch solange sich der DAX im nun erreichten Kurs-Korridor halten kann, wäre auch eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung seit Mitte 2017 denkbar. Die Lage ist im Moment noch offen. Doch der steigende Dollar und die von US-Präsident Trump entfachten Debatten um Zölle und andere protektionistische Maßnahmen mit darauffolgenden Gegenmaßnahmen aus anderen Wirtschaftsregionen begrenzen die Fantasie für Deutschlands exportorientierte Großunternehmen. Investoren werden angesichts dieser Gemengelage lieber weiter abwarten.

Kaum Alternativen zu Aktien

Doch auch wenn in den USA inzwischen die Zinsen leicht ansteigen, sollten sich Anleger bewusst machen, dass Aktien neben Immobilien derzeit eine der wenigen Möglichkeiten bleiben, fürs Ersparte mehr Rendite zu erhalten, als die Inflation wieder auffrisst. Auch professionelle Vermögensverwalter in Lebensversicherungen und Pensionsfonds kommen an den Aktien weiterhin nicht vorbei. Diese sollten folglich nicht ins Bodenlose stürzen, vor allem weil sie in gewissen Grenzen auch einen Inflationsschutz bieten. Denkbar wäre vor diesem Hintergrund ein kurzfristiger Kurseinbruch, beispielsweise auf Sicht der nächsten drei Wochen, der viele Anleger mit „schwachen Händen“ aus dem Markt schütteln würde. Und darauffolgend wären dann wieder aufwärtsschnellende Kurse vorstellbar, sodass es bis in den Januar hinein auch wieder zu einer Jahresendrally kommen könnte.

Im Moment ist dieses Szenario noch Spekulation. Anleger können sich mit Abstauberlimits auf renditestarke, eher defensive Titel wie Pharmawerte, Versicherungen und womöglich auch Versorger auf die Lauer legen. Kommt es zu einem Einbruch, würde das den ein oder anderen Qualitätstitel günstig ins Depot bringen. Halten sich die Kurse, dann hätte man wenigstens nichts verloren und kann sich dann bei wieder stabilisierten Indizes nach Einzelwerten oder Branchen umsehen, die noch zurückgeblieben sind oder anderweitig Potenzial versprechen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 10.10.2013 bis 10.10.2018; Stand: 10.10.2018; Quelle: comdirect.de