Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der 'Hoppenstedt-Charts' und L. Mathes analysieren für compass die Weltbörsen

Analyse von H-D. Schulz/L. Mathes Archiviert: DAX: Trendwende abwarten

Hans‐Dieter Schulz

Der Mitherausgeber der Hoppenstedt‐Charts und L. Mathes analysieren für das Magazin die Weltbörsen.

Anfang November lag bei den großen Indizes schon eine Bodenbildung in der Luft – doch dann kam es zu einem erneuten Tauchgang des deutschen Aktienmarktes. Auch die Unterstützungszone bei 10.700 Punkten ist klar angeschlagen. Mit dem Blick auf den Chart wird weiteres Abwärtspotenzial bis auf 10.000 Punkte sichtbar.

2018 wird als sehr schwaches Börsenjahr in die Chronik des Deutschen Aktienindexes eingehen Vom Hochpunkt am 23.01.2018 bei 13.560 Punkten aus gemessen büßte der DAX bislang 2.780 Zähler ein. Das entspricht einem Kursverlust von mehr als 20 %. Seit Sommer lag dabei jedes neue Tief im Kursverlauf unter dem vorangegangenen. Und die Zwischenerholungen trugen den DAX auch nicht über die zuvor erreichten Kurshochs hinaus. Kein Zweifel – der Abwärtstrend ist noch voll intakt.

Inzwischen erreichen uns auch aus den USA erste Molltöne bei den Konjunkturindikatoren. Den größten Nachhall dürfte die dort zuletzt invertierte Zinsstruktur am Anleihemarkt entfalten: Durch die Zinsanhebungen der US‐amerikanischen Zentralbank Fed erhält der Sparer für kurzfristige Treasuries aktuell etwas mehr Rendite als für Langläufer, wie beispielsweise zehnjährige Bonds. Das normale Zinsgefüge, in dem ein Investor für langfristigere Ausleihungen ganz selbstverständlich mehr Risikoprämie verlangen wird als für kurzfristige, steht also in den USA gerade Kopf. Zu einer solchen Anomalie kam es in der Vergangenheit nur selten. Es folgte dann aber stets zumindest eine kräftige konjunkturelle Abkühlung – und in den meisten Fällen innerhalb von zwei Quartalen eine Rezession.

Fallende Kurse durch „Windowdressing“?

Die gute Nachricht ist allerdings, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird. Der DAX hat mit seinen massiven Kursverlusten schon sehr viel mögliches Ungemach bei den künftigen Unternehmensgewinnen eingepreist. Je mehr Anleger in Erwartung weiter fallender Kurse schon verkauft haben, desto weniger Druck lastet auf den Kursen. Dementgegen steht jetzt kurzfristig noch der Effekt des „Windowdressing“ bei den institutionellen Anlegern, die nicht nur Indizes oder Länder abzudecken haben, sondern noch aktiven Anlagestrategien folgen. Diese müssen zum Stichtag am 31.12. Rechenschaft über die erzielte Performance ablegen. Würden die Kurse zum Jahresende gerade steigen, so würden sie versuchen, möglichst hohe Aktienquoten auszuweisen. In Zeiten fallender Kurse schlägt dieses Pendel aber vermutlich in die andere Richtung: Besonders clever dürfte dieses Jahr derjenige dastehen, der eine hohe Cashquote ausweist. Es kann also gut sein, dass die Kurse noch bis zum Jahresende weiter bröckeln, bevor sich dann beispielsweise im Bereich der psychologisch wichtigen Marke oberhalb von 10.000 Punkten ein neuer Boden ausbildet.

Defensive Aktien wie Telekom‐, Pharmawarte und Versorger dürften dabei noch am besten wegkommen. Doch dank des Siegeszuges der Index-ETFs schwächt sich der Effekt zunehmend ab. Auch die Profis kaufen und verkaufen heutzutage lieber gleich einen ganzen Markt, anstatt mühsam einzelne Sektoren über‐ oder unterzugewichten. Im kommenden Jahr muss sich dann zeigen, in welche Richtung es weitergeht. Bei Anleiherenditen über 3 % sind Investoren zunehmend bereit, von Aktien in Anleihen umzuschichten. So weit sind wir in Europa – im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten – noch nicht. DAX‐Aktien werden aufgrund der ansehnlichen Dividenden also höchstwahrscheinlich nicht weiter ins Bodenlose fallen. Aber eine untere Trendwende sollten Anleger lieber abwarten, bevor sie die Aktienquote im Depot wieder signifikant erhöhen.

5-Jahres-Chart DAX
Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 11.12.2013 bis 11.12.2018; Stand: 12.12.2018; Quelle: comdirect.de