Technischer Analyst bei der Commerzbank und in der Vereinigung Technischer Analysten Deutschland (VTAD) mitverantwortlich für die Ausbildung Technischer Analysten, analysiert für compass online regelmäßig die Charts von wichtigen Unternehmen.

Chartanalyse von C. Geyer Archiviert: Netflix: Kommt die Erholung?

Christoph Geyer

ist Technischer Analyst bei der Commerzbank und in der Vereinigung Technischer Analysten Deutschland (VTAD) mitverantwortlich für die Ausbildung Technischer Analysten. Der Autor des Buches „Einfach richtig Geld verdienen mit Technischer Analyse“ analysiert für das comdirect Magazin regelmäßig die Charts von wichtigen Unternehmen und Währungen.

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Streaming‐Dienste haben Videotheken verdrängt. Weltmarktführer ist Netflix. Läuft es nach der jüngsten Korrektur noch rund?

„Es gibt nichts Besonderes im Fernsehen. Willst du noch mal schnell in die Videothek gehen und einen Film ausleihen?“ Wie oft diese Frage wohl in früheren Jahren in den verschiedensten Familien gestellt wurde? Sie zeigte damals eine neue Freiheit. Man konnte sich plötzlich sein Programm selbst gestalten und war nicht darauf angewiesen, was die Sender gerade anboten. Videotheken sind weitgehend vom Markt verschwunden, sie wurden durch „Streaming‐Dienste“ abgelöst. Sie bieten einen fast unerschöpflichen Fundus an neuen und alten Filmen.

Auch Netflix (WKN 552484) startete zunächst als Videothek, die mit dem Versandhandel die klassische Videothek revolutionierte. Wenig später änderte der US‐Konzern das Geschäftsmodell und bot seinen Streaming‐Dienst an. Im Juli 2016 zählte Netflix rund 47 Millionen Abonnenten allein in den USA. Das Wachstum scheint unbegrenzt und die Möglichkeiten für den Zuschauer ebenfalls. Seit Sommer 2018 läuft es offenbar aber nicht mehr ganz so rund. Zumindest deutet die Kursentwicklung auf eine gewisse Abkühlung hin.

Doch zunächst soll ein Blick auf die langfristige Entwicklung geworfen werden. Es fällt auf, dass der seit 2009 bestehende Aufwärtstrend immer wieder durch zwischenzeitliche Korrekturbewegungen unterbrochen wurde. Diese dauerten meist länger als ein Jahr. Auch wenn diese Phasen für investierte Anleger nervenaufreibend gewesen sind, boten sie doch immer wieder gute Einstiegsmöglichkeiten, sobald der Abwärtstrend gebrochen wurde. Die längste Durststrecke in den vergangenen zehn Jahren wurde von Mitte 2011 bis Ende 2012 gebildet. Im Sommer vergangenen Jahres generierte der MACD‐Indikator erneut ein Verkaufssignal und läutete damit den aktuell noch bestehenden Abwärtstrend ein.

Netflix-Chart lang

Referenzzeitraum: 10.12.2008 bis 10.12.2018; Quelle: comdirect

Im kurzfristigen Chart ist der Abwärtstrend seit Juli 2018 noch deutlicher zu erkennen. Seit Oktober hat sich dieser Trend noch einmal beschleunigt. Bei knapp unter 290 US‐Dollar verläuft eine Unterstützungslinie, die allerdings nur wenig tragfähig ist, wie sich in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Der aktuelle steile Abwärtstrend ist noch intakt, und mit der jüngsten Anstiegsbewegung konnte der Kreuzwiderstand nicht überwunden werden. Allerdings haben die Indikatoren vielversprechende Signale generiert. Der MACD‐Indikator hat ein Kaufsignal gebildet und damit das Kaufsignal vom Stochastik‐Indikator bestätigt, welcher zusätzlich eine Divergenz gebildet hat. Somit könnte sich die Lage in den kommenden Wochen durchaus aufhellen. Heute kann noch nicht gesagt werden, ob dies der Startschuss für den nächsten Aufwärtsschub sein wird. Eine Erholungsbewegung könnte gleichwohl möglich sein.

Netflix-Chart kurz

Referenzzeitraum: 10.12.2017 bis 10.12.2018; Quelle: comdirect

Aktien und Edelmetalle unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 02.01.2019; Quelle: comdirect.de