Am Gold scheiden sich die Geister. Es bringe weder Zinsen noch Dividenden, sagen die einen. Die anderen halten das Edelmetall als Absicherung in Zeiten der Finanzkrise für unverzichtbar. compass hat mit Georg Graf von Wallwitz und Max Otte zwei ausgewiesene ­Investmentexperten nach ihrer Meinung gefragt. Ein Streitgespräch.

Streitgespräch
Gold – oder nicht Gold?

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Gold (WKN 965515)

Am Gold schei­den sich die Geis­ter. Es bringe wed­er Zin­sen noch Div­i­den­den, sagen die einen. Die anderen hal­ten das Edel­met­all als Absicherung in Zeit­en der Finanzkrise für unverzicht­bar. com­pass hat mit Georg Graf von Wall­witz und Max Otte zwei aus­gewiesene ­Invest­ment­ex­perten nach ihrer Mei­n­ung gefragt. Ein Stre­it­ge­spräch.

com­pass: Früher sagte man: “Opti­mis­ten kaufen Gold, Pes­simis­ten Kon­ser­ven.” Sind die Deutschen ein Volk von Opti­mis­ten?
Max Otte: Pes­simis­ten kaufen Gold, ­Opti­mis­ten kaufen Aktien – so wird heute ein Schuh daraus. Die Deutschen sind also eher vor­sichtig, während opti­mistis­che Aus­län­der den DAX kaufen.
Georg Graf von Wall­witz: Als vor­sichtiger Investor würde ich nicht auf Gold set­zen, denn für mich ist Gold ein Speku­la­tion­sob­jekt. Es hat keinen Wert, nur einen Preis. Ob der fair ist, weiß ich nicht. Den Wert eines Unternehmens dage­gen kann ich berech­nen.

com­pass: Was spricht denn eigentlich für Gold?
Max Otte: Gold bietet Wert­er­halt. Sie haben zudem ein Asset, das außer­halb des Sys­tems liegt – auch zum Aktien­markt ist es unko­r­re­liert. Und es bringt See­len­frieden, das ist nicht zu unter­schätzen. Mit etwas Gold im Tre­sor schläft man ein­fach bess­er.
Georg Graf von Wall­witz: Über lange Zeiträume mag Gold wert­sta­bil sein – soviel ich weiß, kostete ein Her­re­nanzug mit ein­er Unze Gold vor 100 Jahren genau­so viel wie heute. Aber für uns Nor­mal­sterbliche ergibt diese Langfrist­be­tra­ch­tung wenig Sinn.

com­pass: Ist Gold für Sie ein sicher­er Hafen?
Max Otte: 100 % Sicher­heit gibt es nicht, aber Gold ist für mich das sich­er­ste Invest­ment über­haupt. Deshalb rate ich Inve­storen, 5 bis 10 % Gold ­beizu­mis­chen.
Georg Graf von Wall­witz: Da möchte ich wider­sprechen. Ich erin­nere an das Gold­ver­bot in den USA, als Eigen­tümer das Edel­met­all zu niedri­gen Preisen abgeben mussten – bei Zuwider­hand­lung dro­ht­en zehn Jahre Gefäng­nis. Mit solchen Maß­nah­men rechne ich zwar in Zukun­ft nicht. Doch schon der his­torische Kursver­lauf spricht ein­deutig gegen einen “sicheren Hafen”. Manch ein­er ver­gisst, dass Inve­storen zwis­chen 1981 und 2000 mit dem Edel­met­all rund 80 % ihrer Kaufkraft ver­loren haben. Das ist ein Zeitraum, der für Anleger real­is­tis­ch­er ist als ein ganzes Jahrhun­dert.

com­pass: Der Gold­preis ist seit seinem Hoch im August 2011 deut­lich gesunken, seit Jahres­be­ginn aber geht es wieder bergauf. Sehen Sie nun wieder Poten­zial?
Georg Graf von Wall­witz: Der Markt war vol­lkom­men über­hitzt, die Blase musste platzen. Ich denke nicht, dass wir so schnell wieder alte Höch­st­stände sehen. Vielmehr rechne ich damit, dass Gold bin­nen fünf Jahren Rich­tung 900 US-Dol­lar fällt.
Max Otte: Die Bilanzen der Noten­banken wer­den weit­er aufge­bläht, die Welt versinkt in Schulden. Wenn die Risiken wieder etwas vis­i­bler wer­den, steigt auch das Bedürf­nis nach Absicherung. Wer jet­zt ein­steigt, wird auf Sicht von zehn Jahren sich­er gut mit Gold fahren. Ich denke, dass wir die Tiefs gese­hen haben. Als Gold­mann Sachs vor Jahren mit dem Kursziel 1.050 USD her­auskam, war mir klar, dass dieses Ziel besten­falls kurz berührt wird und dass dann der Preis dreht. Genau­so ist es gekom­men. Jet­zt ist die Bahn nach oben frei.

com­pass: Deutsche haben Gold aus Angst vor ­Infla­tion gekauft. Taugt Gold als Absicherung gegen Preis­steigerun­gen?
Georg Graf von Wall­witz: Meines Eracht­ens nur bed­ingt. His­torisch betra­chtet zählte Gold in Infla­tion­sphasen mal zu den Gewin­nern, mal zu den Ver­lier­ern. Der Gold­preis ist nur mit einem all­ge­meinen Gefühl der Angst kor­re­liert, son­st mit nichts. Als Investor bin ich darauf angewiesen, dass ich jeman­den finde, der mehr für Gold zahlt als ich. In diesem Sinne ist Gold ein rein speku­la­tives Asset. Deshalb ziehe ich pro­duk­tive Assets wie Aktien vor. Gold gehört für mich nicht ins Depot, son­dern als Schmuck in den Tre­sor.

com­pass: Wären Gold­mi­ne­nak­tien oder ETCs für Sie eine Alter­na­tive?
Max Otte: Wir sind aktuell auch in Gold­mi­nen investiert, weil die Unternehmen unter­be­w­ertet sind. Genau­so kann man mit ETCs auf die Entwick­lung des Gold­preis­es spekulieren. Aber nur physis­ches Gold bietet in meinen Augen Sicher­heit.

com­pass: Deutsche gel­ten als Gold­lieb­haber und Aktien­muf­fel. Eine vernün­ftige Kom­bi­na­tion?
Max Otte: Gold bringt Absicherung, 5 bis 10 % des Ver­mö­gens in Gold zu investieren, kann sich­er nicht schaden. Bei Aktien aber sind die Deutschen zu zaghaft. Aktien brin­gen die Ren­dite – wir sind zu 95 % in Aktien investiert.
Georg Graf von Wall­witz: Was Aktien bet­rifft, stimme ich Ihnen zu, da sind viele Deutsche zu wenig investiert. Als Absicherung gegen einen Crash würde ich aber nicht auf Gold, son­dern eher auf amerikanis­che Staat­san­lei­hen set­zen. Die brin­gen zwar keine Ren­dite, aber sie sind jed­erzeit liq­uide. Und falls es richtig kracht, würde ich mich mit Wald- oder Landbe­sitz sicher­er fühlen. Gold ist schön anzuse­hen, aber man kann es eben nicht essen.

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