USA

US-Aktien Wird die Luft dünn?

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Täglich neue Über­raschun­gen aus dem Weißen Haus stop­pen die Börsen nicht. Ob das so bleibt?

Die ersten Geset­zesini­tia­tiv­en waren Flops: Das Ein­rei­se­ver­bot für Bürg­er aus zunächst sieben und im zweit­en Anlauf aus sechs über­wiegend mus­lim­isch dominierten Staat­en wurde von den Gericht­en gestoppt. Und die von Don­ald Trump vorgelegten Pläne zur Gesund­heit­sre­form kon­nten nicht ein­mal die repub­likanis­che Mehrheit im Kongress überzeu­gen. Die Anleger hat das Scheit­ern weit­ge­hend kalt gelassen. Seit der Präsi­den­ten­wahl hat der Dow Jones mehr als 2.500 Punk­te gut gemacht; die Tech­nolo­giebörse Nas­daq zog um knapp 15 % an.

969420 — Dow Jones

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969427 — Nasdaq

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Bleibt da noch Luft nach oben? Dafür sprechen nach Ein­schätzung von Ulrich Stephan, Chef-Anlages­tratege der Deutschen Bank, neben den pos­i­tiv­en Unternehmensergeb­nis­sen in der abge­laufe­nen Berichts­sai­son vor allem die US-Ver­brauch­er: „Sie haben im aktuellen Auf­schwung noch etwas nachzu­holen.“ Auch Michael Reuss, Chef der Huber, Reuss & Kol­le­gen Ver­mö­gensver­wal­tung in München, erwartet ein gutes erstes Hal­b­jahr für US-Inve­storen. „Der Immo­bilien­markt wächst, die Arbeit­slosigkeit ist niedrig und der Kon­sum ist dank gestiegen­er Löhne robust“, so der Münch­n­er Ver­mö­gensver­wal­ter. „Zudem sind US-Unternehmen im Tech­nolo­gie-Sek­tor weltweit führend, und in den Zukun­fts­feldern wie Dig­i­tal­isierung oder Biotech wird das stärk­ste Wach­s­tum gener­iert.“

Steuerreform stimmt optimistisch

Trump kön­nte zusät­zlich Rück­en­wind brin­gen. Senkung der Unternehmenss­teuern auf 20 %, Steuer­be­freiung für Exporterträge, Dereg­ulierung im Finanz- und Energiesek­tor sowie staatliche Aus­gaben­pro­gramme: „Set­zt Trump seine Vorhaben um, kurbelt das die US-Wirtschaft an und verbessert die Gewin­naus­sicht­en der Unternehmen“, so Reuss. Nach Ein­schätzung von John Bail­er, Fonds­man­ag­er bei The Boston Com­pa­ny Asset Man­age­ment (TBCAM), dürfte allein die Reform der Unternehmens­besteuerung die Gewinne pro Aktie im S&P 500-Index bis 2018 um 7 % nach oben treiben. „Dies hat für 2018 ein attrak­tives Kurs-/Gewin­nver­hält­nis (KGV) von 15 zur Folge, das wir angesichts des aktuellen Zin­sniveaus für sehr ordentlich hal­ten.“

Darüber hin­aus will Don­ald Trump den Unternehmen die Rück­führung der im Aus­land gehal­te­nen Gewinne mit reduzierten Steuer­sätzen zwis­chen 10 % und 15 % schmack­haft machen. Mit dem Geld kön­nten die US-Unternehmen nicht nur Über­nah­men finanzieren, son­dern auch ihre Auss­chüt­tun­gen erhöhen oder eigene Aktien zurück­kaufen. Bere­its 2016 haben die im S&P 500 gebün­del­ten Unternehmen 600 Mil­liar­den US-Dol­lar für den Rück­kauf eigen­er Aktien aus­gegeben. Das hat für Aktionäre die pos­i­tive Wirkung, dass der Gewinn je Aktie dann steigt.

Risiken im Blick

Bernd Floth­mann, Direk­tor Asset-Man­age­ment bei der I.C.M. Inde­pen­dent Cap­i­tal Man­age­ment Ver­mö­gens­ber­atung, traut dem Opti­mis­mus nicht, den die Börsen ver­sprühen. Niedrigzin­sen und die weltweit hohe Ver­schul­dung sind für ihn ein Kern­prob­lem. „Bish­er gibt es dazu keine vernün­ftige und nach­haltige Lösung, und die Märk­te leben zu einem großen Teil davon, dass die Noten­banken Geld druck­en“, so Floth­mann. Sollte es nach Brex­it und einem Pro­tek­tion­is­mus seit­ens der USA noch zu weit­eren Aus­tritts­be­stre­bun­gen in Europa kom­men, werde es nach sein­er Ein­schätzung schw­er wer­den, die Aktien­märk­te auf dem jet­zi­gen Niveau zu hal­ten. „Trump und die anste­hen­den Wahlen kön­nten in diesem Umfeld als Brandbeschle­u­niger wirken“, so seine Befürch­tung.

Anlegern emp­fiehlt er, sich defen­siv aufzustellen. Neben ein­er Aktien­quote von 30 % – bre­it gestreut – rät er, 15 % Edel­met­alle (Gold, Sil­ber und Platin) sowie 10 % infla­tion­s­geschützte Bun­de­san­lei­hen beizu­mis­chen und auch über Währun­gen (ca. 20 %) zu diver­si­fizieren. „Rohstoff-Währun­gen wie der Aus­tralis­che Dol­lar, der Kanadis­che Dol­lar oder die Nor­wegis­che Kro­ne sor­gen für Sta­bil­ität und reduzieren die Abhängigkeit von der Ein­heitswährung.“ Anleger, die in den ver­gan­genen Jahren bere­its gute Aktiengewinne ange­sam­melt haben, soll­ten darüber nach­denken, Posi­tio­nen abzu­sich­ern oder Teil­gewinne mitzunehmen, so der Ver­mö­gensver­wal­ter. Sein Rat: 15 % bis 25 % Liq­uid­ität hal­ten. „Damit bleibt man flex­i­bel und kann nach möglichen Kor­rek­turen gün­stig einkaufen”, sagt Floth­mann.

Thomas Grün­er, Chief Invest­ment Offi­cer von Grün­er Fish­er Invest­ments, kann die grassierende Trump-Panik nicht nachvol­lziehen. „Ein medi­ales Ereig­nis, von dem man sich als Investor nicht bee­in­flussen lassen sollte“, so der Ver­mö­gensver­wal­ter. Für ihn zählt: Die Weltwirtschaft wächst, Ökonomen des IWF erwarten für dieses und kom­mendes Jahr ein Plus von 3,4 % bzw. 3,6 %. Und die Unternehmen sitzen auf vollen Kassen – Apple etwa hat 230 Mil­liar­den US-Dol­lar auf der hohen Kante, Microsoft mehr als 100 Mil­liar­den. „Dank hoher Mar­gen und stark­er Kun­den­bindun­gen sind das wahre Cash-Maschi­nen.“

Schlechte Stimmung als Kaufsignal

Ein wichtiger Indika­tor ist für ihn das Sen­ti­ment. Wahlen in Europa, Unsicher­heit bezüglich der Poli­tik der neuen US-Regierung: „Die Stim­mung ist aktuell sehr neg­a­tiv“, so Grün­er, der das als Kaufsig­nal inter­pretiert. „Wenn sich alle Sor­gen machen, sind die Risiken eingepreist.“ Grün­er emp­fiehlt, gut zu diver­si­fizieren – zum Beispiel per ETF auf den MSCI World. Nicht nur in den USA, son­dern auch in Europa sieht er Chan­cen. „Die europäis­chen Börsen hän­gen den US-Börsen seit Jahren hin­ter­her – trotz guter Zahlen und attrak­tiv­er Div­i­den­den.“ Deutsch­land attestiert er ein ähn­lich­es Mod­ell wie Apple: hohe Qual­ität, gute Kun­den­bindung und attrak­tive Mar­gen. „Solange die Weltkon­junk­tur läuft, macht das immun gegen Krisen.“

Aktien unter­liegen Kurss­chwankun­gen, damit sind Kursver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Die Beschrei­bung stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung dar. Es han­delt sich um die Angabe der Brut­tow­er­ten­twick­lung (siehe typ­isierende Mod­ell­rech­nung im Impres­sum). Die Darstel­lung gibt nicht die Mei­n­ung der comdi­rect wieder. Sie dient auss­chließlich der Infor­ma­tion und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 12.04.2017, Quelle: comdirect.de