Special zur US-Wahl: Clinton gewinnt die US-Präsidentschaftswahl

Special zur US-Wahl USA im Trump-Fieber

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Partylaune auf dem US‐Parkett. Wohin aber wird der zukünftige US‐Präsident Donald Trump die wichtigste Volkswirtschaft der Welt in den kommenden vier Jahren steuern? 

Wie war das noch vor der US‐Wahl? Kaum hatte Donald Trump, der Kandidat der Republikaner, in Umfragen ein wenig aufgeholt, überwog Pessimismus an den Börsen. Nach seiner Wahl aber scheint jeder Pessimismus verflogen. Ob Dow‐Jones oder Nasdaq: Die US‐Indizes ziehen munter nach oben.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Anlagen außerhalb des Euro‐Raumes unterliegen Währungsschwankunen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Typisierende Modellrechnung“ im Impressum). Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 14.12.2011 bis 14.12.2016, Stand: 14.12.2016; Quelle: comdirect.de

Dabei ist die Unsicherheit über die Marschrichtung der zukünftigen US‐Regierung längst nicht verflogen. Im Gegenteil: Donald Trump, der die erforderlichen Stimmen der Wahlmänner erhielt und am 20. Januar zum Präsidenten gekürt werden wird, sorgt nahezu täglich für neue Überraschungen. Per Twitter steuert er Politik und bewegt die Kurse – ein Tweet zur Präsidentenmaschine Air Force One etwa hat die Aktie von Boeing auf Talfahrt geschickt. Aber auch seine Personalentscheidungen werfen Fragen auf. Nach der Ernennung des rechtskonservativen Steve Bannon zum Chefstrategen und führendem Berater im Weißen Haus sorgte Trump vor allem mit der Ernennung des zukünftigen Außenministers für Aufsehen: Mit Rex Tillerson, dem Chef des US‐Energiekonzerns ExxonMobil, befördert er einen politisch unerfahrenen Kandidaten in das wichtige Amt. Tillerson unterhält gute Kontakte nach Moskau und steht programmatisch für eine Annäherung an Russland – Wladimir Putin hatte ihn 2014 gar mit einer Freundschaftsmedaille geehrt.

Inzwischen sind die meisten Posten – größtenteils an männliche und weiße Kandidaten – vergeben. Trump, der dem Establishment im Wahlkampf den Kampf angesagt hatte, präsentiert nun das reichste Kabinett in der Geschichte der USA. Mehr als 14 Milliarden US‐Dollar haben die Regierungsmitglieder auf der hohen Kante, sie verdienten ihr Vermögen als Unternehmer oder auch in der Finanzindustrie wie beispielsweise bei der Investmentbank Goldman Sachs.

Wohin aber steuert die neue US‐Regierung unter ihrem Präsidenten Donald Trump die wichtigste Volkswirtschaft der Welt? Im Wahlkampf hatte sich der Immobilienmogul mit extremen Positionen auf Stimmenfang gemacht. Setzt er sie durch – oder wird am Ende doch alles weniger heiß gegessen als gekocht?

Erste Rückzieher

Von ersten Wahlkampfversprechen hat Trump, der sein Amt am 20. Januar antreten wird, bereits Abstand genommen. So stand die Abschaffung der Gesundheitsreform von Barack Obama, die sogenannte Obamacare, ganz oben auf seiner Agenda. Inzwischen aber ließ er verlauten, dass er Teile erhalten wolle – wie die kostenfreie Mitversicherung von Kindern bis 26 bei ihren Eltern oder das Verbot, Bürgern den Zugang zum Versicherungsschutz aufgrund von Vorerkrankungen zu verweigern. „Das wird teuer, aber das ist wirklich etwas, das wir erhalten wollen“, erklärte Trump nach seinem ersten Treffen mit Noch‐Präsident Barack Obama im Weißen Haus.

Rückzieher machte das zukünftige Staatsoberhaupt auch bei der Ankündigung, die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare zu verbieten – sie bleibt nun doch erlaubt. Auch bei seinen Plänen, mehr als 11 Millionen illegale Einwanderer des Landes zu verweisen, ruderte Trump zurück. Zwei bis drei Millionen Illegale, „die kriminell sind oder Vorstrafen haben“ wolle er „aus unserem Land schaffen oder einkerkern“, so Trump in ersten Stellungnahmen. Bei einem seiner zentralen Wahlkampfversprechen, dem Mauerbau entlang der mexikanischen Grenze, hält er am Grobkonzept fest. Zwar könne in einigen Gebieten auch ein Zaun genügen, aber die Marschroute steht: Illegale Einwanderung aus Mexiko soll unmöglich gemacht werden.

America first

Per Videobotschaft machte Trump dagegen klar, dass er seinen Wahlslogan „America first“ mit Inhalten füllen wird. So kündigte er für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit an, aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP auszusteigen, das die USA, Japan, Australien, Brunei, Kanada, Chile, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam umfasst. Zusammen stehen diese Länder für rund 40 % der weltweiten Wirtschaftsleistung. Noch nicht einmal im Amt, verkündete Trump – via Twitter – bereits erste „Erfolge“ seines Protektionismus: Der US‐Autobauer Ford stoppte den Bau einer Autofabrik in Mexiko und verkündete, 700 Millionen US‐Dollar in das Werk in Michigan zu investieren. Der Opel‐Mutter General Motors drohte Trump bereits Strafzölle an, sollte der Konzern in Mexiko produzierte PKW in die USA importieren. Um die Industrie im eigenen Land zu stärken, will er zudem Regulierungen rückgängig machen – zum Beispiel für die Finanzindustrie oder die Energiebranche. Klimaschädliche Kohle‐Energie sowie das umstrittene Fracking würden nach Trumps Aussagen Millionen gut bezahlter Arbeitsplätze bringen. Auch die geplanten Investitionen in Infrastruktur kommen einem Konjunkturprogramm gleich.

Trump steht vor der Herausforderung, das tief gespaltene Land zu einen. Er muss also Zugeständnisse an seine Gegner machen, ohne die eigenen Anhänger aufgrund einer zu moderaten Gangart zu verärgern. Seine Personalentscheidungen zeigen die strategische Ausrichtung. So hat Trump als Gegengewicht zu Bannon mit dem republikanischen Parteivorsitzenden Reince Priebus einen verbindlichen Pragmatiker zu seinem Stabschef ernannt, dem das Zeug nachgesagt wird, auch die Gegner innerhalb der eigenen Partei auf Linie zu bringen. Die Nominierung der Unternehmerin und Philanthropin Betsy DeVos zur Bildungsministerin dagegen könnte helfen, die Gegner des wortgewaltigen und wenig diplomatisch agierenden Trumps an Bord zu holen. Am Ende aber macht Trump – erneut über Twitter — bereits vor Amtsantritt klar, wer das Sagen hat: 140 Zeichen genügten, um die Mitglieder im Repräsentantenhaus auf Linie zu bringen, die ursprünglich für eine Abschaffung einer Ethikkommission votierten. Nach dem Twitter‐Rüffel ihres zukünftigen Präsidenten wurden die Pläne fallen gelassen.

Risiken für die US‐Konjunktur

Kernstück von Trumps Wahlprogramm war eine drastische Senkung der Einkommen‐ und Unternehmensteuer. Ob er sie auch durchsetzen will und kann? Ungewiss! „Für bare Münze genommen wären die Pläne von Trump ein riesiger fiskalischer Impuls, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die USA bereits nahe der Vollbeschäftigung bewegen“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chief‐Investment‐Officer der Deutsche Asset Management. Ökonomen befürchten steigende Inflationsrisiken. Massive Verkäufe US‐amerikanischer und europäischer Staatsanleihen ließen die Renditen am Anleihemarkt steigen.

Auswirkungen auf Deutschland und Europa

Risiken – nicht nur für die US‐Wirtschaft – dürften sich aus dem von Trump angekündigten Protektionismus ergeben. Die Handelsbeziehungen zu Mexiko und China, den wichtigsten Handelspartnern der USA nach Kanada, stehen vor einer Neuordnung. Eine mögliche Abschottung könnte auch den Handel mit Europa belasten. Macht er ernst, dürfte das vor allem die deutsche Export‐Industrie belasten. Mit Ausfuhren im Wert von knapp 114 Milliarden Euro waren die USA im vergangenen Jahr wichtigster Abnehmer deutscher Exporte – noch vor Frankreich und Großbritannien. „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß”, sagte ifo‐Präsident Clemens Fuest. Deutsche Wirtschaftsverbände reagierten auf den Wahlsieg Trumps besorgt. „Wir können nur hoffen, dass er (Trump) seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt“, sagt etwa Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands der Maschinenbauer VDMA. Falls doch, wären deutsche Unternehmen im Vorteil, die in den USA eigene Produktionsstätten haben und dort Hunderttausende von Arbeitskräften beschäftigten, so Tim Albrecht, Manager des Fonds DWS Deutschland (WKN 849096). Auf der anderen Seite könnten europäische Exporteure von der Dollarstärke profitieren, die Exporte aus dem Euroraum günstiger machten. Albrecht rät Anlegern, „gelassen abzuwarten, welche Nettoeffekte sich aus der US‐Wahl ergeben.“

Machtbefugnisse US‐Präsident/Bundeskanzlerin

 US‐PräsidentDeutscher Bundeskanzler
Staatsoberhaupt?janein (Bundespräsident)
Oberbefehlshaber Streitkräfte?jajein – nur im Verteidigungsfall
Ernennung Verfassungsrichter?ja (Senat muss zustimmen)nein (Bundestag/Bundesrat)
Initiativrecht Gesetzgebung?neinja (als Mitglied der Bundesregierung)
Vetorecht Gesetzgebung?janein
Richtlinienkompetenz?jaja
Erlass von Verfügungen?janein
Amtszeit begrenzt?ja (2 x 4 Jahre)nein
Absetzbar?ja, Impeachment bei Machtmissbrauchja (konstruktives Misstrauensvotum)
Parlament auflösen?neinja (Vertrauensfrage*)
Vize Nachfolger bei Todjanein

*Das Recht zur Auflösung des Parlaments erlischt, sobald der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder eine/n andere/n Bundeskanzler/in wählt. Zwischen dem Antrag und der Abstimmung müssen 48 Stunden liegen.

Die Investoren haben aktuell weniger die Risiken, denn die Chancen im Blick, die sich nach dem Regierungswechsel ergeben könnten. Geplante Steuersenkungen, geplante hohe Investitionen in Infrastruktur und der bereits angekündigte Abbau der Regulierungen etwa in der Finanz‐, Ernergie‐ oder Pharmabranche mag nicht jeder goutieren. Der Konjunktur aber könnten die Maßnahmen Schwung verleihen.

Was der Wahlausgang für Investoren bedeutet, lesen Sie hier.

Aktienfonds unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Investitionen außerhalb des Euroraums unterliegen Währungsschwankungen. Die Beschreibung stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Aktienfonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres‐ und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar; Stand: 11.01.2017, Quelle: comdirect.de