Tourismus_vom Reiseboom profitieren

Tourismus Vom Reiseboom profitieren

Die Reiselust ist ungebremst – nicht nur in Deutschland. Anleger können daran verdienen.

Die Chinesen waren 2017 erstmals Reiseweltmeister, wenn es nach der Zahl der Auslandsreisen geht. Es folgten die US-Amerikaner und auf Platz drei die deutschen Urlauber. Eine beeindruckende Leistung unserer Mitbürger, denn mit Blick auf die Bevölkerungsanzahl sind uns China und die USA klar überlegen. Und trotzdem reicht es zum Bronze-Rang. Dies geht aus dem 30. World Travel Monitor des Marktforschungsunternehmens IPK International hervor, der kürzlich veröffentlicht wurde. Weitaus wichtiger als die Titeljagd ist allerdings die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Reisebranche. „Weltweit jeder zehnte Arbeitsplatz steht in direkter Verbindung zur Reise- und Touristikindustrie“, sagt Christian Göke, CEO der Messe Berlin, dem Ausrichter der weltgrößten Tourismusmesse ITB. „10 % des weltweiten Bruttosozialproduktes werden direkt von dieser Industrie generiert.“

Laut IKP International ist die Zahl der Auslandsreisen im vergangenen Jahr um mehr als 6 % gestiegen, während das globale Bruttoinlandsprodukt nur ein Plus von 3 % erreichte. Und die Aussichten sind gut. Bisher hat beispielsweise nur ein Bruchteil der Chinesen überhaupt einen Reisepass, ohne den gar keine Auslandsreise möglich ist. Das dürfte sich ändern – und der Reisebranche weiteren Schwung verschaffen.

Der Kreuzfahrt-Gigant

Urlaubsschwergewichte wie die amerikanisch-britische Carnival Corporation (WKN 120100), der Marktführer für Kreuzfahrten, haben den chinesischen Markt bereits ins Visier genommen und dort neue Kooperationen zum Bau von Schiffen vereinbart. Zudem ist bereits das erste speziell für den chinesischen Markt gebaute Schiff vor Ort im Einsatz. So geht Carnival-Vorstandschef Arnold Donald sogar davon aus, dass China eines Tages der größte Kreuzfahrtmarkt der Welt sein wird. Noch sind aber der amerikanische und auch der europäische Markt (u. a. AIDA und Costa) für die Gewinne wichtiger. Insgesamt gehören 102 Schiffe zur Gruppe, die mehr als 700 Häfen rund um die Welt ansteuern, Tendenz steigend. „Die Carnival-Aktie ist daher wohl nicht nur für Freunde von Kreuzfahrten ein interessanter Wert“, sagt Christoph Frank, geschäftsführender Gesellschafter beim Fondsberater pfp Advisory in Frankfurt.

Der deutsche Champion

Auch die deutsche TUI (WKN TUAG00) setzt mit „Mein Schiff“ auf Kreuzfahrten. Zudem profitiert der Konzern von der pauschalen Urlaubslust der Deutschen. Eine Erhebung der GfK-Konsumforscher zeigt den Erfolg: So stieg der Buchungsumsatz bis Ende April um insgesamt 15 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im April verzeichneten klassische Reisebüros, Online-Portale der Veranstalter sowie offene Internet-Portale mit Pauschalreiseschwerpunkt ein Plus von 21 %. Damit waren bis Ende April bereits drei Viertel des Vorjahresvolumens gebucht, teilte die GfK mit. Auch Investoren haben TUI im Visier. „Das Papier bringt eine Dividendenrendite von über 4 %, womit auch Dividendenjäger ein Auge auf das Papier werfen können“, sagt Christoph Frank.

Der fusionierte Freizeit-Experte

Eine große Rolle im deutschen Reisegeschäft spielt auch die britische Thomas Cook Group (WKN A0MR3W) mit Töchtern wie Condor, Neckermann Reisen, Airtours und der Namensgeber-Marke Thomas Cook. Der Konzern, der vor rund elf Jahren aus der Fusion der deutschen Thomas Cook AG mit der MyTravel Group plc entstand, ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Anbieter von Freizeitreisen. Nach der Finanzkrise war der Konzern ins Strudeln gekommen, hat sich aber nach zahlreichen Umstrukturierungen wieder erholt. Für 2018 stehen die Zeichen auf Wachstum. In den ersten Monaten des Jahres (bis Mitte Mai) wurden 3 % mehr Sommer-Pauschalreisen gebucht als im Vorjahreszeitraum.

20 in einem Index

Wer Einzelwertrisiken vermeiden möchte, kann eine Paketlösung wählen. Für Aktienanleger bietet ComStage einen ETF auf den STOXX Europe 600 Travel & Leisure-Index (WKN ETF078). Das Auswahlbarometer deckt mit aktuell 20 Werten die Touristikindustrie Europas breit gestreut ab. Die Dividenden werden an die Anteilseigner ausgeschüttet. Größte Positionen im Index sind derzeit zwei Briten: die Catering- und Facility-Management-Gesellschaft Compass Group (WKN A2DR6K) und die Hotelgruppe Intercontinental Hotels (WKN A2DPZX). Es folgen bekannte Namen wie Carnival, die französische Hotelkette Accor (WKN 860206) , der irische Billigflieger Ryanair (WKN A1401Z), sowie die deutsche TUI. Neben dem klassischen Aktienrisiko besteht hier ein zusätzliches Währungsrisiko. Der Index wird zwar in Euro berechnet, doch die Kurse der britischen Aktien können durch ein schwaches Pfund belastet werden.

Aktien und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs eines Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in englischer und/oder deutscher Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben”) Stand: 29.08.2018; Quelle: comdirect.de