ThyssenKrupp: Neue Strategie

ThyssenKrupp Neue Strategie

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Nach der Absage der Stahlfu­sion mit Tata sucht der Essen­er Konz­ern neue Wege. Die Gewinn­zahlen fall­en aktuell allerd­ings ent­täuschend aus.

ThyssenK­rupp hat die Fusion der europäis­chen Stahlak­tiv­itäten mit der indis­chen Tata Steel abge­sagt und bleibt eine Indus­triehold­ing. Die Umsätze und Auf­trag­se­ingänge zogen im ersten Hal­b­jahr des gebroch­enen Geschäft­s­jahres 2018/2019 (zum 31. März) an. Beson­ders pos­i­tiv entwick­elte sich der Bere­ich Aufzüge, der an die Börse gebracht wer­den soll. Die Ana­lysten schätzen das Unternehmen trotz der schwieri­gen ver­gan­genen Jahre noch ver­hal­ten pos­i­tiv ein. Allerd­ings gin­gen die Gewinnkennz­if­fern im ersten Hal­b­jahr deut­lich zurück und Thyssen prog­nos­tiziert einen neg­a­tiv­en Gesamtüber­schuss. Die strate­gisch wichti­gen Bere­iche Kom­po­nen­ten und Mate­ri­al­han­del entwick­el­ten sich ent­täuschend. Han­delsstre­it­igkeit­en kön­nen ins­beson­dere das Stahlgeschäft beein­trächti­gen. Die Div­i­den­den­ren­dite ist ger­ing und die Aktie recht hoch bew­ertet.

ThyssenK­rupp (WKN 750000)

Umbau für mehr Prof­itabil­ität: Die ThyssenK­rupp AG ist als Indus­triekonz­ern mit den Schw­er­punk­ten Stahl, Indus­triegüter, Dien­stleis­tun­gen und Aufzü­gen weltweit aktiv. Die geplante Fusion der Stahlsparte mit dem Konkur­renten Tata wurde im Früh­jahr abge­sagt. Jet­zt soll eine neue, schlanke Hold­ingstruk­tur den Konz­ern langfristig schlagkräftig und prof­ita­bel machen.

Pos­i­tive Umsatzen­twick­lung: Der Umsatz von Thyssen ist in den ersten neun Monat­en des gebroch­enen Geschäft­s­jahres 2018/2019 (zum 30. Juni) um 1,3 % auf 31,2 Mil­liar­den Euro gestiegen. Dazu tru­gen alle Geschäfts­felder bis auf Mate­ri­als Ser­vices und Steel Europe bei, vor allem das Aufzugs­geschäft in den USA und Europa. Der Auf­trag­sein­gang verbesserte sich knapp um 2 % auf 20,5 Mil­liar­den Euro.

Attrak­tive Aufzugss­parte: Die Aufzugss­parte gilt als Per­le des Konz­erns und ist regelmäßig Gegen­stand von Über­nah­megerücht­en. Thyssen kön­nte nach Schätzun­gen für die Aufzüge bis zu 15 Mil­liar­den Euro erlösen – rund das Dop­pelte des aktuellen Börsen­wertes des Gesamtkonz­erns. ThyssenK­rupp selb­st favorisiert im Zuge der Neuaus­rich­tung einen Börsen­gang des Aufzuggeschäfts.

Ana­lysten eher pos­i­tiv: Experten sehen ThyssenK­rupp zurzeit wieder annäh­ernd pos­i­tiv. Sie set­zen nach dem Rück­tritt des Vor­stand­schefs auf einen beschle­u­nigten Konz­er­num­bau. Bei sechs Kaufempfehlun­gen votieren acht Ana­lysten für „Hal­ten“, ein einziger emp­fiehlt den „Verkauf“. Der comdi­rect Ana­lysten­score liegt damit bei 33 % – angesichts der schwieri­gen Lage dur­chaus noch ordentlich.

ThyssenK­rupp (WKN 750000)

Ver­luste in Sicht: Das bere­inigte EBIT ist in den ersten neun Monat­en des gebroch­enen Geschäft­s­jahres 2018/2019 von 1274 Mil­lio­nen Euro auf 683 Mil­lio­nen Euro gesunken. Das Ergeb­nis nach Steuern lag bei minus 170 Mil­lio­nen Euro. Auch für das gesamte Geschäft­s­jahr dürfte ThyssenK­rupp rote Zahlen schreiben.

Kernseg­mente schwach: Werk­stoffhan­del und Kom­po­nen­ten sind im Zuge der strate­gis­chen Neuaus­rich­tung als Kerngeschäfte geplant. Sie lit­ten zulet­zt unter der schwäch­er wer­den­den Weltkon­junk­tur. So sank der Umsatz im Mate­ri­al­han­del in den ersten neun Monat­en des Geschäft­s­jahres 2018/2019 um mehr als 400 Mil­lio­nen Euro auf 10,6 Mil­liar­den Euro. Ver­ant­wortlich dafür war der zunehmende Mar­gen­druck.

Sor­gen um den Han­delsstre­it: Die inter­na­tionalen Han­delsstre­it­igkeit­en beein­trächti­gen das glob­ale Geschäft von ThyssenK­rupp. Ein­fuhrzölle und Wach­s­tumss­chwäche wirken sich vor allem stark auf das Stahlgeschäft aus, das nach der Absage der Tata-Fusion wieder kom­plett im Essen­er Konz­ern ver­bucht wer­den wird.

Hohe Bew­er­tung: Gemessen an den oper­a­tiv­en Schwierigkeit­en der jün­geren Ver­gan­gen­heit ist die Thyssen-Aktie mit einem KGV 2019 von fast 80 sehr ambi­tion­iert bew­ertet. Zulet­zt wur­den vier­mal in Folge 15 Cent pro Aktie aus­geschüt­tet. Die Div­i­den­den­ren­dite stieg dabei zwar über knapp 1,5 %. Grund dafür war aber die nachgebende Kursen­twick­lung.

Aktien unter­liegen Kurss­chwankun­gen; damit sind Kursver­luste möglich. Bei Wert­pa­pieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Die Auswahl der Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente dient auss­chließlich Infor­ma­tion­szweck­en und stellt kein Ange­bot, keine Auf­forderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzin­stru­menten dar. Sie soll lediglich Ihre selb­st­ständi­ge Anlageentschei­dung erle­ichtern und erset­zt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Der comdi­rect Ana­lysten­score berech­net sich aus der Gesamtzahl der Ana­lysten, die diese Aktie bew­erten. Die neg­a­tiv­en Ein­schätzun­gen (Verkaufen) wer­den von den pos­i­tiv­en (Kaufen) sub­trahiert, und das Ergeb­nis wird durch die Gesamtzahl aller Ein­schätzun­gen (Kaufen, Hal­ten, Verkaufen) divi­diert. Diese Zahl wird mit 100 mul­ti­pliziert, um den Prozen­twert darzustellen. Die hier dargestell­ten Infor­ma­tio­nen und Wer­tun­gen genü­gen nicht den geset­zlichen Anforderun­gen zur Gewährleis­tung der Unvor­ein­genom­men­heit ein­er Anlageempfehlung oder Anlages­trate­gieempfehlung. Die Darstel­lung gibt nicht die Mei­n­ung von comdi­rect wieder. Darüber hin­aus unter­liegen die dargestell­ten Wert­pa­piere und son­sti­gen Finanzin­stru­mente keinem Ver­bot des Han­dels vor der Veröf­fentlichung von Anlage- oder Anlages­trate­gieempfehlun­gen. Stand: 21.08.2019; Quelle: comdirect.de