Technologie
Geht den Highflyern die Luft aus?

Tech-Werte gehören seit Jahren zu Anlegers Lieblin­gen. Dro­hen Kor­rek­turen oder bietet der Sek­tor weit­er Poten­zial?

Der Aprilscherz kam zur Unzeit. Als Elon Musk, Chef des E-Auto­mo­bil­pi­oniers Tes­la, am 1. April verkün­dete, dass das Unternehmen Zahlungss­chwierigkeit­en habe, war Inve­storen nicht zum Lachen zumute. Pro­duk­tion­sen­g­pässe, steigende Ver­luste: Tes­la, einst Syn­onym für die Kraft der tech­nol­o­gis­chen Dis­rup­tion, kon­nte die eige­nen Prog­nosen auch im ersten Quar­tal des laufend­en Jahres nicht erfüllen. Auch andere Pro­tag­o­nis­ten der Tech-Welle sind ins Visi­er der Anleger gerückt. Snap etwa, die Mut­ter des Foto-App-Anbi­eters Snapchat, startete mit hohen Ver­lus­ten ins Jahr und blieb in den ersten drei Monat­en weit hin­ter den Erwartun­gen der Ana­lysten zurück. Einen Dämpfer musste auch der Stream­ing-Anbi­eter Net­flix nach Bekan­nt­gabe der Zahlen zum 2. Quar­tal verkraften. Zu hohe Erwartun­gen, zu viel Hype: Erin­nerun­gen an die Jahrtausendwende wur­den geweckt. Geht dem Tech­nolo­gie-Sek­tor nach Jahren des Höhen­flugs die Luft aus?

Technologische Revolution steht erst bevor

Auswüchse gebe es dur­chaus, aber grund­sät­zliche Ähn­lichkeit­en zur Dot­com-Blase der Jahrtausendwende sieht Andreas Dagasan, Man­ag­er des Bantleon Select Glob­al Tech­nol­o­gy Fund (WKN A2DRNS), im bre­it­en Tech­nolo­giesek­tor nicht: „Damals waren die Bew­er­tun­gen ins­ge­samt absurd hoch, weil die Unternehmen gar keine Gewinne erzielt haben und auch nicht erzie­len kon­nten. Denn die Geschäftsmod­elle erforderten Rah­menbe­din­gun­gen wie schnelles Inter­net, die es noch gar nicht gab“, erk­lärt Dagasan. Heute sieht das für den High­tech-Experten ganz anders aus.

Ob Rechen- und Spe­icherka­paz­itäten, Big Data und kün­stliche Intel­li­genz, Sen­sorik, Robotik und Fer­ti­gung­stech­nolo­gien: Die Quer­schnitt­tech­nolo­gien sind zunehmend aus­gereift, und die Fäden laufen zusam­men. „Wir wer­den in den kom­menden zehn bis 15 Jahren eine tech­nol­o­gis­che Rev­o­lu­tion erleben“, ist der Fonds­man­ag­er überzeugt. Die erste Dis­rup­tion­sphase, so seine Ein­schätzung, habe sich mit Face­book, Apple oder Net­flix vornehm­lich auf den Kon­sumenten­bere­ich bezo­gen.

Technologiesektor wächst rasend schnell

Die zweite Dis­rup­tion­sphase dage­gen werde alle Sek­toren der Wirtschaft tre­f­fen. In den Fab­riken ver­schmelzen kün­ftig Zulief­er­er, Pro­duzen­ten und Spedi­teure zu ein­er Ein­heit; in den Kranken­häusern ste­hen Robot­er am OP-Tisch, und auf den Straßen sor­gen Elek­troau­tos und Sen­sortech­nik für Mobil­ität. „Der Tech­nolo­gie-Sek­tor wird deut­lich schneller als der Gesamt­markt wach­sen“, ist Dagasan überzeugt. Die Dig­i­tal­isierung der Indus­trie entwick­elt sich zu einem Mil­liar­den­markt. Unternehmen wollen laut ein­er Umfrage der Unternehmens­ber­atung PWC unter weltweit 2.000 Fir­men wesentlich mehr Geld in die Dig­i­tal­isierung steck­en – der Dig­i­tal­isierungs­grad soll bis zum Jahr 2020 von aktuell 33 % auf 72 % steigen. 5 % des Umsatzes wollen die befragten Unternehmen im Schnitt in die Dig­i­tal­isierung investieren – unter dem Strich ein Investi­tionspoten­zial von 907 Mil­liar­den US-Dol­lar.

Digitalisierung als Schlüssel zum Erfolg

Dig­i­tize or die – Unternehmen, die die Dig­i­tal­isierung ver­schlafen, wer­den langfristig nicht beste­hen kön­nen“, sagt Baki Irmak, Mitini­tia­tor und Berater des erst im März aufgelegten The Dig­i­tal Leader Fund (WKN A2H7N2). Seine Überzeu­gung: „Prof­ita­bles und nach­haltiges Wach­s­tum wird zukün­ftig auss­chließlich von den dig­i­tal führen­den Unternehmen erzielt.“ Dabei hat das Man­age­ment drei Arten von Unternehmen im Fokus: Dig­i­tal Trans­for­ma­tion Lead­ers, also tra­di­tionelle Unternehmen, die einen sehr hohen dig­i­tal­en Reife­grad erre­icht haben und dabei sind, sich von ihrer Konkur­renz abzuset­zen und ihre Branche zu dominieren. Dazu zählt aktuell etwa die chi­ne­sis­che Ping An Insur­ance (WKN A0M4YR), ein Ver­sicherungskonz­ern, der Online-Por­tale betreibt, die den Gang zum Arzt oder Auto­händler erset­zen sollen, und gle­ich die passende Ver­sicherung anbi­eten. Oder aber der US-Unter­hal­tungskonz­ern Dis­ney (WKN 855686), der sich mit sein­er Film­bib­lio­thek und durch Über­nah­men eine gute Posi­tion im Stream­ing-Geschäft ver­schaf­fen will.

Die zweite Gruppe bilden die soge­nan­nten Dig­i­tal Busi­ness Lead­ers, also Unternehmen aus dem dig­i­tal­en Zeital­ter, die ihre Indus­trie mit ganz neuen Geschäftsmod­ellen und Plat­tfor­men entschei­dend verän­dern und oft­mals einzelne Mark­t­seg­mente beherrschen. Neben Alpha­bet (WKN A14Y6F) und iRo­bot (WKN A0F5CC) ist der Fonds auch in Aktien von Face­book (WKN A1JWVX) investiert – trotz des Daten­skan­dals. Im ersten Quar­tal klet­terte der Umsatz des Unternehmens um fast 50 %, bei einem Gewin­nplus von 65 %: „Face­book bietet mit 2,2 Mil­liar­den Nutzern weltweit noch viel Mon­e­tarisierungspoten­zial“, ist Irmak überzeugt. Die dritte Gruppe schließlich bilden Dig­i­tal Enablers, Unternehmen, die mit ihrer Hard­ware bzw. Soft­ware die kri­tis­chen Tech­nolo­gien liefern bzw. entsprechende Dien­stleis­tun­gen anbi­eten und somit den dig­i­tal­en Wan­del erst ermöglichen – wie etwa die kanadis­che Shopi­fy (WKN A14TJP) oder die kali­for­nischen Unternehmen Trade Desk (WKN A2ARCV) und Twilio (WKN A2ALP4).

Digitale Performance im Blick

Der Prozess ist in der dig­i­tal­en Welt das neue Pro­dukt“, sagt Irmak. Bei der Auswahl der Titel für den Fonds berück­sichtigt das Man­age­ment neben Bilanz­zahlen deshalb auch Kri­te­rien, die die dig­i­tale Per­for­mance von Unternehmen ermit­teln. „Wir prüfen sehr genau, inwieweit ein Unternehmen Plat­tfor­men und Algo­rith­men nutzt, um sein Ange­bot schnell anzu­passen und nach den Bedürfnis­sen sein­er End­kun­den aus­richtet“, erk­lärt Irmak. Große Daten­men­gen, hohe Rech­n­erka­paz­itäten, intel­li­gente Soft­ware: „Die Rah­menbe­din­gun­gen für viele Anwen­dun­gen haben sich deut­lich verbessert – die dig­i­tale Trans­for­ma­tion hat ger­ade erst begonnen.“

Bre­it aufgestellt ist auch der Bantleon Select Glob­al Tech­nol­o­gy Fund. Bantleon hat zur Bew­er­tung ein Tech­nol­o­gy Coun­cil ini­ti­iert, das sich aus neun Pro­fes­soren unter­schiedlich­er Forschungs­bere­iche zusam­menset­zt. „Gemein­sam erar­beit­en wir eine Tech­nolo­gie-Land­karte, um Zukun­fts­felder zu iden­ti­fizieren“, sagt Dagasan. Die Experten bew­erten Einzel­tech­nolo­gien und tauschen sich mit den Unternehmen aus. Im zweit­en Schritt prüft das Man­age­ment, ob sich ein Unternehmen nach der Finan­z­analyse für den Fonds qual­i­fiziert. „Wir wollen uns nicht auss­chließlich auf ein Zukun­fts­feld wie Indus­trie 4.0 oder Medi­z­in­tech­nik fokussieren, son­dern vom Poten­zial in allen Sek­toren prof­i­tieren“, sagt Fonds­man­ag­er Dagasan. Prof­i­teure der Mobil­itätswende sind für ihn zum Beispiel Unternehmen, die mit Bat­terie­ma­te­ri­alien umge­hen und auch das Recyceln übernehmen kön­nen, wie etwa die bel­gis­che Umi­core (WKN A2H5A3). Aber auch die deutsche Aumann (WKN A2DAM0), ein Spezial­ist für automa­tisierte Pro­duk­tion­slin­ien und Wick­el­tech­nik für E-Mobil­ität. Im Bere­ich Medi­z­in­tech­nik sind mit Carl Zeiss Meditec (WKN A0YGQ7), Intu­itive Sur­gi­cal (WKN 888024) und Athenahealth (WKN A0MWXF) gle­ich mehrere Anbi­eter unter den Top Ten im Fonds. Hier find­en sich auch Spezial­is­ten für Spe­icher­chips bzw. Automa­tisierung wie Infi­neon (WKN 623100) und ABB (WKN 919730).

Aktien und Invest­ment­fonds unter­liegen Kurss­chwankun­gen, damit sind Kursver­luste möglich. Bei Anla­gen außer­halb des Euro-Raums beste­hen zudem Währungsrisiken. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Allein verbindliche Grund­lage des Kaufs eines Fonds/ETF sind die derzeit gülti­gen Verkauf­sun­ter­la­gen des Fonds („Wesentliche Anlegerin­for­ma­tio­nen“, Verkauf­sprospekt sowie Jahres- und Hal­b­jahres­berichte, soweit veröf­fentlicht). Diese Unter­la­gen, die in englis­ch­er und/oder deutsch­er Sprache vor­liegen, erhal­ten Sie auf der Wert­pa­pi­er-Detail­seite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emit­ten­ten. Die Beschrei­bung der Wert­pa­piere stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung von comdi­rect dar. Stand: 18.07.2018; Quelle: comdirect.de