Sell in May: Herbstrally

Strategie Kommt die Herbstrally?

„Sell in May and go away – but remember to come back in September“ ist eine bekannte Börsenweisheit. Aber stimmt sie auch? Ein Ausblick.

Anleger sind auch nur Menschen – und die mögen einfache Regeln: „Sell in May and go away“, lautet so eine simple Regel, die darauf fußt, dass die Aktienmärkte saisonalen Schwankungen unterliegen. Im Sommer, so die Quintessenz, sind an der Börse im Schnitt Rücksetzer zu erwarten – Anleger müssen also keine Risiken schultern und können getrost an der Seitenlinie stehen. Während der erste Teil der Börsenweisheit oft zitiert wird, fällt der zweite Teil häufig unter den Tisch: „But remember to come back in September.“ Denn dann, so das Sprichwort, starte die Börse zur Herbstrally. Aber stimmt das auch?

Mitnichten! „Der September gehört im Schnitt zu den schlechteren Monaten im DAX“, weiß Matthias Hüppe, Derivate-Spezialist bei HSBC. Er hat die Kursentwicklung des wichtigsten deutschen Index über einen Zeitraum von 30 Jahren analysiert. Ergebnis: Im September ging es in 18 von 30 Jahren bergab und nur in zwölf Jahren bergauf.

Remember to come back in October?

Deutlich besser sah es in der Vergangenheit ab Oktober aus. Dimitri Speck, Handelssystem-Entwickler und Betreiber der Seite „Seasonax.com“, hat sich auf die Analyse von Marktzyklen spezialisiert. „Seit 1993 hat der DAX Investoren in den Monaten Oktober bis Dezember nur in drei Jahren Verluste gebracht.“ In 22 Jahren dagegen waren Anleger mit DAX-Investments in diesem Zeitraum im Plus.

Speck ist allerdings skeptisch, ob das auch in diesem Jahr so sein wird. „Die Herbstrally könnte ausfallen“, so seine Befürchtung. Die Börsen seien noch immer liquiditätsgetrieben und die US-Notenbank Fed trete auf die Bremse. Zudem sorge die Politik für viel Unsicherheit. „In Europa und den Schwellenländern haben sich die Kurse bereits abgeschwächt, die USA könnten folgen, wenn der Einmaleffekt aus der Steuerreform verpufft.“

Auf ruhige Herbsttage jedenfalls sollten Anleger sich in diesem Jahr besser nicht einstellen. Im Oktober jedenfalls wurden die Märkte kräftig durchgeschüttelt. Brexit, Budgetverhandlungen in Italien, Mid-Term-Wahlen Anfang November in den USA sowie ein schwelender Handelskrieg sorgen weiterhin für Unsicherheit. „Im Vergleich zur Handelspolitik Trumps ist das Aprilwetter eine stabile Angelegenheit“, kommentiert Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Eskaliert der Handelskonflikt?

Eine mögliche Eskalation im Handelskonflikt schwebt wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Chinas Überschuss im Handel mit den USA ist trotz des Zollstreits seit Jahresbeginn um 15 % und damit auf ein Rekordhoch gestiegen. Donald Trump dürfte das nicht gefallen. Die US-Regierung erhebt bereits 25 % Zoll auf China-Importe im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar, kurzfristig seien zusätzliche Zölle auf Waren im Wert von 267 Milliarden Dollar möglich. „Der Beginn eines Handelskrieges, auch wenn er auf die USA und China begrenzt bliebe, wäre ein Test auf die Robustheit der globalen Entwicklung“, so Rudolf Besch, Analyst bei der DekaBank. „Es besteht durchaus das Risiko, dass dieser Test nicht bestanden werden wird.“

846900 — DAX

Zum aktuellen Kurs

Wie wird der Börsen-Herbst?

Exakte Prognosen mag in der aktuellen Großwetterlage kaum jemand geben. „Die Situation kann sich über Nacht durch einen Tweet von US-Präsident Trump komplett ändern“, sagt Matthias Hüppe von HSBC mit Blick auf einen möglichen Handelskrieg. Auch Baader-Bank-Stratege Robert Halver sieht einige Unwägbarkeiten. „Doch die Finanzgeschichte lehrt, dass jede Krise in den vergangenen zehn Jahren die Börsen nur kurzfristig aus der Ruhe bringen konnte“, so Halver. Im Zweifel, so seine Überzeugung, schritten die Notenbanken ein.

Auf Schwankungen sollten sich Anleger einstellen, Pessimisten wie Dimitri Speck sichern ihr Depot ab oder spekulieren auf fallende Kurse. Gegen Jahresende allerdings schwenkt auch er wieder um in Long-Positionen. „Die Jahresendrally ab Mitte Dezember ist statistisch so signifikant, dass sie trotz aller Unwägbarkeiten sehr wahrscheinlich ist“, so Speck.

Aktien und Fonds unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs eines Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in englischer und/oder deutscher Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 07.11.2018, Quelle: comdirect.de