Wie die Meinungsforscher rechneten auch die meisten Anlageprofis nicht mit einem Donald Trump. Statements zur aktuellen Lage.

US-Wahl Stimmen zu Trumps Sieg

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Special zur US-Wahl

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Reak­tio­nen auf die Wahl von Don­ald Trump zum neuen US-Präsi­den­ten.

 

Wie die Meinungsforscher rechneten auch die meisten Anlageprofis nicht mit einem Präsidenten Donald Trump. Jetzt erwarten sie steigende Volatilität an den Märkten, sehen aber auch Chancen. Statements zur aktuellen Lage.

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Der Sieg von Don­ald Trump hat die Märk­te auf dem falschen Fuß erwis­cht, wie die ersten Mark­treak­tio­nen zeigen. Wir erwarten, dass uns die Mark­tvolatil­ität auf­grund der gestiege­nen poli­tis­chen Unsicher­heit zunächst erhal­ten bleiben dürfte. Die Unberechen­barkeit Trumps und seine poli­tis­che Uner­fahren­heit sind Grund genug, die kom­menden Monate etwas vor­sichtiger anzuge­hen. Die Berichter­stat­tung dürfte neg­a­tiv dominiert bleiben. Würde er nur die Hälfte sein­er marki­gen Ver­sprechun­gen aus dem Wahlkampf ein­lösen, dürfte dies bere­its für viel Unruhe sor­gen. Allerd­ings glauben wir, dass die Anleger auch nicht die Ner­ven ver­lieren soll­ten. Vergessen wir nicht, dass es die große Kon­stante in Trumps Wahlkampf war, das Pub­likum immer wieder zu über­raschen. Gut möglich, dass er nach der Wahl aus Mark­t­sicht auch mal pos­i­tiv über­raschen kön­nte. Unsere Hoff­nun­gen beruhen auf dem Prag­ma­tismus, der Adap­tions­fähigkeit und der ins­ge­samt gerin­gen poli­tis­chen Fes­tle­gung Trumps. Es beste­ht dur­chaus die Möglichkeit, dass er die Politvet­er­a­nen im Kongress ein weit­ge­hend klas­sisch repub­likanisch geprägtes Wahl­pro­gramm durchziehen lässt.“

Ste­fan Kreuzkamp,

Chief Invest­ment Offi­cer Deutsche Asset Man­age­ment

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Gold reagierte zunächst wie erwartet auf den Wahlsieg des Repub­likan­ers Don­ald Trump und sprang in ein­er ersten Reak­tion deut­lich nach oben. Mit­tler­weile hat es aber die Hälfte der Gewinne wieder abgegeben und notiert bei rund 1.300 US-Dol­lar je Fei­n­un­ze. Dies ist etwas über­raschend für uns, bedeutet doch der Wahlsieg von Trump große Unsicher­heit — sowohl wirtschaftlich als auch poli­tisch. Denn unter Trump, der sich im Wahlkampf höchst pro­tek­tion­is­tisch gab, dro­hen Han­del­skon­flik­te mit eini­gen Län­dern. Zudem gibt der Wahler­folg Trumps den Anti-Estab­lish­ment-Parteien in Europa Aufwind. In den näch­sten Monat­en ste­hen in ver­schiede­nen Län­dern Wahlen und Ref­er­en­den an, die die poli­tis­che Land­karte verän­dern kön­nten. Darüber hin­aus ist die Zin­ser­höhung der US-Noten­bank Fed im Dezem­ber nun fraglich gewor­den. Auch wenn man diese noch nicht ganz abschreiben sollte, wird sie von den Mark­t­teil­nehmern zuse­hends aus­gepreist. Die Wahrschein­lichkeit für einen Zinss­chritt im Dezem­ber liegt jet­zt bei unter 40 %, nach über 80 % gestern. Gepaart mit der möglicher­weise monate­lang andauern­den wirtschaftlichen und poli­tis­chen Unsicher­heit spricht dies unseres Eracht­ens für höhere Gold­preise. Denn in Zeit­en von Unsicher­heit ist Gold nor­maler­weise als sicher­er Hafen gefragt.“

Eugen Wein­berg,

Leit­er Rohstoff-Analyse der Com­merzbank

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Don­ald Trumps Rhetorik im Wahlkampf lässt erwarten, dass Unternehmen aus dem Sek­tor der Erneuer­baren Energien kurzfristig unter Druck ger­at­en. Aber bei genauer Betra­ch­tung muss er keine Sub­ven­tio­nen für saubere Energien stre­ichen, da sie ohne­hin bald aus­laufen wer­den. Bei den aktuellen Entwick­lungss­chrit­ten im Bere­ich der Neuen Energien sind diese Sub­ven­tio­nen auch auf bre­it­er Basis nicht länger erforder­lich. Es ist zwar noch zu früh, die länger­fristi­gen Fol­gen der Wahl zum Weißen Haus und Kapi­tol vorherzusagen. Aber trotzt der harten Kam­pagne sind wir uns bewusst, dass eine der weni­gen Gemein­samkeit­en von Demokrat­en und Repub­likan­ern die Erken­nt­nis der zunehmenden Notwendigkeit von Investi­tio­nen in die US-Infra­struk­tur war. Das ist ein rel­a­tiv gutes Zeichen für Unternehmen, die umwelt­fre­undliche Lösun­gen für die Sek­toren Wass­er, Smart Ener­gy und Eisen­bahn anbi­eten.“

Char­lie Thomas,

Man­ag­er des Jupiter Glob­al Ecol­o­gy Growth SICAV Fund

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Ent­ge­gen der Ergeb­nisse der Mei­n­ung­sum­fra­gen und in Erin­nerung an die Brex­it-Entschei­dung hat Don­ald Trump die US-Wahlen gewon­nen. Die Märk­te reagieren mit einem Schock auf das Ergeb­nis. Während­dessen hallt die Unsicher­heit darüber nach, für was genau Trumps Präsi­dentschaft eigentlich ste­ht. Die Aus­sicht­en auf eine gerin­gere Kör­per­schaft­s­teuer und Einkom­men­steuer dürften als pos­i­tiv gew­ertet wer­den. Die Märk­te wer­den nun ver­suchen, mehr über Trumps Infra­struk­tur­plan zu erfahren. Ein hohes Maß an Aufmerk­samkeit wird auch auf der Mach­barkeit der Wahlkampfver­sprechen liegen, vor dem Hin­ter­grund des Bruchs zwis­chen dem neuen Präsi­den­ten und den repub­likanis­chen Parteikol­le­gen. Es über­rascht wenig, dass die Aktien und Währun­gen der Schwellen­län­der auf das Wahlergeb­nis reagieren, da die Welt sich nun auf einen stärk­er ‚insu­lar‘ denk­enden US-Präsi­den­ten ein­stellen muss. Es scheint wahrschein­lich, dass der US-Dol­lar rel­a­tiv zu den Schwellen­län­dern aufw­ertet, da das US-Kap­i­tal nun aus dem Rest der Welt zurück­ge­zo­gen wird. Die Unsicher­heit­en, die durch dieses Wahlergeb­nis entste­hen, dürften die lange erwartete US-Zin­ser­höhung im Dezem­ber ent­gleisen lassen. Angesichts der gestiege­nen poli­tis­chen Unsicher­heit und der gesunke­nen Wahrschein­lichkeit ein­er baldigen Straf­fung der US-Geld­poli­tik dürfte sich der Dol­lar gegenüber anderen Leitwährun­gen abschwächen. Ins­beson­dere der Japanis­che Yen kön­nte von dieser Flucht in sichere Häfen prof­i­tieren.“

Peter Hens­man,

Glob­al Strate­gist im Real Return Team bei New­ton Invest­ment Man­age­ment

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Ähn­lich wie bei der Brex­it-Abstim­mung in Großbri­tan­nien hat der Pop­ulis­mus über die (ver­meintliche) Ver­nun­ft gesiegt: Don­ald Trump wird am 20. Jan­u­ar 2017 zum 45. Präsi­den­ten der Vere­inigten Staat­en verei­digt wer­den. Ungeachtet der drama­tis­chen Umwälzung in der US-Gesellschaft ste­ht aus Finanz­mark­t­sicht nun vor allem die Han­del­spoli­tik im Fokus. Trump hat die Möglichkeit, den Welthandel gehörig durcheinan­der zu brin­gen. Set­zt er seine Ankündi­gun­gen aus dem Wahlkampf um, gle­ich am ersten Tag sein­er Amt­szeit Chi­na als Währungs­ma­n­ip­u­la­tor zu brand­marken und ver­hängt er Zölle auf Ein­fuhren aus Mexiko und vor allem Chi­na, kön­nte das den ohne­hin lah­menden Welthandel mas­siv belas­ten. Ein glob­aler Han­del­skrieg wäre dann nicht mehr auszuschließen. Er kön­nte das Wirtschaftswach­s­tum weltweit brem­sen und es kön­nte sog­ar in ein­er Rezes­sion enden. Als wahrschein­lich­er eracht­en wir indes, dass Trump seine extremen Wahlkampf­po­si­tio­nen allen­falls mit großen Abstrichen umset­zt, vor allem bei der umstrit­te­nen Han­del­spoli­tik. Stattdessen dürfte er sich auf andere wichtige The­men sein­er Kam­pagne konzen­tri­eren: Steuersenkun­gen, Infra­struk­tu­raus­bau, Zuwan­derungs­beschränkun­gen etc. sind im kom­plett repub­likanisch dominierten Kongress wenig umstrit­ten und wirken im Zweifels­fall sog­ar kon­junk­turstim­ulierend. Der über­ge­ord­nete Aus­blick für die US-Wirtschaft ist mithin – trotz der kurzfristig gestiege­nen Verun­sicherung – nach wie vor pos­i­tiv. Zusam­men mit ein­er andauern­den Erhol­ung der Schwellen­län­der und der Aus­sicht auf eine Fort­set­zung der weltweit ultra­ex­pan­siv­en Geld­poli­tik bleibt entsprechend das glob­ale Umfeld fre­undlich, eben­so wie die Per­spek­tiv­en für die Wirtschaft der Euro­zone.“

Dr. Andreas A. Busch,

Senior Ana­lyst Eco­nom­ics bei Bantleon

Stimmen zu Trumps Sieg

Der Aus­gang der US-Wahlen hätte für Phar­maun­ternehmen nicht pos­i­tiv­er aus­fall­en kön­nen. Der klare repub­likanis­che Sieg bedeutet schwierige Zeit­en für Oba­macare, aber die Bemühun­gen der Demokrat­en, Medika­menten­preise zu kon­trol­lieren, sind zumin­d­est vom Tisch. Zudem haben die kali­for­nischen Wäh­ler eine umstrit­tene Ini­tia­tive abgelehnt, die vorge­se­hen hätte, die Medika­menten­preise für kali­for­nische Staats­be­triebe zu senken. Das sind zusät­zlich gute Neuigkeit­en für die Branche und wir erwarten, dass die Märk­te in diesem Bere­ich sehr pos­i­tiv reagieren wer­den. Der Sek­tor han­delt derzeit mit einem Abschlag von 10 % zum Gesamt­markt – die höch­ste Dif­ferenz der ver­gan­genen fünf Jahre – und Biotech-Fir­men wer­den zu reko­rdtiefen Bew­er­tun­gen gehan­delt. Wir erwarten, dass der Sek­tor als Resul­tat dieser Wahlen eine Neube­w­er­tung erfährt, und dies eher früher als später geschehen wird. Auch im M&A-Bereich sehen wir große Chan­cen in den kom­menden Monat­en, da das Streben nach Wach­s­tum, große Cash-Posi­tio­nen bei den Fir­men sowie die Aus­sicht­en auf eine kom­mende Unternehmenss­teuer­reform in den USA (inklu­sive einem Repa­tri­ierungsabkom­men von Off­shore-Ver­mö­gen) für erhöhte Aktiv­itäten im Health­care-Sek­tor sor­gen soll­ten.“

Christophe Eggmann,

Invest­ment Direc­tor Health­care Equi­ties bei GAM