Seitwaerts-Stable-Optionsscheine

Seitwärts-Stable-Optionsscheine Spekulation auf stabile Kurse

Ein neues Produkt für Seitwärtsmärkte soll die aktuell für Privatanleger verbotenen Inline-Optionsscheine ersetzen.

Als Nischenprodukt waren Inline-Optionsscheine bei Tradern über viele Jahre sehr beliebt. Umso größer war die Betroffenheit, als die europäische Wertpapieraufsicht (ESMA) zum 2. Juli 2018 zunächst für drei Monate sämtliche Produkte untersagte, die auf binären Optionen beruhen (nur zwei Auszahlungsszenarien sind möglich). Damit gab es für Inliner ein generelles Verkaufsverbot an Privatanleger. Die einfache Spekulation auf einen Seitwärtstrend etwa im DAX war damit nicht mehr möglich. Um diese Lücke wieder zu schließen, hat die Société Générale sogenannte Seitwärts-Stable-Optionsscheine emittiert.

Große Ähnlichkeit mit Inlinern

Seitwärts-Stable-Optionsscheine zahlen wie Inliner am Laufzeitende einen fixen Rückzahlungsbetrag von zehn Euro aus, wenn der Kurs des Basiswertes die Grenzen eines vorab definierten Kurskorridors während der gesamten Laufzeit weder berührt noch verlässt. Diese Grenzen heißen obere und untere Maximalbetragsschwelle. „Aber selbst wenn es zu einem Verlassen des besagten Kurskorridors kommen sollte, kann sich im Unterschied zu klassischen Inlinern noch ein Rückzahlungsbetrag ergeben“, erklärt Stefano Angioni, Derivateexperte bei der Société Générale. „Dafür müssen zwei weitere außerhalb des Korridors angeordnete K.-o.-Schwellen während der gesamten Laufzeit unverletzt bleiben.“

Das hört sich komplizierter an, als es tatsächlich ist. Ein Beispiel: Ein Seitwärts-Stable-Optionsschein mit einem unteren K.-o.-Level von 11.150 DAX-Punkten und einem oberen K.-o.-Level von 13.450 Zählern kostet aktuell 6,55 Euro (WKN ST4BJ2). Sollte der DAX diese Grenzen bis zum finalen Bewertungstag (21.12.2018) weder berühren noch durchbrechen und am Laufzeitende gleichzeitig zwischen der unteren (11.400 Punkte) und der oberen Maximalbetragsschwelle (13.200) notieren, erhalten Besitzer der Papiere bei Fälligkeit exakt zehn Euro ausgezahlt.

Zusatzchance durch fließenden Übergang

Notiert der DAX bei ansonsten unveränderten Gegebenheiten am Bewertungstag dagegen zwischen dem unteren K.-o.-Level und der unteren Maximalbetragsschwelle (oder zwischen der oberen Maximalbetragsschwelle und dem oberen K.-o.-Level), errechnet sich der Rückzahlungsbetrag proportional zur Distanz zur jeweiligen K.-o.-Schwelle. Bei einem Indexstand von 13.250 Punkten wäre der DAX beispielsweise genau vier Fünftel der Differenz aus 13.450 (K.-o.-Schwelle) und 13.200 Punkten (oberer Maximalbetragsschwelle) von der K.-o.-Schwelle entfernt (200 von 250 Punkten). Damit würden 80 % des Maximalbetrages ausgezahlt, also acht Euro. Bei einem DAX-Wert von 13.325 Zählern (125 von 250 Punkten) wären es genau fünf Euro usw. Wird eine der K.-o.-Schwellen jedoch während der Laufzeit berührt oder durchbrochen, verliert der Anleger sein Kapital komplett (siehe Grafik).

Rückzahlungsbetrag zum Laufzeitende

(Voraussetzung: K.-o.-Schwellen wurden bis zum Bewertungstag niemals berührt oder durchbrochen)

Infografik Rückzahlungsbetrag Seitwärts-Stable-Optionsscheine

Quelle: Société Générale.

Inliner kommen zurück

Wer Seitwärts-Stable-Optionsscheine zu kompliziert findet und dennoch auf stagnierende Börsenkurse setzen will, kann nun allerdings aufatmen. Denn die ESMA hat ihre Entscheidung revidiert und klassische Inline-Optionsscheine dürfen seit dem 2. Oktober wieder an Privatanleger verkauft werden. Verschiedene Emittenten haben bereits eine umfangreiche Palette neuer Inliner aufgelegt.

Seitwärts-Stable-Optionsscheine unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Dieser tritt bei Seitwärts-Stable-Optionsscheinen bereits ein, wenn der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit eine der beiden K.-o.-Schwellen berührt oder durchbricht. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Seitwärts-Stable-Optionsscheinen besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 17.10.2018, Quelle: comdirect.de