Russland: Aktienmarkt abhängig vom Oelpreis

Russland Aktienmarkt abhängig vom Ölpreis

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Russland hat den Wachstumspfad wiedergefunden. Viele Unternehmen sind günstig bewertet, aber die Entwicklung der Energiepreise prägt den Aktienmarkt.

Im Sommer vergangenen Jahres war Russland ein stolzer und sportlich überraschend erfolgreicher Gastgeber der Fußball‐Weltmeisterschaft. Das Land präsentierte sich dabei von seiner besten Seite – enorm gastfreundlich und nahezu perfekt organisiert. Russlands Präsident Wladimir Putin wollte damit der Welt zeigen, dass die heimische Wirtschaft wieder in Schwung gekommen ist und sich auch hohe Ausgaben für solch ein Mega‐Event leisten kann. Und in der Tat: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2019 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,8 %. Notwendige wirtschaftliche Reformen setzt das Land ebenfalls langsam um. Ein Beispiel ist die im Sommer beschlossene Erhöhung des Rentenalters. Es steigt in den kommenden zehn Jahren bei Männern von 60 auf 65 Jahre, bei Frauen von 55 auf 63 Jahre bis zum Jahr 2034.

Korrektur erreicht russische Aktien

Gleichwohl haben der Rückgang der internationalen Börsen, die jüngste Schwäche des Ölpreises und die wieder zunehmenden Spannungen mit der Ukraine auch den russischen Aktienmarkt getroffen. „Die Abhängigkeit der bekannten Indizes vom Öl‐ und Gaspreis ist in Russland sehr hoch, da die breiten Indizes als Schwergewichte viele große Rohstoffwerte mit hoher Marktkapitalisierung enthalten“, erklärt Sven Gundermann, Geschäftsführer beim Bad Homburger Vermögensverwalter Taunus Investments. „Hinzu kommt aber auch noch eine etwas schlechtere Stimmung für Schwellenländer‐Aktien, was schon in der Vergangenheit oft auf russische Aktien durchschlug.“

Traditionell hohe Dividendenrenditen

Die Basisdaten jedoch bleiben attraktiv: Traditionell glänzen russische Aktien mit relativ hohen Dividendenrenditen. Im Schnitt liegen diese bei Bluechips bei rund 6 %. Und auch das niedrige Kurs‐Gewinn‐Verhältnis, das bei Standardwerten bei rund sechs liegt, lockt Aktienkäufer. Gundermann vergisst jedoch auch die Risiken nicht: „Vor allem die Schwäche des russischen Rubels kann sich für Euro‐Anleger negativ auswirken. Und ein weiter fallender Ölpreis im Zuge einer globalen Konjunkturabkühlung würde den russischen Markt besonders treffen.“

Verschiedene Anlagestrategien sind möglich

Bekannteste Einzelwerte des russischen Marktes sind neben der Sberbank (WKN A1JB8N) als größtem Geldinstitut des Landes vor allem die großen Energiewerte Lukoil (WKN A1420E), Gazprom (WKN 903276), Tatneft (WKN A2ABS0) und Rosneft (WKN A0J3N5). Risikofreudige Anleger, die steigende Öl‐ und Gaspreise erwarten, können in diese Einzelwerte investieren. Gundermann bevorzugt aber eine breite Streuung über einen ETF von iShares, der sich auf den MSCI Russia bezieht (WKN A1C1HV): „Mit einem Indexanteil der Energiewerte von 60 % ist zwar auch dieses Barometer stark vom Ölpreis abhängig“, erklärt Gundermann, „der Index enthält aber neben den bereits genannten fünf Bluechips noch zwölf weitere Werte und ist damit relativ breit gestreut.“ Die laufenden Kosten des thesaurierenden ETF liegen bei 0,65 %.

Zur Vermeidung der extremen Abhängigkeit von Energiewerten wählt der aktiv gemanagte Parvest‐Russia‐Opportunities‐Fonds (WKN A0NCZP) einen etwas anderen Ansatz. Fondsmanager Dan Fredrikson weicht bei seinem Portfolio von den üblichen Branchengewichtungen ab, da er an keine fixe Benchmark gebunden ist. So nehmen aktuell die Energie‐ und Versorgerwerte „nur“ rund 39 % des Anlagevolumens ein. Im MSCI Russia sind sie mit 60 % gewichtet. Demgegenüber sind Konsumgüter, IT‐Werte und auch Titel aus dem Bereich der Kommunikationsdienstleistungen übergewichtet. So befindet sich beispielsweise der Mobilfunkanbieter Veon (WKN A2DN8Y) unter den größten Einzelpositionen. Für den aktiven Managementansatz zahlen Anleger ein jährliches Entgelt von 2,23 %.

Aktien, Investmentfonds und ETF‐Indexfonds unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs eines Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres‐ und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in englischer und/oder deutscher Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 20.02.2019; Quelle: comdirect.de