Die EZB hat die Zinsen für Spargeld abgeschafft. Wie risikoaverse Anleger dennoch Rendite erzielen können

Geldanlage 0 %. Und nun?

EZB‐Präsident Mario Draghi hat Zinsen für Spargeld abgeschafft. compass zeigt, wie risikoaverse Anleger dennoch Rendite erzielen können.

Er hat es getan! Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentral­bank (EZB), hat den Zins in Europa bis auf Weiteres abgeschafft. Der Leitzins ist bereits auf 0,0 % gesetzt. Und die EZB öffnet die Geldschleusen weiter. Das Anleihenkaufprogramm wurde noch einmal verstärkt, gleichzeitig der Strafzins für Bank­einlagen bei der EZB von minus 0,3 % auf minus 0,4 % erhöht. Zusätzliche „unkonventionelle Maßnahmen der Geldpolitik“ stehen vor der Tür. Einige Ökonomen schließen sogar nicht aus, dass die EZB irgendwann zum „Helikoptergeld“ greift – also den EU‐­Bürgern „Geld vom Himmel“ regnen lässt, damit sie es ausgeben und die Wirtschaft ­ankurbeln.

Negativzinsen auch für Privatanleger möglich

In diesem Szenario können Sparer für ihre Anlagen kaum noch Verzinsung erwarten. Bei Festgeld mit Anlagedauer ab einem Jahr gibt es zuweilen noch ein paar Zehntel­prozent Zinsen, auf dem Sparbuch aber lautet der Zinssatz oft 0,01 %. Das reicht selbst bei niedrigen Inflations­raten nicht aus, um die Kaufkraft des angelegten Vermögens zu erhalten. Und auch hier könnte es durchaus noch ärger kommen. Georg Fahrenschon erklärte als Präsident des Deutschen Sparkassen‐ und Giroverbandes im April, dass seine Institute alles täten, um private Sparer vor Negativzinsen zu schützen. Wenn dieser Zustand aber lange anhalte, so Fahrenschon, könnten auch die Sparkassen die Kunden nicht ewig davor bewahren.

Versicherungskunden geht es kaum besser. Bereits zum nächsten Jahr soll der Garantiezins für private Lebens‐ oder ­Rentenversicherungen von jetzt 1,25 % auf 0,9 % sinken. Das macht wenig Lust, eine neue Police abzuschließen, denn die Zinsen gibt es nur auf den Sparanteil des eingezahlten Kapitals. Weil Verwaltung und Provisionen zusätzlich Geld kosten, bekommen Versicherte selbst bei langlaufenden Verträgen kaum mehr als ihre Einzahlungen heraus. Oder sie müssen bei Rentenpolicen schon sehr lange leben, damit sich das ­Ganze rechnet.

Wer den Inflationsverlust ausgleichen oder sogar etwas mehr verdienen will, muss sich nach Alternativen umschauen. Diese Alternativen gibt es durchaus. Ganz ohne Risiken sind diese Anlagen zwar nicht, denn sie hängen in der Regel zumindest mittelbar von der Entwicklung der Aktienmärkte ab. Gleichwohl sind diese Risiken kalkulierbar. ­compass hat den Markt gründlich untersucht und geprüft, welche Alternativen es zu Bundesanleihen und Festgeld gibt und worauf Anleger bei der Suche nach Rendite achten müssen.

Renditeziel nach Wunsch – bei entsprechendem Risiko

Drei Stellschrauben sind wichtig. Zunächst die Kosten. „Gerade in Niedrigzinszeiten ist es wichtig, die Gebühren­belastung gering zu halten“, erklärt Andreas Beck, Vorstand des Münchner Institutes für Vermögensaufbau. Denn Kosten schlagen bei niedrigen Zinsen prozentual viel stärker zu Buche als in üppigen Zinszeiten. Einfach konstruierte Produkte und Anlagelösungen verursachen in der Regel deutlich niedrigere Entgelte als komplexe Konstrukte.

Der zweite Kernpunkt: die Renditeerwartungen. Rendite und Risiko hängen bei der Geldanlage zusammen. Höhere Renditen gehen dabei immer mit höheren Risiken einher. Anleger sollten nur solche Risiken eingehen, mit denen sie ruhig schlafen können. Und schließlich die dritte Stellschraube: der ­Anlagehorizont. Hier gilt: Wer auf mehrere Jahre anlegt, kann höhere Risiken eingehen als ein Sparer, der sein Geld binnen Jahresfrist braucht.

compass hat Produkte in drei Kategorien ausgesucht. 1 % Rendite lässt sich dabei mit Risiken erzielen, die sehr gering erscheinen. Bei Renditen um 3 % ist die Gefahr schon etwas größer, dass das Ziel nicht erreicht wird. Wer 5 % oder mehr erwirtschaften möchte, muss einen langfristigen Anlagehorizont haben – und in Kauf nehmen, dass das gewählte Anlageprodukt zwischenzeitlich auch einmal deutlich

Strategien im Überblick

 Strategie und ProdukteChancen und Risiken im Profil
>1%Sehr defensive Strategie
Deep DiscounterHohe Verlustpuffer und daher sehr geringes Verlustrisiko – entsprechend niedrige Rendite
>3%Defensive Strategie
DiscounterDiscount als Verlustpuffer, daher reduzierte Risiken – nach oben begrenzte Rendite
AktienanleihenKupon vermindert Kursrisiken – maximale Rendite ist auf Kupon begrenzt
Express‐ZertifikateVerlustpuffer, mehrmalige Chance auf Kuponzahlung, Schwächephasen am Aktienmarkt können ausgesessen werden – maximale Rendite ist auf Kupon begrenzt
FremdwährungsanleihenMeist fester Zinskupon, Chancen auf Währungsgewinn bei Aufwertung der Fremdwährung, aber auch Risiko von Währungsverlusten, falls die Fremdwährung abwertet
>5%Ausgewogene Strategie
Portfolio‐ETFsKein Verlustpuffer, Risiko durch breite Streuung und unterschiedliche Anlageklassen reduziert – Rendite nach oben unbegrenzt
DividendenfondsAktienmarktrisiko, das durch Dividenden abgefedert wird – Rendite nach oben unbegrenzt
Aktien, Fonds, ETFs, Zertifikate und Fremdwährungsanleihen unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Zertifikate und Anleihen bergen als Inhaberschuldverschreibungen zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Bei Wertpapieren, die in ausländischer Währung notieren, bestehen zudem Währungsrisiken. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Fonds oder ETFs sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds ­(„Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres‐ und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Stand: 19.10.2016, Quelle: comdirect.de