Nachhaltige Investments: Wo könnte Greta jetzt investieren?

Nachhaltige Investments Wo könnte Greta Thunberg jetzt investieren?

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Klimapolitik entscheidet inzwischen Wahlen. Und auch an den Finanzmärkten denken Anbieter und Investoren zunehmend um.

Dass die Klimafrage einmal Wahlen entscheiden könnte, hätte vor Jahren kaum jemand gedacht. Bei den Europawahlen aber war es so weit: Greta Thunberg und die von ihr initiierte Bewegung Fridays for Future schienen den Wählern auf einmal wichtiger als die Fragen nach Arbeitslosigkeit oder Migration. Das wird sich nach Einschätzung von Petra Pflaum, CIO for Responsible Investments bei der Fondsgesellschaft DWS, künftig deutlich auf die praktische Politik in der Europäischen Union (EU) auswirken: „Grüne Parteien dürften ihre Ziele zur Verringerung der globalen Erwärmung nun mit noch mehr Nachdruck verfolgen. Nicht zuletzt in Handelsfragen spielt das Europaparlament inzwischen eine wichtige Rolle.“ Die EU hat bei seinen Abkommen von den Partnern schon in den vergangenen Jahren Klimaziele, Menschenrechte und Standards am Arbeitsmarkt und im Umweltschutz verlangt. Jetzt stehen CO2‐Grenzsteuer und Kerosinsteuer auf der Agenda: „Auch für jedes mit der Regierung Trump auszuhandelnde Handelsabkommen dürfte das Europäische Parlament eine große Hürde sein“, meint Pflaum.

Klimaschutz wird zum Thema an den Finanzmärkten

An den Finanzmärkten und bei den Anlegern ist die Message der Europawahlen angekommen. Nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015 wollten Pensionsfonds, institutionelle Anleger und Family Offices zwar bereits ihre Anlageentscheidungen anpassen. Aber erst seit der Europawahl im Mai 2019 überschlagen sich die Nachrichten. Fidelity etwa weitet sein globales Research mit neu eingeführten eigenen Nachhaltigkeitsratings für über 3.000 Emittenten aus: „Damit können wir unseren Kunden eine in die Zukunft gerichtete Einschätzung der Faktoren bieten, die sich auf die ESG‐Bilanz (Environment, Social, Governance) eines Unternehmens und seine künftige Entwicklung auswirken“, erklärt Ned Salter, Leiter des Aktien‐Research bei Fidelity International. Die Frankfurter Metzler Asset Management GmbH hat ein eigenes Sustainable Investment Office gegründet, das Kunden künftig bei der Entwicklung eigener Nachhaltigkeitsstrategien unterstützen soll. Deutlich und unmittelbar wird sich ein Beschluss des norwegischen Parlaments auf die Geldanlage auswirken. Danach soll der norwegische Staatsfonds, über 900 Milliarden Euro schwer, in den nächsten Monaten Anteile aus mehr als 150 Öl‐ und Kohleunternehmen abziehen und in erneuerbare Energien investieren.

Was ist nachhaltiges Investieren?

Auch in Deutschland haben nachhaltige Geldanlagen zunehmend Konjunktur. Sie ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte: „Die Summe nachhaltiger Geldanlagen erreichte 2018 mit 219 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Nachhaltige Fonds und Mandate legten um 41 Milliarden Euro zu“, erklärt Claudia Tober, Geschäftsführerin des Forums für Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Immer häufiger gehört zu den Bedingungen der Nachhaltigkeitskonzepte, dass Kohle und andere konventionelle Energien vom Anlageuniversum ausgeschlossen sind. Aber eine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit gibt es bis heute nicht. „Manche Anbieter schließen einfach nur Rüstung oder Streubomben aus und nennen das nachhaltig“, kritisiert Rainer Unterstaller, Vorstand der Acatis Fair Value Investment AG, der als Nachhaltigkeitsberater vor allem für den Acatis Fair Value Aktien Global — P EUR DIS Fonds (WKN 964894) tätig ist. (Lesen Sie hier das Interview “Klimawandel ist kein Modethema!” mit Rainer Unterstaller).

Andere Anbieter setzen auf das sogenannte Impact‐Investing und versuchen als Anteilseigner direkt Einfluss zu nehmen auf soziale und ökologische Strategien der Unternehmen. Oft geht es hier um kleinere Unternehmen oder sogar Mikrofinanzanlagen. Den Ansatz im Namen trägt jedoch auch der BlackRock Strategic Funds Impact World Equity Fund (WKN A14WGQ). Mit seinen Portfolio‐Schwerpunkten Amazon, Apple und Microsoft hat er zuletzt gute Anlageergebnisse erzielt, aber doch eher die Anmutung eines Tech‐Fonds. Viele institutionelle Anleger und Fondsanbieter schließlich investieren noch nach dem „Best in Class“-Ansatz. Das bedeutet: Sie suchen in einer Branche unter den jeweiligen Aktien diejenigen aus, die den ESG‐Kriterien (Environment, Social, Governance) am besten gerecht werden. Dann aber kann im Extremfall statt der holländisch‐britischen Royal Dutch Shell die französische Totalfina im Index notieren – Ölfirmen sind beide.

Nachhaltigkeit kennt viele Konzepte

Das ist kaum im Sinne von Greta Thunberg und anderer Klimaaktivisten. Strengere Fondsanbieter wie Acatis orientieren sich deshalb nicht nur an ESG‐Kriterien, sondern kaufen nur Aktien von Unternehmen, die Positives im Sinne der 17 UN‐Nachhaltigkeitsziele bewirken. Die Fondsgesellschaft Ökoworld mit seinem Gründer Alfred Platow hat sich sogar schon seit der Gründung im Jahr 1975 dem sozial und ökologisch korrekten Investieren verschrieben. Sieben Experten der Sustainability‐Research‐Abteilung fahnden weltweit mit der Unterstützung von unabhängigen Umweltorganisationen nach Unternehmen mit neuen umweltfreundlichen Ideen. Danach prüft ein Anlageausschuss mit externen Experten, ob die ausgewählten Unternehmen zu den sozialen, ethischen und ökologischen Prinzipien von Ökoworld passen.

Erst nach dem „Go“ dürfen die Fondsmanager die Aktien ins Portfolio aufnehmen – wenn Performance und Perspektive stimmen, denn für Alfred Platow muss „Ökologie auch ökonomisch funktionieren“. Der 1996 aufgelegte Ökovision Classic (WKN A1C7C2) war einer der Ersten am Markt und investiert breit in nachhaltige Geschäftsmodelle. So unterschiedliche Unternehmen wie die mexikanische Grillkette Chipotle (WKN A0ESP5), der texanische Entsorger Waste Management (WKN 893579), aber auch die deutsche Softwareschmiede SAP (WKN 716460) sind im Portfolio vertreten. Zudem bietet Ökoworld neben einem Wasser‐ und einem Emerging‐Markets‐Fonds auch einen Klimaschutzfonds an, den Ökoworld Klima — C EUR ACC Fonds (WKN A0MX8G).

Mit Motiv‐Investing Gebühren sparen

Wer sein Geld nachhaltig anlegen will, hat inzwischen die Qual der Wahl. Neben Einzelwerten kommt eine Vielzahl von Fonds und ETF‐Indexfonds infrage. Im Rahmen der Aktion „Motiv‐Investing“ können Kunden bei comdirect nachhaltige Produkte besonders kostengünstig ordern. Als Top‐Preis ETF ist dabei im Sparplan ohne Ordergebühr für die weltweite Anlage der Franklin LibertyQ Global Equity SRI UCITS ETF (WKN A2DTF3) erhältlich, in die Emerging Markets können Anleger nachhaltig mit dem iShares MSCI EM SRI UCITS ETF (WKN A2AFCZ) investieren. In die Eurozone legen sie mit dem iShares MSCI EMU ESG Screened UCITS ETF (WKN A2N48C) oder europaweit mit dem iShares MSCI Europe ESG Screened UCITS ETF (WKN A2N48E) an. Allerdings werden hier „nur“ die ESG‐Kriterien angewandt. In den Portfolios ist neben SAP (WKN 716460) und LVMH (WKN 853292) zum Beispiel auch Total vertreten.

Alternativ können Kunden im Motiv‐Investing auch zu aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds greifen. Der Nordea 1 Global Climate and Environment Fund — BP EUR ACC Fonds (WKN A0NEG2) und der Pictet European Sustainable Equities — P EUR ACC Fonds (WKN 750443) investieren global bzw. europäisch in den entwickelten Volkswirtschaften. Der Vontobel Fund — mtx Sustainable Emerging Markets Leaders — A USD DIS Fonds (WKN A1JJL9) schließlich deckt nachhaltig wirtschaftende Unternehmen aus den Schwellenländern ab. Bei allen Fonds gibt es 75 % Rabatt auf den regulären Ausgabeaufschlag.

Aktien, ETF‐Indexfonds und Investmentfonds unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres‐ und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 11.09.2019; Quelle: comdirect.de