Microsoft will LinkedIn übernehmen. Ob sich der teure Deal rechnet?

Microsoft Software-Konzern auf Shopping-Tour

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Für 26 Milliarden US‐Dollar übernimmt Microsoft das weltgrößte Karriere‐Netzwerk LinkedIn. Mit der größten Übernahme von Microsoft in der Firmengeschichte will das Softwareunternehmen seine Online‐Aktivitäten forcieren.

Das Geschäft mit Firmenübernahmen boomt. Nahezu täglich erreichen die Kapitalmärkte frische Nachrichten. Aktuelle Beispiele: ChemChina bietet 43 Milliarden US‐Dollar für den Schweizer Pflanzenschutz‐Primus Syngenta. Der Bayer‐Konzern ist bereit, 64 Milliarden US‐Dollar für den US‐Agrarchemie‐Riesen Monsanto zu bezahlen. Der E‐Auto‐Spezialist Tesla will bis zu 2,8 Milliarden US‐Dollar für die Ökostromfirma SolarCity investieren. Und der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea hat mit 95 % die Aktienmehrheit am Augsburger Roboter‐Experten Kuka übernommen.

Trend zur Größe

Die Gründe, warum die Übernahmewelle ins Rollen gekommen ist, liegen auf der Hand: Viele Firmen haben in den vergangenen Jahren gute Gewinne erzielt und verfügen über hohe liquide Mittel. Zudem sind die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau, was die Kreditfinanzierung erleichtert. Und schließlich streben die Manager nach Größe. Diese soll die globale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Hinzu kommt der chinesische Hunger nach westlichem Know‐how, der dem Markt zusätzlich Schwung verleiht.

Ein Deal sticht jedoch heraus. Nämlich der Kauf von LinkedIn durch Microsoft (WKN 870747) für 26 Milliarden US‐Dollar. Das weltgrößte berufliche Netzwerk soll dabei mittelfristig direkt in die Microsoft‐Standardsoftware integriert werden und damit die Marktmacht ausbauen. „Die LinkedIn‐Transaktion ist tatsächlich etwas Besonderes. Denn es ist die größte Übernahme von Microsoft in deren Firmengeschichte“, erklärt Sven Gundermann, Geschäftsführender Gesellschafter beim Bad Homburger Vermögensverwalter Taunus Investments.

Preis‐wert?

Analysten diskutieren nun darüber, ob der Kaufpreis gerechtfertigt ist. Denn LinkedIn brachte es 2015 lediglich auf einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden US‐Dollar und hat zudem niemals dauerhaft schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings hat das Business‐Netzwerk zuletzt positiv überrascht. Zwischen Anfang April und Ende Juni kletterte der Umsatz auf 933 Millionen US‐Dollar – gegenüber dem Vorjahreszeitraum macht das ein Plus von 31 %. Und auch die Zahl der Mitglieder wuchs im 2. Quartal um 17 auf 450 Millionen, jeder vierte nutzt das Netzwerk aktiv. Für das Microsoft‐Imperium ist das zwar eher eine kleine Hausnummer. „Doch Microsoft stand unter Zugzwang. Neben der Tatsache, dass der Software‐Konzern über prall gefüllte Kassen verfügt, fehlt eine klare Online‐Strategie“, so Gundermann. „Das Management sah sich wohl deshalb zu Aktivitäten gezwungen, die es vor einigen Jahren bei Microsoft niemals gegeben hätte.“

Deal langfristig sinnvoll?

Dennoch: „Langfristig kann sich der Deal für beide Parteien durchaus als sinnvoll erweisen, da das Karriere‐Netzwerk nun einen starken Partner an seiner Seite hat“, glaubt Gundermann. Aber auch die breitere Aufstellung des Software‐Giganten gefällt dem Vermögensverwalter. „Mit dem LinkedIn‐Deal ist Microsoft quasi in den sozialen Netzwerken angekommen, nachdem das Software‐Haus kürzlich auch das Gaming‐Segment mit der Minecraft‐Übernahme betreten hatte.“

Der Kurs der LinkedIn‐Aktie (WKN A1H82D) machte nach Bekanntwerden des Angebots einen Freudensprung. Für schon längere Zeit engagierte LinkedIn‐Anteilseigner ist diese Bewegung jedoch nur ein kleiner Trost. Denn noch im Herbst 2015 wurde die Aktie zu Kursen über 250 US‐Dollar gehandelt. Dann sorgten schwache Geschäftsergebnisse für die Kurskorrektur.

870747 — Microsoft

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A1H82D — LinkedIn

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