Medien
Wer profitiert vom digitalen Wandel?

Klas­sis­che Medi­en­häuser wie Axel Springer kämpfen bei der Dig­i­tal­isierung mit neuen Konkur­renten wie Face­book oder Google.

Fernse­habend mit ARD und ZDF? Von wegen. Vor allem das junge Pub­likum set­zt zunehmend aufs Strea­men. Anbi­eter wie Net­flix (WKN 552484) oder Ama­zon Prime liefern mit selb­st pro­duzierten Serien span­nende Unter­hal­tung. In den USA nutzen bere­its heute mehr als 60 % der jün­geren Bevölkerung haupt­säch­lich Stream­ing-Dien­ste. “Mehr als die Hälfte aller Amerikan­er schaut Filme und Serien über das Inter­net und wen­det dafür rund zwei Mil­liar­den US-Dol­lar im Monat auf – Ten­denz steigend”, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlages­tratege Pri­vat- und Fir­menkun­den der Deutschen Bank.

Die Dig­i­tal­isierung hält Einzug in alle Lebens- und Wirtschafts­bere­iche – und macht auch vor der Medi­en­branche nicht Halt. Neue Anbi­eter machen den Platzhirschen zunehmend Mark­tan­teile stre­it­ig. Das bekom­men auch TV-Konz­erne wie ProSiebenSat1 Media (WKN PSM777) oder die RTL Group (WKN 861149) zu spüren. Noch vor eini­gen Jahren kon­nten sich diese bei­den Anbi­eter den deutschen Werbe­markt der pri­vat­en Fernsehsender nahezu allein aufteilen. Aus und vor­bei. Vor allem die jün­geren Kun­den set­zen ver­stärkt auf “On-demand”-Angebote im Inter­net. Das klas­sis­che Fernse­hen mit fes­ten Sendezeit­en vor dem heimis­chen Gerät dürfte weit­er an Bedeu­tung ver­lieren.

Wie Google denken

Auch Ver­lage ste­hen vor großen Her­aus­forderun­gen. “Ver­leger müssen wie Google denken. Sie denken aber meist noch wie Yahoo, der let­zte Vertreter der alten Medi­enun­ternehmen im Netz”, analysiert der US-Medi­en­wis­senschaftler Jeff Jarvis. Yahoo wolle die Inhalte besitzen und die Men­schen dazu bewe­gen, auf die Yahoo-Seite zu kom­men, wo sie so viel Wer­bung wie möglich gezeigt bekom­men sollen. “Das ist das alte Mod­ell”, so Jarvis. “Google dage­gen verteilt seine Pro­duk­te über das Inter­net, seine Land­karten, seine Videos und seine Wer­bung. Das ist das neue Mod­ell.”

Axel Springer (WKN 550135) ist auf gutem Weg zum “neuen Mod­ell”. Schon jet­zt erzielt der Berlin­er Konz­ern mehr als die Hälfte des Umsatzes mit den neuen Medi­en. Beim Gewinn steuern die neuen Ange­bote sog­ar schon rund 75 % bei. Weit­ere Schritte hat der Konz­ern erst vor weni­gen Monat­en mit dem neuen Gesamtkonzept WELT umge­set­zt: Aus­ge­hend vom Zeitungs­for­mat bespielt der MDAX-Wert jet­zt auch die kom­plette Band­bre­ite im Inter­net mit klas­sis­chen Artikeln und inno­v­a­tiv­en Vide­o­for­mat­en. Zudem hat Axel Springer beim Ange­bot erfol­gre­ich eine Bezahlschranke etabliert. Da aus dem Nachricht­enkanal N24 jet­zt auch WELT wurde, deckt Axel Springer mit ein­er Marke alle Ver­trieb­swege mod­ern­er Medi­en­häuser unter ein­er Marke ab. In der Bilanz 2017 spiegelt sich das noch nicht wider. “Das oper­a­tive Ergeb­nis lag hin­ter den Erwartun­gen”, so Mar­cus Diebel, Ana­lyst bei JP Mor­gan. “Bess­er als erwartet fiel dage­gen der Umsatz aus.”

Neues Modell funktioniert

Vor­re­it­er in der neuen Medi­en­welt sind Konz­erne wie Face­book (WKN A1JWVX) und Google mit der Mut­terge­sellschaft Alpha­bet (WKN A14Y6H). Sie wirbeln den klas­sis­chen Werbe­markt durcheinan­der und kön­nen als Plat­tfor­man­bi­eter zusät­zliche Erträge ohne zusät­zliche Kosten gener­ieren. So hat Face­book im ver­gan­genen Jahr bei einem Umsatz von 40,6 Mil­liar­den US-Dol­lar einen Net­to­gewinn von knapp 16 Mil­liar­den US-Dol­lar einge­fahren — gegenüber dem Vor­jahr ein Plus von 56 %. Inwieweit der jüngst aufgekommene Daten­skan­dal das Geschäft von Face­book mit­tel- bis langfristig belas­ten wird, ist noch schw­er abschätzbar. Nach der jüng­sten Anhörung von Face­book-Chef Markt Zucker­berg in Wash­ing­ton ist eins aber klar: Die Führungse­tage hat ver­standen, wie stark das Ver­trauen in das soziale Net­zw­erk geschwächt wor­den ist. Mit­tler­weile scheint es auch möglich, dass Face­book sein Ange­bot teil­weise kostenpflichtig anbi­eten kön­nte. Diese Pre­mi­umkun­den wür­den dann auch keine Wer­bung mehr enthal­ten. Grund­sät­zlich soll Face­book aber kosten­los bleiben.

Breit investieren

Anleger, die Einzel­w­er­trisiken scheuen, kön­nen auch bre­it gestreut in den Medi­ensek­tor investieren. Einen Fokus auf die europäis­che Medi­en­branche set­zt beispiel­sweise der iShares STOXX Europe 600 Media ETF (WKN A0H08L). Die Gesamtkosten­quote liegt bei 0,46 % pro Jahr. Zu den großen Titeln im ETF gehören unter anderen der franzö­sis­che Broad­cast­ing-Konz­ern Viven­di (WKN 591068), der nieder­ländis­che Anbi­eter von Fach­in­for­ma­tio­nen Wolters Kluw­er (WKN A0J2R1) sowie Sky (WKN 893517). Das Man­age­ment des 2016 aufgelegten Fonds Pictet Dig­i­tal (WKN A2AEXH) pickt dage­gen weltweit Unternehmen her­aus, die dig­i­tale Tech­nolo­gien im Bere­ich Kom­mu­nika­tion ver­wen­den. Der Fonds ist aktuell zu mehr als 60 % in den USA und zu mehr als 15 % in Chi­na investiert. Aktien aus anderen Län­dern spie­len eine unter­ge­ord­nete Rolle.

Aktien und ETF-Index­fonds unter­liegen Kurss­chwankun­gen; damit sind Kursver­luste möglich. Bei Wert­pa­pieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsver­luste möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Allein verbindliche Grund­lage des Kaufs eines ETFs sind die derzeit gülti­gen Verkauf­sun­ter­la­gen des ETFs (“Wesentliche Anlegerin­for­ma­tio­nen”, Verkauf­sprospekt sowie Jahres- und Hal­b­jahres­berichte, soweit veröf­fentlicht). Diese Unter­la­gen, die in englis­ch­er und/oder deutsch­er Sprache vor­liegen, erhal­ten Sie auf der Wert­pa­pi­er-Detail­seite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emit­ten­ten. Die Beschrei­bung der Wert­pa­piere stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung dar. Stand: 04.07.2018. Quelle: comdirect.de.