America First: Donald Trump und seine Frau

Donald Trump Fragezeichen USA

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Special zur US‐Wahl

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Markigen Worten folgen Taten im Minutentakt. Worauf müssen sich Anleger in der Ära Trump einstellen?

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 Jetzt wird es ernst

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Markigen Worten folgen Taten im Minutentakt. Worauf müssen sich Anleger in der Ära Trump einstellen?

Jeden Tag eine neue Überraschung: Nach dem spektakulären Rücktritt seines Sicherheitsberaters Mike Flynn hat Donald Trump nun Herbert Raymond McMasters zum neuen Sicherheitschef ernannt, ein Querdenker, dem selbst die Demokraten Respekt zollen. Mit diesem Schachzug hat der neue US‐Präsident mal wieder für Wirbel gesorgt – wie fast täglich seit seinem Amtsantritt vor gut einem Monat. So hat er nicht nur den Medien den Kampf angesagt, auch berichtete er von Anschlägen in Schweden mit Flüchtlingshintergrund, die es nie gegeben hat. Und selbst amerikanische Verfassungsorgane ging er an. Nachdem ein Bundesrichter im Staat Washington das von Donald Trump erlassene temporäre Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Staaten gestoppt hatte, twitterte der US‐Präsident, dass die Meinung „dieses sogenannten Richters“ „lächerlich“ sei und aufgehoben werden würde – und legte prompt Berufung ein.

Zwar hat das Berufungsgericht den Einspruch zurückgewiesen, das Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Staaten bleibt außer Kraft gesetzt. Doch prompt hat Trump die Abschiebungsrichtlinien für illegal in den USA lebende Bürger deutlich erleichtert. Die harte Gangart der Regierung gegen Ausländer und vor allem Muslime droht die USA zu spalten. In den großen Städten des Landes formierte sich der Protest auf den Straßen, auch Unternehmensgrößen aus dem Silicon Valley wie Facebook‐Chef Mark Zuckerberg oder Microsoft‐Chef Satya Nadella machen öffentlich Front gegen den neuen US‐Präsidenten. Kritik aber schätzt Donald Trump nicht. Das bekam auch Sally Yates zu spüren. Nach Kritik an dem Einreiseverbot hat Trump seine kommissarische Justizministerin kurzerhand gefeuert.

Politik im Eiltempo

Donald Trump macht ernst – im Eiltempo setzt er um, was er im Wahlkampf angekündigt hat. Bereits in den ersten Tagen seiner Amtszeit hat er per Exekutivanordnung das Ende der Krankenversicherung „Obamacare“ eingeleitet und per Dekret die Ratifizierung des Transpazifischen Freihandelsabkommens TPP gekippt, auch ein Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen gilt als wahrscheinlich. Zudem unterzeichnete Trump gleich mehrere Dekrete, um die Regulierung des Bankensektors aufzuheben, die sein Amtsvorgänger Barack Obama zur Stabilisierung des Finanzsystems umgesetzt hatte. Für Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo‐Instituts, ein Grund zur Besorgnis. „Wenn Länder wie die USA die Finanzmarktregulierung nur darauf ausrichten, die Wettbewerbsfähigkeit oder Ertragskraft ihrer Banken zu steigern, führt das zu einem Deregulierungswettbewerb, an dessen Ende der nächste Finanzmarktcrash stehen wird,” sagte der Ökonom gegenüber der FAZ.

Unsicherheit wächst

Quo vadis, USA? Die Verunsicherung wächst – in der Politik und auch in den Unternehmen. Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Groß‐ und Außenhandel, sieht in Trump eine Gefahr für den Welthandel und damit auch für die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft. „Ich warne davor, Präsident Trump nicht ernst zu nehmen“, so Börner, „wir werden uns auf neue Zeiten einstellen müssen.“ Das zeigt sich bereits in den Orderbüchern deutscher Maschinen‐ und Anlagebauer. Die USA sind der größte Auslandsmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Im Dezember ging der Auftragseingang aus dem Ausland um 22 % zurück.

Wirbel bei Autobauern

Dass Trump es mit seinem Wahlslogan „America first“ ernst nimmt, bekommt vor allem die Automobilindustrie zu spüren. Schon die Androhung hoher Strafzölle für Importe verunsichert die Branche und drückt auf die Aktienkurse – ob bei deutschen Anbietern BMW (WKN 519000), Daimler (WKN 710000) und VW (WKN 766403) oder zwischenzeitlich beim japanischen Marktführer Toyota (WKN 853510). Der US‐Autobauer Ford hat bereits Pläne für den Bau einer Produktionsstätte in Mexiko zurückgezogen, andere Unternehmen könnten folgen. Sowohl für Toyota, als auch für deutsche Hersteller wie BMW sind die USA nicht nur ein wichtiger Exportmarkt, sondern auch ein bedeutender Produktionsstandort, von dem aus der Weltmarkt beliefert wird. „Wir nehmen die Äußerungen ernst“, kommentiert Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Trumps Ankündigungen. Allerdings müsse es sich erst noch zeigen, ob und wie diese Ankündigungen künftig von der US‐Administration umgesetzt werden. „Mit dem Aufbau von Zöllen oder anderen Handelsbarrieren würden sich die USA langfristig ins eigene Fleisch schneiden“, so Wissmann.

US‐Mittelstand bleibt optimistisch

Angekündigte Steuersenkungen auf einen Satz von 15 % für Unternehmen und auch die geplanten Investitionen in Infrastruktur dürften die Wirtschaft ankurbeln und Konjunkturoptimismus versprühen. „Das Stimmungsbarometer für kleine und mittlere US‐Unternehmen stieg im Dezember um 7,4 auf 105,8 Punkte – das größte Plus in der Indexgeschichte und der beste Wert seit Ende 2004“, sagt Ulrich Stephan, Chef‐Anlagestratege Privat‐ und Firmenkunden der Deutschen Bank. Dabei stelle der US‐Mittelstand rund 80 % der Arbeitsplätze und habe eine ähnliche Bedeutung wie der deutsche. „Seine guten Aussichten dürften daher den Konsum stärken, den schon die zuletzt kräftig gestiegenen Löhne stützten, und könnten in mehr Investitionen münden“, so Stephan. „Bisher gehe ich für 2017 von einem US‐Wachstum von 2,4 % aus. Mit Blick auf diese Daten könnte es sich aber zum Jahresende sogar auf bis zu 4 % beschleunigen.“

Märkte mögen Trump – bisher

An den Börsen galt der Immobilienmogul vor der Wahl noch als potenzielles Risiko für Investoren, nach seiner Wahl im November und Dezember allerdings hat er mit den Aussichten auf Steuersenkungen, Deregulierung und Infrastrukturinvestitionen eine regelrechte Rally entfacht. Ob der Trend anhält? „Die große Frage lautet nun, welche Teile seines politischen Programms realisiert werden“, sagt Jan Holst Hansen, Chefanalyst bei Danske Invest. Am wahrscheinlichsten ist für ihn, dass Trump sein umfassendes Steuerpaket auf den Weg bringen wird. „Das kann in der zweiten Jahreshälfte moderat positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben“, glaubt der Ökonom, der für die US‐Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 2,5 % erwartet.

As im Ärmel

Steuererleichterungen und Infrastrukturinvestitionen könnten den US‐Haushalt zusätzlich belasten. Aber die Trump‐Regierung hat noch ein As im Ärmel: Rund 2 Billionen US‐Dollar horten US‐Unternehmen im Ausland. Bereits eine Rückführung zu einem reduzierten Steuersatz von 5 % oder 10 % würden nicht nur dem Staatshaushalt gut tun. Auch könnte der Rückfluss nach Einschätzung von Analysten der Deutsche Asset Management Aktionären zu Gute kommen – in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen.

Erneuerbare Energien in den USA – trotz Trump

Donald Trump hat auch Deregulierungen in Aussicht gestellt – neben der Finanzbranche soll auch der Energiesektor weniger gesetzlichen Vorgaben folgen müssen. Zu den Verlierern nach der Wahl im vergangenen November gehörten indes Anbieter von erneuerbaren Energien. Anleger befürchteten, dass das Umsatzwachstum einbrechen könnte, falls die USA ihre Haltung gegenüber dem Klimawandel aufweichen. „Wir sind zuversichtlich, dass der Markt überreagiert hat und die Aussichten für das Umsatzwachstum der Windturbinenhersteller – angetrieben von der Entwicklung in den Schwellenländern – nach wie vor gültig sind“, so Analysten des Vermögensverwalters GAM. Roberto Cominotto, bei GAM Investment Director für Energieaktien: „Wir streben daher an, gezielt US‐Unternehmen zu kaufen, wenn diese eine Schwächephase haben.“ Nach seiner Einschätzung seien die Aussichten der Renewables gut, nicht zuletzt deshalb, weil der US‐Kongress die steuerliche Förderung von Windkraft‐ und Solaranlagen erst im Dezember 2015 um fünf Jahre verlängert hat. „Eine Aufhebung ist daher unwahrscheinlich“, erklärt Cominotto.

US‐Dollar im Blick

Binnen fünf Jahren hat der Euro gegenüber dem Dollar fast 20 % seines Wertes eingebüßt. Und es könnte noch mehr werden. Ökonomen der Deutschen Bank oder von Goldman Sachs erwarten, dass der US‐Dollar aufgrund der angekündigten Zinsschritte der US‐Notenbank FED weiter an Stärke gewinnt und noch in diesem Jahr die Parität erreicht werden wird. Investoren aus dem Euroraum können mit US‐Investments oder Währungskonten von einer möglichen Aufwertung des Greenback profitieren.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Wertpapiere in ausländischer Währung unterliegen zudem Währungsrisiken. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 22.02.2017; Quelle: comdirect