Interview – In volatilen Märkten sind Dividendenaktien weniger gefährdet

Interview „In volatilen Märkten sind Dividendenaktien weniger gefährdet.“

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Marcus Poppe

Marcus Poppe

ver­wal­tet zusam­men mit Tho­mas Schüß­ler den Fonds­klas­si­ker DWS Top Divi­den­de (WKN 984811). Zudem ist er seit 2013 haupt­ver­ant­wort­li­cher Fonds­ma­na­ger des DWS Smart Indus­tri­al Tech­no­lo­gies (frü­her DWS Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen).

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Divi­den­de statt Zin­sen: Bis 31.05.2019 kön­nen Anle­ger bei com­di­rect den bewähr­ten DWS Top Divi­den­de im aktu­el­len Anla­ge­Spe­zi­al ohne Aus­ga­be­auf­schlag ordern.

Mar­cus Pop­pe, mit­ver­ant­wort­lich für den DWS Top Divi­den­de, über die lang­fris­ti­gen Vor­tei­le der Divi­den­den­stra­te­gie und wor­auf es bei der Aus­wahl von Divi­den­den­ak­ti­en ankommt.

com­di­rect: Herr Pop­pe, mit rund 18 Mil­li­ar­den Euro Anla­ge­ver­mö­gen ist der DWS Top Divi­den­de der größ­te Akti­en­fonds Deutsch­lands. Wie haben Sie das in 15 Jah­ren geschafft?

Mar­cus Pop­pe: Zur Jahr­tau­send­wen­de noch setz­ten Anle­ger vor allem auf Wachs­tum pur und ver­nach­läs­sig­ten das Anla­ge­kri­te­ri­um Divi­den­de. Das hat sich spä­tes­tens mit der Finanz­kri­se geän­dert. Da haben Aktio­nä­re erkannt, dass Unter­neh­men mit über­durch­schnitt­li­cher Divi­den­den­ren­di­te lang­fris­tig häu­fi­ger erfolg­reich sind. Divi­den­den­fonds sind weni­ger vola­til als der Gesamt­markt und bie­ten zudem noch regel­mä­ßi­ge Aus­schüt­tun­gen, bei uns etwa 3 % pro Jahr. Damit sind sie auch für vor­sich­ti­ge Anle­ger geeig­net, die sie als Bei­mi­schung zu Anlei­hen und Cash hal­ten wol­len.

com­di­rect: Was macht Divi­den­den­wer­te stark?

Mar­cus Pop­pe: Im lang­fris­ti­gen Mit­tel mach­ten die Divi­den­den über Jahr­zehn­te je nach Markt rund 40 % der Gesamt­ren­di­te aus. Unter­neh­men mit ste­ti­gen Gewinn- und Divi­den­den­stei­ge­run­gen sind vor rabia­ten Kurs­ab­stür­zen ten­den­zi­ell bes­ser geschützt. Dadurch sind Divi­den­den­stra­te­gi­en im Ver­gleich zu ande­ren Akti­en­markt­stra­te­gi­en rela­tiv defen­siv. In rasan­ten Auf­schwung­pha­sen wer­den Divi­den­den­fonds zwar nicht zu den Top-Per­for­mern gehö­ren, aber wenn die Märk­te vola­til wer­den, sind Divi­den­den­ak­ti­en weni­ger gefähr­det.

com­di­rect: Weni­ger oder gar nicht?

Mar­cus Pop­pe: Divi­den­den­wer­te bewir­ken kei­ne Wun­der. Wenn die Akti­en­märk­te wie in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2018 stark kor­ri­gie­ren, lei­den auch Akti­en mit star­ken Aus­schüt­tun­gen. Das Jahr 2018 etwa hat der DWS Top Divi­den­de mit einem Minus von knapp 3 % abge­schlos­sen. Rote Zah­len sind für Anle­ger grund­sätz­lich kein Anlass zum Jubel und machen auch uns nicht glück­lich. Aber mit die­sem Ver­lust hat der Fonds immer noch deut­lich bes­ser abge­schnit­ten als der DAX oder ande­re inter­na­tio­na­le Indi­zes.

com­di­rect: Erwar­ten Sie mit­tel­fris­tig vola­ti­le­re Zei­ten?

Mar­cus Pop­pe: Nach den ver­gan­ge­nen zehn star­ken Bör­sen­jah­ren ist die Luft an den Bör­sen dün­ner gewor­den. Das hat sich im vier­ten Quar­tal 2018 deut­lich gezeigt. Ich glau­be, dass die­ser Rück­schlag nur ein Vor­ge­schmack auf die nächs­ten Jah­re war. Die Märk­te wer­den vola­ti­ler, mit schwä­che­ren Akti­en­jah­ren muss man wohl rech­nen. Der Anteil der Divi­den­de an der Gesamt­per­for­mance könn­te sogar auf 50 % stei­gen. Wenn wir dann die durch­schnitt­li­che Divi­den­den­ren­di­te im Fonds bei rund 3,5 % hal­ten kön­nen, wür­de das einem durch­schnitt­li­chen jähr­li­chen Gesamt­plus von 7 % ent­spre­chen – weni­ger als frü­her, aber in insta­bi­len Märk­ten ein anspruchs­vol­les Ziel.

com­di­rect: Müs­sen Akti­en Min­dest-Divi­den­den­ren­di­ten auf­wei­sen, um im DWS Top Divi­den­de Auf­nah­me zu fin­den?

Mar­cus Pop­pe: Wir haben eine Misch­be­trach­tung. Ins­ge­samt stre­ben wir im Fonds eine durch­schnitt­li­che Divi­den­den­ren­di­te von über 3,5 % an, rund einen Pro­zent­punkt über der Divi­den­den­ren­di­te des glo­ba­len Akti­en­mark­tes. Für den Ein­zel­wert gibt es kei­ne Min­dest­mar­ke. Wenn die Divi­den­den eines Unter­neh­mens ste­tig stei­gen und die Markt­stel­lung gut ist, kön­nen im Ein­zel­fall durch­aus 2 % aus­rei­chen. Das ist mehr, als aktu­ell mit Unter­neh­mens­an­lei­hen bes­ter Boni­tät oder gar Bun­des­an­lei­hen zu holen ist. Bedenk­li­cher als eher klei­ne Divi­den­den­ren­di­ten mit stei­gen­der Ten­denz sind für uns außer­ge­wöhn­lich hohe Divi­den­den­ren­di­ten. Die sind eher ein Warn­si­gnal.

com­di­rect: War­um?

Mar­cus Pop­pe: Bei zwei­stel­li­gen Divi­den­den­ren­di­ten ist meist etwas faul. Sie beru­hen oft auf stark gesun­ke­nen Akti­en­kur­sen wie etwa in der Ver­gan­gen­heit bei deut­schen Ban­ken oder Ver­sor­gern. Da zeig­te sich: Erst san­ken die Kur­se und die Divi­den­den­ren­di­ten explo­dier­ten. Dann san­ken die Kur­se wei­ter und auch die Divi­den­den schmol­zen. Aus­schüt­tun­gen über 6 % hal­ten wir grund­sätz­lich eher für bedenk­lich.

com­di­rect: Wor­auf ach­ten Sie bei der Akti­en­aus­wahl neben der Divi­den­den­ren­di­te?

Mar­cus Pop­pe: Ein wich­ti­ger Para­me­ter ist eine min­des­tens kon­stan­te, bes­ser zuneh­men­de Aus­schüt­tung. Sie signa­li­siert uns, dass das Unter­neh­men auf einem ste­ti­gen Wachs­tums­pfad ist. Von Bedeu­tung ist zudem die Höhe der Aus­schüt­tungs­quo­te. Sie soll­te im Regel­fall nicht über 50 % des Gewinns lie­gen. Denn es nutzt wenig, wenn Unter­neh­men ihren kom­plet­ten Gewinn regel­mä­ßig an die Aktio­nä­re ver­tei­len oder gar aus der Sub­stanz aus­schüt­ten. Dann bleibt kein Kapi­tal für Inves­ti­tio­nen in die Zukunft und die Divi­den­de kann kaum nach­hal­tig sein.

com­di­rect:  Gibt es Bran­chen, in denen Sie Ihre Anfor­de­run­gen an Divi­den­den­hö­he und -kon­stanz sowie Aus­schüt­tungs­quo­te beson­ders häu­fig erfüllt sehen?

Mar­cus Pop­pe: Sol­che Unter­neh­men fin­den wir in allen Bran­chen. Das zeigt sich auch im Fonds, über 20 % Port­fo­li­o­an­teil macht kein Sek­tor aus. Als Stand­bein set­zen wir auf Unter­neh­men, die regel­mä­ßig 5 bis 6 % aus­schüt­ten. Sie kom­men oft aus dem Infra­struk­tur­be­reich, aus der Tele­kom- und Ver­sor­ger­bran­che. Stark sind aber auch die Phar­ma­kon­zer­ne mit ihren sta­bi­len Geschäfts­mo­del­len und Kon­sum­gü­ter.

com­di­rect: Wel­che Sek­to­ren fin­den Sie aktu­ell beson­ders inter­es­sant?

Mar­cus Pop­pe: Gut ent­wi­ckelt hat sich zuletzt der Ener­gie­sek­tor. Die Ölpro­du­zen­ten haben gezeigt, dass sie auch bei Ölprei­sen zwi­schen 50 und 60 US-Dol­lar gute Gewin­ne erwirt­schaf­ten kön­nen. Sie gehen effi­zi­en­ter mit dem Kapi­tal um als noch vor eini­gen Jah­ren. Über­zeu­gen konn­ten zuletzt auch die Minen­wer­te. Ihre Bilan­zen und Aus­schüt­tun­gen haben sich ver­bes­sert. Falls die Annä­he­rung zwi­schen den USA und Chi­na nach­hal­tig ist, könn­ten die Kur­se der Minen­ge­sell­schaf­ten zudem einen Extra­schub bekom­men.

com­di­rect:  In wel­chen Län­dern fin­den Sie die meis­ten Divi­den­den­fa­vo­ri­ten?

Mar­cus Pop­pe: Wir haben kei­ne spe­zi­fi­sche Län­der­al­lo­ka­ti­on und sind welt­weit aktiv. Aller­dings sind wir gegen­über dem MSCI World in Euro­pa deut­lich über­ge­wich­tet. Das liegt an den über­durch­schnitt­li­chen Divi­den­den­ren­di­ten auf unse­rem Kon­ti­nent. In den USA dage­gen lie­gen die Divi­den­den­ren­di­ten nied­ri­ger, weil US-Unter­neh­men viel mit Akti­en­rück­käu­fen arbei­ten. Zwar ent­hält der Fonds rund 40 % US-Wer­te, aber das sind 20 Pro­zent­punk­te weni­ger als im MSCI-World-Index. Inter­es­san­te Divi­den­den­wer­te gibt es auch in Asi­en. Hier sind wir in Japan, in Süd­ko­rea und in Tai­wan enga­giert, zum Teil auch im Soft­ware- und IT-Bereich.

Wert­pa­pie­re und Invest­ment­fonds unter­lie­gen Kurs­schwan­kun­gen; damit sind Kurs­ver­lus­te mög­lich. Bei Wert­pa­pie­ren, die nicht in Euro notie­ren, sind zudem Wäh­rungs­ver­lus­te mög­lich. Die frü­he­re Wert­ent­wick­lung ist kein ver­läss­li­cher Indi­ka­tor für die zukünf­ti­ge Wert­ent­wick­lung. Die Aus­wahl der Wert­pa­pie­re und sons­ti­gen Finanz­in­stru­men­te dient aus­schließ­lich Infor­ma­ti­ons­zwe­cken und stellt kein Ange­bot, kei­ne Auf­for­de­rung oder Emp­feh­lung zum Kauf oder Ver­kauf von Finanz­in­stru­men­ten dar. Sie soll ledig­lich Ihre selbst­stän­di­ge Anla­ge­ent­schei­dung erleich­tern und ersetzt kei­ne anleger‐ und anla­ge­ge­rech­te Bera­tung. Die Dar­stel­lung gibt nicht die Mei­nung von com­di­rect wie­der. Allein ver­bind­li­che Grund­la­ge des Kaufs bei Fonds sind die der­zeit gül­ti­gen Ver­kaufs­un­ter­la­gen des Fonds („Wesent­li­che Anle­ger­infor­ma­tio­nen“, Ver­kaufs­pro­spekt sowie Jahres‐ und Halb­jah­res­be­rich­te, soweit ver­öf­fent­licht). Die­se Unter­la­gen erhal­ten Sie auf der Fonds‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emit­ten­ten. Die hier dar­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen und Wer­tun­gen genü­gen nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen zur Gewähr­leis­tung der Unvor­ein­ge­nom­men­heit einer Anla­ge­emp­feh­lung oder Anla­ge­stra­te­gie­emp­feh­lung. Dar­über hin­aus unter­lie­gen die dar­ge­stell­ten Wert­pa­pie­re und sons­ti­gen Finanz­in­stru­men­te kei­nem Ver­bot des Han­dels vor der Ver­öf­fent­li­chung von Anlage‐ oder Anla­ge­stra­te­gie­emp­feh­lun­gen. Stand: 24.04.2019; Quel­le: comdirect.de